zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 18. Juni 2013

Humanitäre Lage in Syrien

Masern-Epidemie ausgebrochen

Im Norden Syriens sind derzeit mehrere Bezirke von einer Masernepidemie betroffen: Bis zu 7.000 bestätigte Fälle deuten darauf hin, dass die humanitären Bedürfnisse im Land steigen und das Gesundheitssystem nach mehr als zwei Jahren Bürgerkrieg zusammenbricht. Teams der internationalen medizinischen Organisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) haben in den Provinzen Aleppo, Ar-Raqqah und Idlib über 75.000 Kinder geimpft, um die Epidemie unter einer Bevölkerungsgruppe einzudämmen, die Ausbrüche dieser Art bisher nicht kannte.

 

Mit dem Ausbruch der Gewalt 2011 in Syrien wurden viele reguläre Impfprogramme in vielen Teilen Syriens unterbrochen und somit Tausende Kinder nicht geimpft. Außerdem mussten Hunderttausende Menschen ihr Zuhause verlassen und sind in Vertriebenenlager oder überfüllte Unterkünfte geflüchtet, wo schlechte hygienische Bedingungen vorherrschen. Die Sterblichkeitsraten des aktuellen Ausbruchs sind zwar relativ niedrig, Masern erhöht aber die Anfälligkeit von Kindern für andere Infektionen. Wenn keine medizinische Grundversorgung zur Verfügung steht, können Komplikationen, die durch Masern entstehen, lebensbedrohlich werden.


„Die Durchführung einer Impfkampagne in einem polarisierenden Konflikt wie diesem erweist sich als extrem schwierig, aber Impfkampagnen und medizinische Grundversorgung sind hier genauso wichtig wie Kriegschirurgie.“ erklärt Teresa Sanscristóval, Verantwortliche für Noteinsätze bei "Ärzte ohne Grenzen".

Abgesehen von den direkten Opfern der Gewalt in Syrien steigen die Sterblichkeitsraten aufgrund von fehlenden Präventionsmaßnahmen wie Impfungen und fehlender medizinischer Grundversorgung vor allem unter den schwächsten Gliedern der Gesellschaft an. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich darauf, diese anfälligen Gruppen zu erreichen. „Kinder, schwangere Frauen und ältere Menschen sowie Patienten, die an chronischen Erkrankungen wie Asthma und Bluthochdruck leiden, haben Priorität in unserer Hilfe in der Syrien-Krise“ erklärt Sancristóval.

Lage hat sich verschlechtert

Die Masern-Epidemie ist ein Zeichen dafür, dass sich die humanitäre Situation im Norden Syriens verschlechtert hat und zeigt die verzweifelte Lage, in der sich der Großteil der Bevölkerung befindet. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben über 15.000 Kinder in der Stadt Aleppo geimpft und über 22.000 in der Provinz von Aleppo, die Beendigung der Impfkampagne gestaltete sich aber aufgrund der verbreiteten Gewalt und der Angst, in der die Bevölkerung lebt, als sehr schwierig. Beim Impfen mussten Warteschlangen vermieden werden, da diese Luft- oder Raketenangriffe auf sich ziehen können.

In der Provinz Ar-Raqqah hat Ärzte ohne Grenzen bis jetzt in einem der drei Verwaltungsbezirke 35.000 Kinder geimpft. Die nur teilweise Durchimpfung ist auf Sicherheitseinschränkungen zurückzuführen und macht nun Tausende Kinder für die Krankheit anfällig.

Masernfälle trotz Impfaktion

In der Provinz Idlib wurden im Mai 164 Fälle von Masern berichtet. Diese Zahl ist im Juni noch angestiegen. Der Ausbruch erfolgt nun trotz der Massenimpfkampagne von Ärzte ohne Grenzen im Februar, als die Teams 1.900 Kinder unter fünf Jahren in einem Grenzgebiet impften, in dem über 40.000 intern Vertriebene leben. Ärzte ohne Grenzen plant die Durchführung einer zweiten Massenimpfung in den Lagern und umgebenden Dörfern für alle Kinder unter 15. Das Ziel ist die Impfung von 10.000 bis 30.000 Kindern. Die Angabe genauer Zahlen ist aufgrund der Fluchtbewegungen unmöglich. Der neue Ausbruch von Masern in der Idlib-Region ist wahrscheinlich auf die kontinuierliche Ankunft immer neuer Vertriebener zurückzuführen. Ähnlich ist die Lage in verschiedenen Regionen im Norden Syriens.

„Kriegssituationen führen meistens genau dann zu einer drastischen Abnahme medizinischer Grundversorgung, wenn diese am meisten benötigt wird“ erklärt Sancristóval.

Info:

Ärzte ohne Grenzen betreibt im Norden Syriens in Gebieten, die von der Opposition kontrolliert werden, fünf Spitäler. Die Organisation verhandelt mit allen Konfliktparteien um den Zugang, wartet aber noch auf die offizielle Genehmigung, in Syrien arbeiten zu dürfen.
Seit Beginn des Konflikts haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Syrien 46.000 Behandlungen, 2.481 chirurgische Eingriffe und 854 Geburten durchgeführt.

www.aerzte-ohne-grenzen.at

 

PA Ärzte ohne Grenzen/IS, springermedizin.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben