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Charles Lisanby und Andy Warhol, 25 Cats Name[d] Sam and One Blue Pussy, 1954, Offsetdruck nach Tuschezeichnung, koloriert, Hardcover,23,3 x 15,6 x 1,0 cm
© 2013 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Artists Rights Society (ARS), New York

Alan Neame (Hg.), The Adventures of Maud Noakes. An Autobiographical Account by the Authoress of the Noakes Report, 1961, Bucheinbandgestaltung von Andy Warhol, 21 x 14 x 2,2 cm.

Andy Warhol, Kasper König, Pontus Hultén, Olle Granath (Hrsg.), Cover von „Andy Warhol“, Ausstellungskatalog (Moderna Museet Stockholm), 1968, 27,0 x 20,9 x 2,5 cm, basierend auf einer Fotografie von Hibiskusblüten von Patricia Caulfield in „Modern Photography“, Juni 1964

Andy Warhol mit Bob Colacello, Andy Warhol’s Exposures, 1979, Cover, 29,3 x 24,1 x 2,5 cm

© (4) Haydar Koyupinar 2013 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Artists Rights Society (ARS), New York

Maude Hutchins, Love Is a Pie, 1952, Bucheinbandmotiv von Andy Warhol, 20,1 x 16,0 x 2,6 cm.

 
Leben 7. Oktober 2013

Warhols Bücher

Künstlerisches Multitalent und Selbstdarsteller – Andy Warhol hat viele Gesichter. Eine seiner bisher zu wenig gewürdigten Seiten zeigt die Ausstellung „Reading Andy Warhol“ im Museum Brandhorst in München.

Gemeinhin gilt er als Galionsfigur der Pop-Art und damit als einer der wichtigsten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die gegenwärtige Ausstellung widmet sich dem Illustrator, Autor und Verleger Andy Warhol.

Diese Ausstellung birgt Überraschungen, zeigt sie doch eine bislang wenig beachtete Seite des New Yorker Multitalents. Andy Warhol wurde bereits durch seine „Factory“, jenem Treibhaus für Ideen, Konzepte und Projekte in den 1960er- und 1970er-Jahren in Kunstkreisen zu einer lebenden Legende. Mit dem 1969 gegründeten Magazin „Interview“ hat er zudem Mediengeschichte geschrieben. Er gilt als einer der wesentlichen Protagonisten nicht nur der Pop-Art, sondern auch der amerikanischen Pop-Kultur. Sein künstlerisch-gestalterisches Betätigungsfeld war vom Film über Fotografie bis hin zur Musik, Malerei und Grafik dementsprechend weit gespannt.

Form und Inhalt

Nach der Schulzeit hatte Andy Warhol zunächst am Carnegie Institute of Technology „Pictorial Design“ studiert. Dieses Studium zielte in erster Linie auf Werbegrafik ab. In verhältnismäßig kurzer Zeit hatte er sich in New York einen Namen gemacht, Mitte der 1950er-Jahre zählte er bereits zu den bestbezahlten Illustratoren der Stadt. Was Warhols Bücher betrifft, so lag die produktivste Zeit in den 1950er-Jahren, etwa zwei Drittel davon sind da entstanden. Sein Stil war und blieb – auch unter rein kommerziellen Gesichtspunkten – facettenreich und bot Abwechslung. Er unterschied sich etwa deutlich von der naturalistisch und detailreichen Illustrationen eines Norman Rockwell.

Warhol reduzierte Konturen und Farbflächen auf das Nötigste und setzte so seine Sujets äußerst gekonnt in Szene. Er nützte dafür alle ihm zur Verfügung stehenden grafischen und drucktechnischen Möglichkeiten, um seriell arbeiten zu können. Die auf diese Weise entwickelten Motive wurden im Offsetverfahren gedruckt und im Zuge sogenannter „Coloring Parties“ von freiwilligen Helfern aquarelliert. Dieser Vorgang weist zwar Parallelen mit der durchaus gängigen Arbeitsteilung in namhaften Künstlerateliers auf. Warhols Vorgehensweise ist in dieser Hinsicht allerdings als äußerst radikal, wenn nicht sogar als revolutionär zu bezeichnen. Die eigene Autorenschaft wurde auf diese Art und Weise scheinbar ad absurdum geführt.

