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Szenische Darstellung des Besuchs von Kaiser Franz Joseph I. im Haus der Familie Langer.

Ein Beispiel für die Vielfalt der Krupp-Produkte: Formschönes Kaffeeservice aus den 1930er-Jahren.

 

© (4) Susanne Schmieder-Haslinger

Elegantes Tafelbesteck und -geschirr aus dem Hause Krupp.

 

Ein Andenken an den Besuch seiner Majestät in Berndorf: Der Stuhl auf dem sich Kaiser Franz Joseph niedergelassen hatte.

 
Leben 17. Juni 2013

Monarchie und Industrie

Die Rolle des Großindustriellen Arthur Krupp zur Zeit der Monarchie beleuchtet die aktuelle Ausstellung „K.AISER.K.ÖNIG.KRUPP“ im Stadtmuseum Berndorf.

Zum 50. Krönungsjubiläum gab Kaiser Franz Joseph I. dem Industriestandort Berndorf und damit Arthur Krupp die Ehre seines Besuchs.

Ohne das umfassende Einwirken des Großindustriellen Arthur Krupp hätte Berndorf im Triestingtal heute nicht ein solch reiches Architekturerbe aufzuweisen. Auf seine Initiative erhielt die Stadt ihre heute noch charakteristische Erscheinung. Arthur Krupp war in Wien geboren und in Berndorf aufgewachsen. Sein Vater Hermann war der Begründer des österreichischen Zweiges der Krupp-Dynastie. Dessen Bruder Alfred aus dem Essener Zweig der Stahldynastie stellte das von seinem Vater Friedrich Krupp leidlich geführte Unternehmen durch die Herstellung von Guss-Stahl für Eisenbahnschienen und Achsen auf eine solide Basis.

Im Jahr 1838 meldete Krupp ein Patent für die Löffelwalze aus Gussstahl zur Herstellung von Löffeln und Gabeln an. In Berndorf gründete er zusammen mit dem Bankier und Geschäftsmann Alexander von Schoeller die Berndorfer Metallwarenfabrik. Zunächst wurden dort Essbestecke aus Silber, dann aus Alpacca hergestellt. Sein Bruder Hermann übernahm das Berndorfer Unternehmen, nachdem sich Alfred Krupp wieder nach Deutschland zurückgezogen hatte. Die Entscheidung, Kanonen zu bauen, fiel übrigens erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da hatte Alfred Krupp mit der Erfindung des nahtlosen Radreifens für Eisenbahnwagons bereits ein Vermögen gemacht. Die fortschreitende Industrialisierung ließ das Unternehmen sowohl in Deutschland als auch in Österreich weiter wachsen.

Der Boom in Berndorf

Im Jahr 1879 übernahm Arthur Krupp nach dem Tod seines Vaters Hermann mit nur 23 Jahren die Leitung des Unternehmens, das zu dieser Zeit Essbesteck, Tafelaufsätze, dekorative Schalen, Moccakocher und sogar Samoware erzeugte. Der Bedarf daran war in den Ländern der österreichischen Monarchie und darüber hinaus immens: Ob am Semmering, in Bad Ischl, Karlsbad, Bad Hofgastein, Abbazia oder Triest, das edle Tischgeschirr war, versilbert oder vernickelt, allgegenwärtig. Man tafelte in den Grand-Hotels, auf den Schifffahrtslinien der österreichischen Lloyd sowie der k.u.k. Staatsbahn mit Besteck und den Erzeugnissen gehobener Tischkultur aus Berndorf. Auch international genossen die formschönen aus einer rostfreien Zinnstahl-Legierung hergestellten Produkte im Zeichen des Bären hohes Ansehen.

Im Jahr 1892 nahmen Alfred Krupp und seine Frau Margret die österreichische Staatsbürgerschaft an. Dahinter steckte sicher auch ein gewisses geschäftliches Kalkül: Denn 1897 wurde Krupp das Ansuchen um den Titel „k.u.k. Hoflieferant“ gewährt.

Zeit seines Lebens hatte der Großindustrielle auch eine ausgeprägte soziale Ader. Daran erinnert nicht nur seine Maxime „Arbeit, Bildung, Friede“. Er war es auch, der auf eigene Kosten das Stadtbild Berndorfs mithilfe des Architekten Ludwig Baumann entscheidend prägte. Auf sein Betreiben hin ließ er unter der Leitung von Fellner und Helmer das 1899 eröffnete Berndorfer Arbeitertheater errichten. Auch die noch heute existierenden „Stilklassen“ der beiden Berndorfer Schulen gehen auf seine Anregung zurück. Dort sollten die unterschiedlichen Stilepochen den Schülern und Schülerinnen möglichst anschaulich vermittelt werden. Arthur Krupp war – wie auch der Kaiser – der aufkeimenden Moderne nicht zugetan. Er zog stattdessen das Neo-Barock vor, in dem seine nach dem II. Weltkrieg durch ein Großfeuer vernichtete „Villa am Brand“ gestaltet war.

Der Besuch des Kaiser Franz Joseph I

Anlässlich des 50-jährigen Krönungsjubiläums kam Kaiser Franz Joseph I. am 27. September 1899 nach Berndorf, um die Produktionsstätten der Firma Krupp zu besuchen. Der Besuch galt zudem der Eröffnung des neuen Theaters. Ein minutiöses Protokoll gestaltete den Aufenthalt des Monarchen der zur Begrüßung an drei Stationen in Berndorf willkommen geheißen wurde: „Arbeit“, dargestellt durch die Geschirrerzeugung; „Bildung“ dargestellt durch die Oberlehrer samt dem Schulchor und zu guter Letzt „Friede“, symbolisiert von Winzern und Schnittern. Der strikte Zeitplan erlaubte beispielsweise zwei Minuten zur Besichtigung der Gießerei und zwölf Minuten für den Besuch der Munitionsfabrik, in der Patronenhülsen erzeugt wurden.

Anlässlich des hohen Besuchs gab es auch eine spezielle Tombola: aus der Anzahl der Werksangehörigen wurde im Losverfahren der Name einer Familie gezogen, die Kaiser Franz Josef höchst persönlich mit seinem Besuch beehrte. Die Wahl fiel auf Josefa und Leopold Langer und deren Kinder.

Um 15.30 Uhr wurde nach einem Prolog von Alexander Girardi im „Kaiser Franz Joseph Theater“ mit dem heute in Vergessenheit geratenen Stück „Der kleine Mann“ von Carl Karlweis das „Kaiser Franz Joseph Theater“ feierlich eröffnet. Arthur Krupp, so heißt es, saß bei diesem Anlass zusammen mit den Werksangehörigen hoch oben auf der letzten Galerie.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Ende der Monarchie wendete sich das Blatt: Kaiser Karl musste ins Exil, der Großindustrielle Arthur Krupp erlebte noch die Erste Republik und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. Am 21. April 1938, über einen Monat nach dem Anschluss Österreichs, verstarb er in seinem Berndorfer Anwesen.

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