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Leben 20. September 2013

21. September: Internationaler Alzheimer-Tag

Künftig 115 Millionen Demente - und kaum Strategien für die Pflege.


Demenz ist zum Schrecken des Alters geworden. Eine Heilung ist nicht in Sicht. Und je älter die Menschen werden, desto mehr Betroffene wird es geben. Wird die Gesellschaft ihre Pflege organisieren können?



Die Zahl der Demenzkranken wird sich nach dem neuen Weltalzheimer-Bericht bis zum Jahr 2050 mehr als verdreifachen: auf 115 Millionen Menschen. Derzeit gebe es weltweit rund 35 Millionen Betroffene, heißt es im Report des Internationalen Alzheimerverbandes in London, dem Zusammenschluss 79 nationaler Gesellschaften. Mit der weiter steigenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen werde Demenz zu einer der größten Herausforderungen für die Gesundheitssysteme. Gerüstet sehen die Autoren die Länder dafür noch nicht.


Am 21. September ist Weltalzheimertag.
Aktuell sind in Österreich rund 130.000 Menschen an Demenz erkrankt. Es gehört zu den großenÄngesten, später einmal als "Pflegefall" zu denen. Das Horrorszenario ist für viele eine Demenz.

Unrealistisch sind solche Ängste nicht: 2050 rechnen die Autoren des Weltalzheimer-Berichts global mit 277 Millionen hilfsbedürftigen älteren Menschen, die lange Jahre auf Unterstützung angewiesen sein werden. Zum Vergleich: Heute sind es 101 Millionen. Es sei anzunehmen, dass auch künftig rund die Hälfte der Pflegebedürftigen mit steigendem Alter eine Demenz entwickle - darunter bis zu 80 Prozent der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, heißt es im Report. In Deutschland liegt die Quote in Altenpflegeheimen beispielsweise heute bei rund 60 Prozent.

Langzeitstrategien fehlen

Auf all diese Veränderungen habe sich bisher kaum ein Land wirklich eingestellt, heißt es im Report. Es fehle an Langzeit-Strategien und Finanzpolstern. Bereits heute belaufen sich die weltweiten Pflege- und Behandlungskosten für Demenzkranke laut Bericht auf rund 600 Milliarden US-Dollar (448 Milliarden Euro). Das entspreche rund einem Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Und es dürfte mit steigenden Fallzahlen künftig erheblich teurer werden.

Zuwendung nötig

"Verglichen mit anderen Langzeit-Pflegebedürftigen brauchen Menschen mit Demenz deutlich mehr Betreuung und Zuwendung", sagt Martin Prince, Psychiater und Mitautor des Berichts von der Londoner Universität King's College. Angehörige müssten deshalb noch besser unterstützt und professionelle Pflegekräfte deutlich besser bezahlt werden. Die Autoren rechnen auch damit, dass Familien oder Freunde die Pflege Demenzkranker künftig immer schwerer bewältigen können. "Zwei Drittel der Anrufe bei uns kommen jetzt schon von Familien in einer Krise", berichtet Roger Baumgart, Geschäftsführer eines großen Pflegeanbieters in Großbritannien.

Die Trends sind eindeutig.  In Zunkünftig werdeen wohl mehr ambulante Dienste und auch mehr Heime oder andere Betreuungsformen wie Wohngemeinschaften benötigt. Vor allem aber müssen sich die Kommunen besser darauf einstellen, angemessen mit Demenzkranken umzugehen. Auch die Bürger müssten einen Blick dafür bekommen, warum jemand vielleicht hilflos herumirre, ergänzte Freter.

Warten auf Fortschritte der Medizin

Hoffnung auf schnelle Fortschritte in der Medizin gibt es wenig. "Bislang gibt es kein Medikament, das die Alzheimer-Krankheit heilen kann", sagt Isabella Heuser, Psychiaterin an der Berliner Charité und im Vorstand der Hirnliga. Die Euphorie, eine baldige Lösung zu finden, sei verflogen. Eine frühzeitige Diagnose sei deshalb umso wichtiger. Denn heutige Medikamente könnten die Krankheit immerhin verlangsamen.

dpa (Ulrike von Leszczynski)/apa/IS, springermedizin.at

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