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Leben 12. August 2013

Die Macht des Nachahmens

Durch Imitation können Erwachsene die Entwicklung von Vorschulkindern beeinflussen.

Imitation von z. B. Bewegungsablauf, Haltung und Gesichtsausdruck ist nicht nur ein Hilfsmittel, um von anderen zu lernen, sondern es kann auch das soziale Verhalten beeinflussen. Denn wenn uns jemand nachahmt, verhalten wir uns hilfsbereiter und großzügiger. Nun hat ein Wissenschaftlerteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig den Einfluss von Imitation auf das Sozialverhalten von Kindern untersucht.

Die Max-Planck-Wissenschaftler haben das Verhalten von Kindern unterschiedlichen Alters in zwei Studien analysiert. In einer Studie mit rund 50 eineinhalb Jahre alten Kleinkindern reagierte die Studienleiterin unterschiedlich auf Bewegungen der Kinder: Im einen Fall kopierte sie jede Bewegung der Kinder, im anderen führte die Studienleiterin als Antwort auf jede Aktion des Kindes eine andere Bewegung aus. Als sie oder ein anderer Erwachsener dann Hilfe beim Öffnen einer Schranktür oder beim Aufheben von Stöcken brauchten, waren die zuvor imitierten Kinder sehr viel eher zu spontaner Hilfe bereit als die nicht nachgeahmten Kinder.

In einer zweiten Studie untersuchten die Forscher, wie sich Nachahmung auf die Empfänglichkeit von Vorschulkindern gegenüber sozialer Beeinflussung auswirken würde. Dazu nahmen fünf- bis sechsjährige Kinder zunächst an einer Imitationsphase teil, in der ihnen die Wissenschaftler Tierfotos zeigten. Nachdem sich die eine Hälfte der Kinder für ein Lieblingstier entschieden hatte, wählten die Studienleiterinnen ebenfalls ein Lieblingstier: entweder ein zur Wahl des Kindes Identisches oder ein anderes Tier. Außerdem sollte ein Teil der Kinder eine faktische Frage zu den abgebildeten Tieren beantworten. Wieder imitierte eine der Studienleiterinnen die Entscheidung der Kinder, während die andere ihre eigene Wahl traf.

Starker Einfluss erkennbar

In anschließenden Tests wählten die Studienleiterinnen jeweils unterschiedliche Objekte aus und wendeten ein unbekanntes Wort auf eines von zwei unterschiedlichen Objekten an. Die Kinder stimmten eher den Vorlieben und Tatsachenbehauptungen der Studienleiterin zu, die sie zuvor imitiert hatte. Die Ergebnisse zeigten, dass Imitation einen starken sozialen Einfluss sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene hat. Zudem beeinflusst sie auch, wie stark Kinder durch die Vorlieben und Meinungen anderer Menschen beeinflusst werden. Vermutlich dient der menschliche Drang nachzuahmen dazu, gute Beziehungen zwischen Individuen herzustellen und dadurch den Zusammenhalt in der sozialen Gruppe zu stärken.

In zukünftig geplanten Forschungsarbeiten wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie weit der Einfluss von Imitation geht und ob sie auch negative Konsequenzen haben kann.

Quelle: Max-Planck-Institut,

www.mpg.de

www.innovations-report.de

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