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Karl Lukan beim „Pierre aux pieds“, einen bedeutenden Kultstein auf 2.570 m Seehöhe über Lanslevillard im Val d’Isere.

Kurze Rast am Wegesrand: Karl Lukan mit seinem Dürkopp „Luxus“, Baujahr 1938.

© (5) Fritzi Lukan

Geübte Seilschaft: Karl und Fritzi Lukan auf dem Gamskogel-Grat (Triebener Tauern).

Karl und Fritzi Lukan: anlässlich der „Goldenen Hochzeit“ vor dem Hauptportal des Doms von Tarquinia.

Stein mit Schalen und einer Trennrippe bei Neustift im Waldviertel.

 
Leben 12. August 2013

Offen für Neues

Neugier und höchste Aufmerksamkeit prägen das Leben und die Arbeit von Karl Lukan. Der unermüdliche Kletterer, Forscher und Wanderer feiert heuer seinen 90. Geburtstag.

In über 50 Büchern hat Karl Lukan, fotografisch dokumentiert von seiner Frau Fritzi, die gemeinsamen Erlebnisse beim Klettern und die zahlreichen kulturhistorischen Entdeckungen während unzähliger Wanderungen festgehalten.

Zunächst stand für den gebürtigen Wiener Karl Lukan das Klettern im Mittelpunkt. Schon in jungen Jahren zog es ihn in die Berge, da ihm das Leben in der Vorstadt wenig Abwechslung bot. Das notwendige Rüstzeug für das Klettern hatte er sich in der Bergsteigerschule des Gebirgsvereins erworben. Nach dem Krieg, den er als einer der wenigen seines Jahrgangs unbeschadet überstanden hatte, wurde das Klettern zur Passion. Dabei hat er auch seine Frau Fritzi, selbst eine leidenschaftliche und äußerst geübte Kletterin kennengelernt. Aus dieser gemeinsamen Leidenschaft entstand bereits 1952 als Erstes von sechs Bergbüchern „Kleiner Mensch auf großen Bergen“. Zu den Herausforderungen, die das Klettern bot, kam alsbald das kulturhistorische Interesse.

Auf Betreiben des Verlagsleiters des Schroll-Verlags kam es 1965 zum Buch „Alpenwanderungen in die Vorzeit“, das den Alpen, einem seit jeher bedeutenden europäischen Kulturraum, gewidmet ist. Abseits dessen hatte es besonders die Kultur der Etrusker und der Römer den beiden angetan. Fortan wurden die Urlaube geteilt: Einerseits ging es zu ausgedehnten Touren in die Berge, andererseits waren die Stätten der Etrusker das Ziel vielfacher Erkundungen. Beides fand auch literarisch ergiebigen Niederschlag. Auf diese Weise entstand zunächst der erste deutschsprachige Etruskerführer. Die dauerhafte Liebe zu Etrurien hat das Ehepaar Lukan übrigens auf ganz besondere Weise besiegelt: Vor nunmehr 59 Jahren haben sich Karl und Fritzi Lukan nämlich im Herzen des alten Kulturlandes der Etrusker in Tarquinia das Ja-Wort gegeben.

Meistens zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs

So es erforderlich war, ging es mit dem Auto oder per Bahn zu den verschiedenen Reisezielen, aber meist fanden die Erkundungsreisen zu Fuß oder mit dem Rad statt. „Nach meiner Pensionierung haben wir beschlossen, von Rodaun die Alpen entlang nach Nizza zu gehen“, so Karl Lukan. Vom 1. Mai bis zum 6. Oktober 1984 zog sich die Reise hin, die als „Alpenspaziergang von Wien nach Nizza“ als Buch erschien. Auch die kulturhistorischen Wanderungen rund um Wien und in den Bundesländern erfolgten am liebsten zu Fuß oder per Fahrrad. „Kam man mit dem Auto, war man gleich als Wiener abgestempelt“, erinnert sich Karl Lukan. Um mit den Leuten wirklich ins Gespräch zu kommen und Unbekanntes zu erfahren –, sei es bei Waldviertler Bauern oder den italienischen „Tifosi“, den Grabräubern im Kerngebiet Etruriens –, half das Unterwegssein zu Fuß oder per „Drahtesel“.

