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Leben 2. September 2013

Medizinischer Aufnahmetest Neu

Wie jedes Jahr wurden viele hoffnungsvolle Medizinfrischlinge in den Aufnahmeprüfungen weniger auf Herz und Nieren, sondern eher auf Mathe und Physik getestet.

Jetzt ist es bald so weit: Der Nachwuchs betritt die heiligen Hallen des medizinischen Betriebs. Mit stolzgeschwellter Brust den noch unbefleckten weißen Mantel tragend dürfen sie mal tote Menschen behandeln. Da die in Formalin getränkten Verstorbenen auf der Anatomie nur selten wieder reanimiert werden können, kann man die Jungen getrost auf diese Patientengruppe loslassen. Dann dürfen sie Reagenzgläser therapieren und histologische Schnitte beraten. Da kann man auch noch nicht viel falsch machen. Doch irgendwann ist es so weit und sie haben den „First Contact“ mit ihrem „First Patient“. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, der reine Wissenschaftler vom einfühlsamen Mediziner.

Vor einigen Wochen schwitzten Tausende angehende Medizinstudenten in gigantisch großen Hallen und absolvierten die Eignungsprüfung zum Medizinstudium, auch als MedAT-H (unter Freunden der Zahnfehlstellungen auch MedAT-Z) bekannt. Man muss sich das in etwa so vorstellen: Ein Haufen Maturanten löst unter Zeitdruck Sudokus. Wer am schnellsten ist, hat gewonnen und darf Medizin studieren. Da die Deutschen im Schnitt schneller sind als wir, müssen einige von denen wieder nach Hause fahren, auch wenn sie gewonnen haben. So weit, so sinnvoll.

Tatsächlich werden verschiedene Skills überprüft, die ein angehender Arzt können muss: 40 Prozent „relevantes Wissen“, 10 Prozent „Textverständnis“ und 50 Prozent „kognitive Fähigkeiten“. Zahnärzte müssen nicht ganz so klug sein, sondern mehr geschickt (im Gegensatz zu einem angehenden Neurochirurgen), denn bei ihnen werden auch „praktisch manuelle Fertigkeiten“ gewertet. Das bedeutet, ein Mensch, der gut in Chemie, Physik und Mathe ist und komplizierte dreidimensionale Figuren auf ihre Neigung zur Erdachse hin berechnen kann, hat alle Voraussetzungen dafür, den diabetischen Opi einfühlsam aufzuklären, warum man ihm jetzt leider seine kleine Zehe abschneiden muss.

Dieses Manko haben auch die Experten entdeckt, sodass die Tests diesbezüglich modifiziert werden sollen. Denn der Umgang mit schwierigen Patienten sowie schwierigen Kollegen und schwierigen Krankenkassen erfordert ein gewisses Talent, das es zu überprüfen gilt.

Daher werden ab 2014 die Ärzte im Prodromalstadium (A.i.P.) auch im Hinblick auf ihre „Persönlichkeitseigenschaften“, die „sozial-emotionalen Kompetenzen“ und ihre „kommunikativen Fähigkeiten“ getestet. Dann soll sich herauskristallisieren, wie gut der Kandidat schwierige Patienten, schwierige Kollegen und schwierige Krankenkassen auf ihre Neigung zur Erdachse hin berechnen kann.

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