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Helfer in den Trümmern nach dem 11. September in New York – manche bezahlten dies mit ihrem Leben.
 
Leben 25. September 2013

12 Jahre danach

Das Leiden der Helfer vom World Trade Center.

Feuerwehrleute, Polizisten, Sanitäter, Bauarbeiter, Freiwillige aus den gesamten USA haben nach dem Attentat vom 11. September 2001 in den Trümmern des World Trade Center gearbeitet. Manche von ihnen bezahlten das mit dem Tod.

Vor zwölf Jahren kollabierten die Twin Towers nach dem Flugzeugattentat der Al-Qaida. Was blieb, war eine enorme, giftige Staubwolke und ein rauchender Berg von Schutt und Asche, in dem sich Asbest, Quecksilber und andere toxische Substanzen mischten. Auf diesem Berg machten sich in den Tagen und Wochen nach dem Attentat Tausende von Helfern zu schaffen; erst um Überlebende zu suchen, dann Überreste. Später begannen die Aufräumarbeiten, die viele Monate dauern sollten.

Lange ist es her, dass die Helfer – Feuerwehrleute, Polizisten, Sanitäter, Freiwillige aus den gesamten USA und später Bauarbeiter – nach ihrem Einsatz heimgingen. Doch für viele unter ihnen war damit der Albtraum nicht vorüber. Manche kehrten schon krank zurück, andere erkrankten später: so zum Beispiel Danny Levi, Leiter einer freiwilligen Feuerwehr in Long Island.

Bei ihm versagte einen Monat nach dem Attentat das Immunsystem. Nach langem Leiden starb er im Januar 2013 im Alter von 54 Jahren. Brian und Chandra Davis aus Hornbreak in Tennessee entwickelten nach ihrem freiwilligen Einsatz ernsthafte Erkrankungen der Atem- und Darmwege. Brian Davis kann laut „New York Daily News“ seitdem nicht mehr in seinem Beruf als Bauarbeiter arbeiten.

Perry Peake, Feuerwehrmann aus Coronado in Kalifornien, kehrte mit einem bösen Husten nach Hause zurück und wurde wenig später mit einer reaktiven Atemwegserkrankung diagnostiziert, unter der er heute noch leidet.

Schutzmaßnahmen für Helfer waren unzureichend

Es ist heute unbestritten, dass die Sicherheits- und Schutzmaßnahmen für die Helfer an der Unglücksstelle in New York unzureichend waren. Kenny Specht aus Levittown, New York, der mehrere Monate am zerstörten World Trade Center verbrachte und durch Schutt grub, erinnerte sich in einem Interview mit ABC News zum zehnten Jahrestag des Attentats: „Sie gaben uns Papiermasken und Overalls, wie man sie aus den TV-Shows für Heimwerker kennt. Und jeden Tag ließen sie uns in unseren kontaminierten Klamotten nach Hause gehen.“

Specht entwickelte erst im Jahr 2006 Gesundheitsprobleme: Zuerst waren es Magen-Darm-Trakt-Komplikationen, die zu einer Entfernung der Gallenblase führten. Wenig später wurde bei ihm Schilddrüsenkrebs festgestellt, den er dank früher Diagnose überlebt hat.

Die Diskussion, wer für die Behandlungskosten und den ökonomischen Schaden der Betroffenen aufkommt, hat sich als schwierig erwiesen. Potenziell qualifizieren sich Zehntausende von Helfern und Überlebenden für Behandlung und Schadensersatz durch ein vor zwei Jahren verabschiedetes Gesetz, den James Zadroga 9/11 Health and Compensation Act.

Doch die Ursache ihrer Erkrankungen ist nicht immer eindeutig auf ihre Anwesenheit an der Unglücksstelle zurückzuführen. Ironischerweise gibt selbst der Fall von James Zadroga, nach dem das Gesetz benannt ist, Zeugnis für diese Problematik. Widersprüchliche ärztliche Autopsiegutachten stellten infrage, ob der New Yorker Detektiv Zadroga, der im Jahr 2006 im Alter von 34 Jahren verstarb, wirklich den Folgen einer Atemwegs- und Lungenerkrankung erlegen war, die er sich durch rund 450 Stunden Helfertätigkeit am World Trade Center zugezogen hatte. Erst als Held gefeiert, dann als möglicherweise medikamentenmissbrauchend infrage gestellt, zuletzt wieder zum Helden erhoben, ist Zadroga ein potenziell entmutigendes Beispiel für diejenigen, die beweisen wollen, dass sie Anspruch auf Entschädigung haben.

Katalog für Krebserkrankungen erstellt

Besonders umstritten waren und sind Krebserkrankungen, weil sie in der Regel erst Jahre später diagnostiziert werden können. Nachdem einige Studien darauf hinwiesen, dass die Helfer des 11. Septembers vermehrt unter bestimmten Krebsarten leiden, wurden im vergangenen Jahr über 50 Krebsvarianten in den Katalog der Krankheiten aufgenommen, für die es laut Zadroga-Gesetz Behandlung und Entschädigung gibt.

Die Diskussion geht allerdings weiter: In einer Studie mit 21.000 Rettungs- und Aufräumarbeitern wurde ein leicht erhöhtes Risiko für Prostatakrebs festgestellt (21 Prozent höher als erwartet). Jetzt wird darüber gestritten, ob auch diese Krebsart in den Zadroga-Katalog aufgenommen werden soll.

Die New Yorker Anwältin Sheila Birnbaum, die den im Gesetz verankerten und mit knapp 2,8 Milliarden Dollar ausgestatteten „Victim Compensation Fund“ verwaltet, ermutigt mutmaßlich Betroffene, in jedem Fall noch in diesem Monat einen Antrag auf Entschädigung zu stellen. Denn am 3. Oktober 2013 läuft die Frist für Anträge aus. Birnbaum ermutigt daher selbst die, die noch keine Symptome aufweisen, sich registrieren zu lassen. Potenzielle Krebsopfer haben noch ein Jahr länger Zeit. Für sie ist die Deadline am 12. Oktober 2014.

Perry Peake, der Feuerwehrmann aus Coronado, hat erst vor Kurzem herausgefunden, dass es den Entschädigungsfonds gibt. Sein Kommentar zu „New York Daily News“: „Vielleicht stelle ich auch einen Antrag. Ich habe Kinder.“

Helfer und Überlebende des 11. September heute

  • 65.000 nehmen am World Trade Center-Überwachungs- und Behandlungsprogramm teil.
  • 1.140 sind mit Krebsarten diagnostiziert worden, die vom National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) als vom Attentat verursacht anerkannt worden sind.
  • Die Krebsrate unter WTC-Helfern ist um rund 15 Prozent erhöht (laut einer im April 2013 veröffentlichten Studie in „Environmental Health Perspectives“).
  • Erhöhtes Risiko vor allem bei Schilddrüsenkrebs (um 239 Prozent erhöht), Weichteilkrebs (um 226 Prozent erhöht) sowie Blut- und Lymphkrebs (um 36 Prozent erhöht).

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