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Ein kurzer Moment der Stille während der Dreharbeiten.
© (4) APT Servici

Die unverkennbare Silhouette des Meister-Regisseurs.

Marcello Mastroianni und Anita Ekberg in „La Dolce Vita“.

5) Jedes Detail zählt: Während der Dreharbeiten zu „Amacord“ in Cinecittà.

Alles hört auf sein Kommando: Federico Fellini in Aktion.

 
Leben 21. August 2013

Magier der Erinnerung

Geschichten voller Anmut, Tragik und Eleganz: Kaum ein anderer hat wie der Regisseur Federico Fellini über mehrere Jahrzehnte den italienischen Film geprägt.

Heuer jährt sich der 20. Todestag Federico Fellinis (1920–1993). Seine Heimatstadt Rimini in Italien hat ihm eine Ausstellung und zahlreiche Sonderveranstaltungen gewidmet.

Die viel zitierte Äußerung Federico Fellinis, er hätte sein Leben lang immer nur ein und denselben Film gedreht, ist im Kern sicher nicht falsch. In seinem filmischen Kosmos gab es oft Überschneidungen, er nahm es mit der Wahrheit nie so genau. Was scherte ihn das realistische Dokumentieren, wenn es doch möglich war, auf einer übergeordneten Ebene, nämlich der der Phantasie, durch Überzeichnen eine andere Wirklichkeit zu schaffen? So blieb er zeit seines Lebens ein Magier der Bilder und Geschichtenerfinder.

Die biografischen Zeugnisse seiner Kindheit und Jugend sind deshalb auch äußerst spärlich. Fellini hat ihnen keine besondere Bedeutung beigemessen. Erst im Rückblick auf diese Zeit machte er sich als akribischer Beobachter das Erlebte zu eigen. Es sind immer wieder ähnliche Themen, denen er sich mit großer Ernsthaftigkeit und teils auch mit spielerischer Leichtigkeit gewidmet hat. Doch litt er in jungen Jahren sehr am starren Glaubenskorsett der katholischen Kirche, dem engen Leben in der Provinz und der versuchten Gleichschaltung durch den Faschismus. „Ich bin katholisch, wenigstens soziologisch. Ich bin ein Produkt des christlichen Milieus. Ich bin typisch italienisch, getränkt von der mediterranen Zivilisation und der westlichen Kultur. Ich kann nicht nichtkatholisch sein“, so ein Zitat Fellinis im Buch „Von Rosselini zu Fellini“ von Martin Schlappner. Dennoch blieb Fellini lebenslang ein kritischer Geist, ein Zweifler, der weniger den Glauben an sich, sondern dessen mitunter seltsame Ausformungen infrage gestellt hat.

Es begann alles in Rom

Bereits als Jugendlicher hat Federico Fellini in Rimini durch sein zeichnerisches Talent auf sich aufmerksam gemacht. Nach dem Abitur ging er nach Rom, um zu studieren. Aber stattdessen begann er, bevor er zum Film kam, als Zeichner für die satirische Zeitschrift Marc’Aurelio zu arbeiten. Der Aufenthalt in Rom war auch in anderer Hinsicht von maßgebender Bedeutung: Während der Arbeit an der von ihm verfassten Hörfunksendung „Lipo und Pallina“ lernte er Giulietta Massina kennen, die er am 30. Oktober 1943 heiratete. Mitte der 1940er Jahre kam es zum ersten Kontakt mit der Filmbranche. Erst als Drehbuchmitarbeiter, dann, nach einem kurzen Intermezzo als Geschäftsmann mit dem bei amerikanischen GIs sehr beliebten „Funny Face Shop“, wurde er Regieassistent von Roberto Rossellini bei dessen beiden Filmen „Roma, città aperta“ (Rom, offene Stadt, 1945) und „Paisà“, einem Episodenfilm aus dem Jahr 1946. Die Regieassistenz bildete das Fundament für Fellinis erste eigene Regiearbeit „Lo sceicco bianco“ („Der weiße Scheich“), zu dem er auch das Drehbuch mitverfasst hatte, im Jahr 1952. Mit „I Vitelloni“ (Die Müßiggänger) zeichnete er ein Jahr darauf ein Charakterbild, das ganz im Sinne des Neorealismo als „treffende Chronik der italienischen Jugend“ bezeichnet wurde.

Der Durchbruch

1954 folgte mit „La Strada“, in den Hauptrollen Anthony Quinn und Giulietta Massina, schließlich der Durchbruch: Ein Klassiker war geboren, der nicht nur in der Gunst des Publikums hochstand, sondern zudem beim Filmfestival von Venedig mit dem „Silbernen Löwen“ ausgezeichnet wurde. Mit diesem Film hatte Fellini die programmatischen Ansätze des „Neorealismo“ bereits hinter sich gelassen. Er setzte dem seine eigene Art des Filmemachens entgegen: seine subjektive Wahrheit äußerte sich in einem „Realismus des Persönlichen“, wobei sich Fellini als „Realist des Phantastischen“ verstand, um seine Geschichten ohne jede Einschränkung in Bilder umzusetzen. Wie in „La Strada“ widmete sich Fellini in „Die Nächte der Cabiria“ mit Giulietta Massina in der Hauptrolle den Ausgegrenzten und Zu-kurz-Gekommenen, die mit aller Vehemenz und ohne sich je unterkriegen zu lassen ihren Anteil am guten Leben einfordern. Als chronique scandaleuse der römischen Schickeria folgte 1960 „La Dolce Vita“ mit Anita Ekberg, Anouk Aimée und Claudia Cardinale in den Hauptrollen. Marcello Mastroianni hat darin seinen ersten großen Auftritt. Für ihn, dem Fellini lebenslang treu blieb, war dies der Beginn seiner großen Karriere.

Als „Zeugnis der eigenen Unsicherheit“ drehte Federico Fellini „otto e mezzo“ („8½“) mit Marcello Mastroianni in der Rolle des Filmregisseurs Guido Anselmi als Alter Ego. Beim Publikum sorgte der Film für Verwirrung. Momente der Poesie wechseln hier mit tiefen inneren Zweifeln. „La Strada“, „La Dolce Vita“ und „8½“ zählten zu Fellinis erklärten Lieblingsfilmen.

Ein Denkmal für Rimini

Mit „Amacord“ setzte er 1973 seiner Heimatstadt Rimini ein Denkmal. Der Ort seiner Kindheit und Jugend blieb fiktiv, die Wahrheit, so es sie gibt, findet sich nur in den Zwischentönen wieder. Die Erinnerungen wurden in den Kulissen von Cinecittà zu einer anderen Wirklichkeit: aus den künstlichen Versatzstücken ließ Federico Fellini die Welt seiner Erinnerung wieder auferstehen. Fellini war auch ein Chronist seiner Umwelt, ein Sammler von Typen, die sein filmisches Universum bevölkerten.

Einer seiner letzten Filme „Ginger e Fred“ (Ginger und Fred, 1986) kann als Kritik am Kommerz-Fernsehen aufgefasst werden. Der Welt seiner filmischen Phantasie setzte er mit „Intervista“ (1987), entstanden zum 50-jährigen Jubiläum der Filmstadt Cinecittà, ein bleibendes Denkmal. Über all die Jahrzehnte blieb der Skeptiker und Zweifler im Grunde seines Herzens den Menschen mit all ihren Schwächen und Fehlern immer nahe. Sein letzter Film „La voce della luna“ („Die Stimme des Mondes“) aus dem Jahr 1989/90 lässt all dies noch einmal Revue passieren.

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