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© Georg Glaeser
Prof. Dr. Gerhard Freilinger
 
Leben 13. Juni 2013

In Krieg und Frieden

Als plastischer Chirurg in den Krisenherden der Welt.

Bei der Eröffnung des heurigen Österreichischen Chirurgenkongresses erhielt Gerhard Freilinger die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Seine Lebensgeschichte ist nun auch in Buchform erhältlich: „In Krieg und Frieden als plastischer Chirurg – Prof. Dr. Gerhard Freilinger.“

Aus einer Juristenfamilie stammend, entschied sich der 1928 in Linz geborene Gerhard Freilinger nach Fronteinsatz und Gefangenschaft Medizin zu studieren. Nach dem Studium in Innsbruck erhielt er ein Stipendium für einen USA-Aufenthalt und fand dort das Fachgebiet, das ihn wirklich faszinierte: die plastische Chirurgie, die in Europa noch weitgehend unbekannt war. Zwei Jahre lang war es ihm so möglich, an verschiedenen Universitäten die neusten Entwicklungen und Techniken auf diesem Gebiet zu lernen. Da bei seiner Rückkehr nach Innsbruck keine entsprechende Stelle frei war, wechselte er nach Wien und etablierte hier langsam das Fach Plastische und rekonstruktive Chirurgie, das schließlich eine eigene Universitätsklinik erhielt, der Freilinger von 1975 bis 1994 vorstand.

Zusätzlich fand der begeisterte Reisende und Bergsteiger auch immer wieder zeit für Hilfseinsätze in unterschiedlichsten Krisenregionen: Aus Dankbarkeit für die ausgezeichneten Lernmöglichkeiten in den USA ging er auf Anfrage der Amerikaner als Kriegschirurg 1967 für zwei Monate nach Saigon, sechs Jahre später folgte ein zweiter Einsatz im kriegsgeschüttelten Vietnam. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Amerikanern und deren Anerkennung der hohen Qualifikation des österreichischen Spezialisten wurde er später auch nach Afghanistan für chirurgische Interventionen vor der Invasion durch die UDSSR 1979 gerufen. Später kam er auch in Sarajewo und Mostar im Jugoslawien-Krieg sowie in Uganda und im Sudan zum Einsatz.

Zu Beginn der 1980er Jahre begann Freilinger in Wien bereits die ersten iranischen Verletzten aus dem Iran-Irak-Krieg zu behandeln. Die hier aufgebauten Kontakte mit den iranischen, später auch kurdischen Ärzten und Verantwortlichen, führten schließlich zu der Involvierung in die Behandlung der Giftgasopfer.

Später beschäftigte sich Freilinger auch mit der Raumfahrtmedizin und beteiligte sich mit einem kleinen Team an wissenschaftlichen Experimenten im Rahmen des russischen Raumfahrtprogramms, wo es vor allem darum ging, Möglichkeiten zur Verhinderung des Muskelabbaus zu erproben.

Angesichts der Grausamkeiten, die Freilinger in unzähligen Fällen an den Kriegsschauplätzen gesehen hat, gilt sein Engagement sowohl der fachlichen Entwicklung als auch der Menschlichkeit und Gerechtigkeit. So sagte er unter anderem in einem Prozess gegen Saddam Hussein aus, berichtete von seinen bestürzenden Eindrücken der Giftgasangriffe auf die Kurden im Irak vor dem deutschen Bundestag und schon früher über die Folgen des Napalms, das die Amerikaner in Vietnam einsetzten.

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