Neugier als Antrieb

Der eigentliche Antrieb war und blieb dabei immer die Neugier. Bei ihren Exkursionen bildeten die beiden immer ein ideales Team. Eigentlich kein Wunder, wenn man sich beim Klettern kennengelernt hat, wo sich einer auf den anderen absolut verlassen muss. Fritzi Lukan hat als ihren speziellen Part die Verständigung auf Italienisch und das Fotografieren übernommen. Seit 1995 ist auch das Wünschelrutengehen und „Muten“ von Kultorten ihre Domäne. „Ich bin da immer skeptisch gewesen“, so Karl Lukan, „aber die Erfahrung hat gezeigt, dass doch etwas dran ist.“ Er selbst hat über Jahrzehnte ausgiebig die Bestände der Nationalbibliothek durchforstet, um für die Vielzahl an Buchprojekten zu recherchieren. Zugleich stand aber immer die aktive Feldforschung im Mittelpunkt. Und das bedeutete unter anderem auch die Erkundung enger Erdställe, jener unterirdischen Gänge und Räume, über deren Sinn und Zweck sich selbst die Experten bislang noch immer nicht einig sind.

Gibt es einen Ort, an den beide immer wieder gerne zurückkehren? Karl Lukan überlegt: „Die Kogelsteine in der Nähe von Eggenburg. Das ist ein ganz besonderer Platz.“ Da manche dieser Orte einen respektvollen Umgang erfordern, wurde in den späteren Büchern auf exakte Ortsangaben verzichtet. Mithilfe der Bücher gelingt das Auffinden der jeweiligen Orte, es erfordert etwas mehr eigene Anstrengung. Nicht immer war eindeutig klar, worum es sich bei den entdeckten Dingen handelt. „Das ist nicht ungewöhnlich“, gibt Karl Lukan zu bedenken, „aber wenn etwas zweifelhaft war, dann hab ich es auch so geschrieben. Manchmal bleiben Fragen offen und das ist auch gut so.“

Schreiben als Erholung

Vieles, was Karl und Fritzi Lukan in den vergangenen Jahrzehnten an alpinen Erfahrungen und kulturhistorischen Entdeckungen gemacht haben, ist in die zahlreichen und ausführlich bebilderten Bücher eingeflossen. Hinzu kam eine Vielzahl an Vorträgen im Rahmen der Volkshochschule und des Alpenvereins. „Ein Manuskript hatte ich nie bei meinen Vorträgen. Ich hab’ immer frei gesprochen“, so Karl Lukan. Und das Schreiben? „Das ging lange Zeit nur neben meiner Arbeit im Verlag.“ Dass Karl Lukan ein „Vielleser“ ist, steht ganz außer Frage. „Ich musste das lernen, denn Schnell-Lesen war Teil der Gehilfenprüfung im Verlagswesen, Klappentexte gab es keine.“ Bei der Bewältigung seines immensen Lese- und Recherchepensums kam ihm dies sehr zu Hilfe. „Das Schreiben war für mich nie anstrengend, sondern Erholung. Ich hab über meine Vorträge das Schreiben gelernt, weil dabei hohe Konzentration erforderlich ist.“ Bis heute werden mit einem weichen Bleistift die Texte zu Papier gebracht. „Auch da hab’ ich mir immer mit meiner Frau die Arbeit aufgeteilt, sie hat meine Manuskripte abgetippt und ich hab das Kochen übernommen.“ Also auch wieder Teamarbeit, wie beim Klettern.

Literatur

Lukan Karl
Ein Stück vom Himmel
Als das Bergsteigen noch wild und gefährlich war
Klettergeschichten
192 Seiten und 16 unpaginierte Bildseiten, 18 farbige Abbildungen, 12,5 x 20,5 cm, Klappenbroschur
Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2013
ISBN 978-3-7022-3304-4
€ 17,95
Auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-7022-3311-2, € 14,99

Die Kletterabenteuer von Karl Lukan erzählen von einer Zeit, als das Klettern noch als wild und gefährlich galt. Mit bekannten Seilpartnern wie Hans Schwanda, Hubert Peterka, Hermann Buhl oder Heinrich Harrer hat er bald nach 1945 viele der damals schwierigsten Felswände der Alpen durchstiegen. „Ein Stück vom Himmel“ war ihm das Klettern sein ganzes langes, erlebnis- und begegnungsreiches Leben lang. Und davon erzählt er unnachahmlich in diesem Buch: Voller Selbstironie, Sinn für Situationskomik und Wiener Schmäh sind die Klettergeschichten, in der sich eine ganze Bergsteigergeneration wieder finden wird.

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