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Leben 1. Juli 2013

„Power-Urlaubing“

Urlaubsvor- und nachbereitungen sind meist aufwendig – der 15 Minuten-Urlaub für zwischendurch ist die perfekte Lösung.

Nun kann also endlich der Sommer in gewohnt entspannter Stimmung beginnen. Nach jahrelanger Planung, massiver Überzeugungsarbeit beim Vorgesetzten und heftigen amikalen Grabenkämpfen mit den Arbeitskollegen darf der heiß ersehnte Urlaub angetreten werden.

Vorausgesetzt, man weiß den Nachwuchs auch für die restliche Sommerzeit von Großeltern, Kinderbetreuungsstellen und zur Not auch Strafvollzugsanstalten liebevoll versorgt.

Und vorausgesetzt, man hat die Stapel unerledigter Arbeit noch in den Tagen zuvor in nächtlichem Untertagebau abgebaut. Um nicht, wie in den vergangenen Jahren das Notebook unauffällig in die Ferien mit zu schmuggeln, um unter einer vertrockneten Palme die unendlich wichtige Excel-Tabelle fertigzustellen, die Firmen-Mails zu checken und das Schreiben an den Mobilfunkbetreiber zu verfassen, um diese horrenden Roaming-Kosten für die Excel-Tabelle und die Firmen-Mails zu beanstanden.

Als Patient muss man zudem noch vor der Urlaubspause beim Hausarzt die Sommer-Ration an Medikamenten ergattern. Mit dieser Idee steht man nicht ganz alleine da und so sollte man vor dem Urlaub noch eine weitere Woche Urlaub für dieses Vorhaben einplanen. Dafür ist die Umstellung nicht so groß, wenn man sich vor den Stau auf der Autobahn Richtung Süden bereits im Wartezimmer der Ordination beim Stau in Richtung Behandlungszimmer in Geduld üben und auch das Schimpfen in den verschiedensten Landessprachen perfektionieren konnte.

Als Spitalsarzt darf man sich, so man nachweislich schulpflichtige Kinder besitzt, ebenfalls im Sommer in Richtung Urlaubsdomizil begeben. Viele Häuser fordern jedoch ein Ferienziel, das nicht weiter als die Reichweite des Pagers entfernt liegt, um bei personellen Engpässen rasch auch auf urlaubende Kollegen zugreifen zu können. Hat man nun all die Vorbereitungen hinter sich gebracht und mit schlechtem Gewissen den halben Stapel unerledigter Arbeit in den September verschoben, so braucht es gut zwei Wochen, um sich von diesem Stress zu erholen. Dann ist der Urlaub aber auch schon wieder vorbei.

In diesem Sinne empfehle ich, nach dem erfolgreichen Prinzip des „Power-Napping“ das „Power-Urlaubing“. Man zieht sich kurz mal zurück, etwa ins Ärztedienstzimmer, füllt sich ein kleines Fußbad mit NaCl-Infusionen an (Meer-Feeling), leuchtet sich mit einer OP-Leuchte ins Gesicht (Sonnen-Feeling), schmiert sich eine Salbe auf die Beine, auf die man allergisch reagiert (Quallen-Feeling) und löst mit einem wirksamen Emetikum evoziertes Erbrechen aus (Post-Kübelsaufen-Feeling). Nach einer Viertelstunde hat man – ganz ohne stressige Vorbereitungen und immer erreichbar – den vollen Erholungseffekt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen schönen Urlaub. Wir sehen uns dann in 15 Minuten.

Von Ronny Tekal-Teutscher, Ärzte Woche 27/2013

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