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© 2012 Olafur Eliasson
Olafur Eliasson: Ansicht der Installation „Wirbelwerk“, 2012, Edelstahl, Edelstahlspiegel, farbiges Glas, HMI Lampen, 811 cm, ø 813 cm.

Lenbachhaus mit historischer Gartenanlage

© Städtische Galerie im Lenbachhaus München (2)

Lenbachhaus München, Blick von der Luisenstraße.

© Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst, Bonn 2013 Florian Holzherr

Joseph Beuys: „Vor dem Aufbruch aus Lager I“ (1970/1980)

© Lenbachhaus

Sammlungspräsentation „Der Blaue Reiter“: Franz Marc, „Der Tiger“, 1912; Skulptur: Franz Marc, „Der Panther“, 1908; Franz Marc, „Das Äffchen“, 1912

 
Leben 24. Juni 2013

In neuem Licht

Vier Jahre war das Lenbachhaus in München geschlossen. Seit Mai bietet es mit dem Erweiterungsbau von Foster+Partners inhaltlich wie architektonisch wieder einen Anziehungspunkt.

Alt und Neu in einem Museumsbau mit historischer Bausubstanz zu vereinen ist kein leichtes Unterfangen. Das vorliegende Ergebnis überzeugt jedoch in jeder Hinsicht.

Der Platz war von Anfang an überlegt gewählt: Die Villa des Malerfürsten Franz von Lenbach mit angegliedertem Ateliertrakt liegt nicht nur in kunsttopographischer Hinsicht äußerst günstig. Schließlich befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft des in den Jahren 1887 bis 1890 erbauten Anwesens die staatlichen Kunstsammlungen am Königsplatz sowie die Alte und die Neue Pinakothek. Zudem führt damals wie heute die Nymphenburgerstraße an der repräsentativen Villa vorbei, vom Münchner Stadtzentrum hinaus zum königlichen Schloss Nymphenburg. Auch die Villa Richard Wagners befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Architekt Gabriel von Seidl entwarf, inspiriert durch die Neo-Renaissance, ein Landhaus im toskanischen Stil. 1924 wurde der Gebäudekomplex um einen stilistisch an den Altbestand angepassten Flügel erweitert. Seither ist die Gartenanlage des Anwesens dreiseitig umrahmt. In jenem Jahr erwarb die Stadt München die Villa, um sie als städtische Kunstgalerie zu nutzen. Im Gegenzug erhielt die Stadt München einen beträchtlichen Teil der Kunstsammlung Franz von Lenbachs sowie eine Anzahl seiner Gemälde als Schenkung.

Die Basis der Sammlung

Damit war der Grundstock für die städtische Kunstsammlung gelegt. In den 1950er Jahren wurde dieser Bestand durch die Schenkung von Gabriele Münter mit eigenen Werken, jenen von Wassily Kandinsky, Alexej Jawlensky, Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin und Paul Klee beträchtlich erweitert. Seither besitzt diese Sammlung dank dieser bedeutenden Werke der Künstlergruppe des Blauen Reiter ihren internationalen Ruf. Die Schenkung von Elly und Bernhard Köhler jun. mit bedeutenden Werken von Franz Marc und August Macke bedeutete einen weiteren qualitativen Zuwachs. Anlässlich der Olympiade 1972 erfolgte ein Zubau, um neben dem Zugewinn an repräsentativer Ausstellungsfläche, auch der zunehmenden Anzahl an Besuchern gerecht zu werden. 1994 fand eine nochmalige Erweiterung durch den unterirdischen Kunstbau Uwe Kiesslers statt. In dem während des U-Bahn-Baus entstandenen Hohlraum ist seither Platz für Wechselausstellungen.

In vielerlei Hinsicht war jedoch eine gründliche Revision des architektonischen Bestandes unerlässlich. Einerseits war es notwendig, die während des 2.Weltkriegs entstandenen Schäden von Grund auf zu sanieren. Andererseits sollte durch den Abbruch des Erweiterungsbaus aus den 1970-iger Jahren und die Neukonzeption zusätzlicher Ausstellungsfläche die ursprüngliche architektonische Struktur wieder sichtbar werden – all dies natürlich unter den strikten Vorgaben zeitgemäßer musealer Richtlinien. Diese erleichterten die Neukonzeption keineswegs. Schließlich durfte es keine Eingriffe in die historische Substanz des Wohn- und Ateliertraktes geben.

Korrespondenz zwischen Alt und Neu

Nach einer europaweiten Ausschreibung ging der Auftrag zur Realisierung an Foster+Partners. Wie beabsichtigt, trägt der neue architektonische Akzent die Neukonzeption sichtbar nach außen: Der neue Baukörper bietet nun auf zwei Ebenen Ausstellungsfläche von zusätzlich 300 Quadratmetern. Er dient zudem auch statt des ursprünglichen gartenseitig gelegenen Eingangs als repräsentativer Zugang über den Museumsplatz. Diese Lösung ermöglicht zugleich die Öffnung hin zu den Propyläen und zum Königsplatz. Im Inneren des kubischen Zubaus setzt nun die markante Installation „Wirbelwerk“ von Olafur Eliasson einen deutlichen Akzent. Sie deutet bereits programmatisch auf das architektonische und inhaltliche Miteinander von Alt und Neu.

Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst begegnen sich demnach hier auf geradezu ideale Art und Weise. Durch die Gestaltung der Fassade nimmt sich der Zubau zurück, die „Box“ ist zwar präsent, wahrt dabei jedoch das subtile Gleichgewicht im Zusammenhang mit der historischen Bausubstanz. LED-Lichttechnik sorgt in den Ausstellungsräumen zudem für einen zeitgemäßen und richtungsweisenden Beleuchtungsstandard.

Die architektonische Erweiterung hat nun auch eine Neuhängung der Sammlungsbestände der Künstlergruppe Blauer Reiter zur Folge. In farbharmonisch abgestimmten Räumen sind die Arbeiten dieser Künstlergruppe von Weltrang nun sowohl in den Räumlichkeiten des Altbaus, als auch im Neubau zu sehen. Damit aber noch nicht genug der erfreulichen Neuigkeiten: Durch eine großzügige Schenkung seitens des Kunstsammlers Lothar Schirmer erhielt die Städtische Galerie im Lenbachhaus am 7. März 2013 fünfzehn frühe Werke des Künstlers Joseph Beuys. Dabei handelt es sich um ein bedeutendes Konvolut früher Skulpturen aus den Jahren 1948 bis 1968, die das skulpturale Verständnis von Beuys verdeutlichen. Die Arbeiten aus diesen frühen Jahren wie etwa „Zwei Berglampen“ (1953), „Lavendelfilter“ (1961) „Badewanne“ (1960) und „Hasengrab“ (1962-1967) stehen nun mit zwei ergänzenden Dauerleihgaben von Lothar Schirmer nämlich, „Bienenkönigin I“ (1947-1952) und „Filzanzug“ (1970) in direkter Verbindung. Bereits im Februar 2012 konnte die Stadt München mit großzügiger Unterstützung und aufgrund des besonderen Entgegenkommens Lothar Schirmers „vor dem Aufbruch aus Lager I „ (1970/1980) von Joseph Beuys ankaufen. Der inhaltliche Bogen spannt sich im Lenbachhaus nun dementsprechend weit. Mit dem Zubau und der damit verbundenen Umstrukturierung ist jedenfalls ein großer Wurf gelungen.

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