Der Schritt von der reinen Illustration und dekorativen Motive hin führte schließlich zu den berühmten 32 Campbells-Suppendosen auf Leinwand, die 1962 bei Irving Blum in der Ferus Gallery, Los Angeles, gezeigt wurden.

Bilder für Bücher

Die Ausstellung im Museum Brandhorst widmet sich indes dem Illustrator, Autor und Verleger Warhol, der zeit seines Lebens zu etwa 100 Büchern seinen künstlerischen Beitrag beigesteuert hat. Um seinen Bekanntheitsgrad gezielt zu fördern, schuf er bereits in den Jahren 1952 bis 1960 die „Promotional Books“, die weit mehr als reine Arbeitsproben seines zeichnerischen und gestalterischen Könnens waren. Seine inhaltlich breit gefächerten Illustrationen wirken nie oberflächlich, sondern sind voller Witz und Ironie, geistreich und originell.

In diesen Jahren entstanden insgesamt acht dieser Bücher, wobei es sich in manchen Fällen um Kooperationen mit unterschiedlichen Autoren handelte. Die meisten dieser Bücher sind – soweit bekannt – in kleinen Auflage von 100 Exemplaren entstanden: Love Is a Pink Cake, A Is an Alphabet, 25 Cats Name[d] Sam and One Blue Pussy, À la recherche du shoe perdu, In the Bottom of My Garden, A Gold Book, Wild Raspberries sowie als letztes Holy Cats by Andy Warhol’s Mother. Serielle Gestaltungsprinzipien gehörten dabei zu den bevorzugten Arbeitstechniken. Die künstlerische Umsetzung der Siebdrucke, mit Motivstempeln versehene Einbände und Fotobücher verweisen immer wieder auf die akkurate grafische Ausbildung Warhols.

Absichtsvoll beiläufig

Patrick Smith, Autor der beiden Standardwerke Warhol: Conversations about the Artist und Andy Warhol’s Art and Films hat diese Herangehensweise an die Buchprojekte sehr treffend als „ sorgfältig ungeplant“ bezeichnet. Denn natürlich geschieht nichts davon beiläufig, auch wenn die Verwendung von einfachem Papier, billiger Bindung und Offsetdruck als Mittel der Vervielfältigung zunächst etwas anderes vermuten lässt. In der Wahl seiner Mittel ging Andy Warhol nicht elitäre, sondern äußerst populäre Wege. Damit steht er den illustrativen Holzstichen und Lithografien in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften des 19. Jahrhunderts sowie der Bilderflut der Magazine der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus nahe.

Das Phänomen einer massenhaften Verbreitung, die allein mit Originalabzügen nicht möglich gewesen wäre, übte künstlerisch eine nicht nachlassende Faszination auf ihn aus. Trotz allem blieb er all die Jahre dem Künstler-Buch als Medium treu. 1980 erschien POPism. The Warhol’60s, das er zusammen mit seiner langjährigen Assistentin Pat Hackett herausbrachte. Sieben Jahre später, posthum, wurden Andy Warhol’s Party Book und The Andy Warhol Diaries veröffentlicht, in denen wesentliche Themenbereiche seiner künstlerischen Arbeit nochmals aufgegriffen wurden. „Mich haben Leute, die etwas zu Papier bringen können, immer fasziniert, und ich habe gerne zugehört, wenn jemand auf neue Weise Altes oder auf alte Weise Neues sagte“, so Andy Warhol in seinem Buch POPism. The Warhol’60s. Genau das hat er in seinen Büchern als Autor, Illustrator und Verleger eingelöst und damit den Grundstein zu einem weit umfassenderen Verständnis seines eigenen künstlerischen Werkes gelegt.

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