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Abb. 1: Schulsport: Selbstverteildigungskurs für Mädchen
 
Leben 23. April 2013

Schule + Sport = Schulsport

Welchen Stellenwert hat Schulsport heute, was können wir verbessern?

Gespräch mit  Dr. Mag. Michael Jahn, Direktor des BORG für Musik und Kunst, Hegelgasse, Wien.


Die „tägliche Turnstunde“ ist derzeit in Österreich in aller Munde: Hat sie das Thema Schulsport auch in der Fachwelt und den zuständigen Gremien belebt?

Jahn: Leider scheint es so zu sein, dass selbst eine so gute wie wichtige Initiative von der Schulbehörde, sprich BMUKK, so lange mit einer Arbeitsgruppe verzögert wird, bis die Initiative tot ist!
Natürlich wäre es gut, mehr als notwendig und absolut richtig, die Zahl der Sportstunden wieder zumindest auf das Maß rückzusetzen, das wir vor zehn Jahren hatten! Die tägliche Turnstunde ist eine Forderung seit Jahrzehnten, die dem gesundheitlichen Präventionsgedanken, der Sozialkomponente und der Pädagogik absolut Rechnung tragen würde!

Welchen Stellenwert hat Schulsport bei Ihnen?

Jahn: Wir haben im Rahmen der Schulautonomie das Stundenmaß zumindest in einem Zweig erhöht und entsprechend unseres Schulprofils einen Tanzschwerpunkt eingerichtet. Ansonsten konnten wir mit dem Alpenverein ein Joint-venture kreieren und eine ganz tolle Kletterwand mit einem weiten boulder-Bereich und sogar einem sehr gut gesicherten top-rope Teil für unsere Schüler bauen.

Welchen Stellenwert hat Schulsport bei österreichischen Schülern?

Jahn: Allgemein leider zuwenig, weil die Kopflastigkeit – bis hin zum i-pod – derzeit dominant ist. Der Beweis, dass viel bzw. zumindest genügend Sport sich nachweislich auf Merkvermögen und Hirnkapazität positiv niederschlägt (wie dies eine Studie des bekannten Hirnforschers Manfred Spitzer belegt) hat sich leider noch nicht bis nach Wien durchgesetzt.

Sie sind Direktor eines Gymnasiums, das Schüler mit musischen Begabungen ausbildet. Führt Sport an einem solchen Gymnasium nicht eher ein Schattendasein?

Jahn: Nein, es kommt natürlich immer auch auf die Lehrer/-innen an, die dazu hinzuführen imstande sind. Klarerweise wird ein Musiker, der Geige oder Klavier spielt, nicht Reckturner sein, aber Sport ist so vielfältig, dass es immer Möglichkeiten gibt, vor allem im Kreislaufbereich wie im Geschmeidigkeits- und Gymnastikbereich.

Welchen Stellenwert hat der Schularzt im Hinblick auf Schulsport?

Jahn: Die Schularztposition ist immens wichtig, vor allem in der Kooperation mit den Sportlehrern. Gott sei Dank werden nicht mehr so leicht Befreiungen, oft wegen Kinkerlitzchen, geschrieben. Es sollte damit auch die „Aufwertung“ vom Fach Sport als nicht einfach nur „besuchbar“ klar gestellt sein!

Sollte die Schule Trendsportarten der Jugend, wie zum Beispiel Parkour, Klettern, Slacklining oder Kampfsportarten aufgreifen?

Jahn: Unbedingt! Wir haben genau auf diesem Gebiet ein bisschen „trend- setter“ gespielt mit unserem Joint-venture mit dem Alpenverein-Edelweiß beim Klettern Neuland betreten wie auch der Kampfsportart Jiu-jitsu, Schwerpunkt Mädchen und Kinder-Selbstverteidigung Rechnung getragen. Eine meiner Lehrerinnen ist als fertige Pädagogin auch Schwarzgurtträgerin und unterrichtet deshalb auch diese Selbstverteidigungskurse in anderen Schulen – dank hier auch des Verständnisses des Stadtschulrates.

Ist Schulsport zeitgemäß?

Jahn: Absolut, mehr denn je!! Schulsport muss gerade in der heutigen Zeit, wo ein Drittel alles Schüler/-innen übergewichtig ist oder Gefahr läuft, es zu werden, diese nötigen Impulse setzen, im Sinne der Volksgesundheit, im Sinne der Prävention, aber auch in hohem Maß im Sinne einer wesentlichen Sozialkomponente. Der „Jammer“ ist freilich, dass dies immer erst im Nachhinein beweisbar ist, wenn die Kreislauferkrankungen und orthopädischen Schäden ein eklatantes Niveau erreicht haben werden!

Welche Ziele haben Sie sich als Direktor eines großen Wiener Gymnasiums im Hinblick auf den Schulsport gesteckt?

Jahn: Ich, wir als Team, haben zusätzlich zu der Gott sei Dank endlich durchgeführten Erneuerung bzw. Baues eines adäquaten Turnsaales (nach 30 Jahren Urgenz!) mit der Installierung der zwei erwähnten „life-time“-Sportarten Klettern und Selbstverteidigung für unsere Schüler/-innen attraktive Angebote aufgestellt, die auch, so sollte es sich einspielen, in gewissen Zeitfenstern von den Jugendlichen selbstständig gesichert ausgeübt werden können!

Das Gespräch führte Dr. Renate Höhl

 

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