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© Thomas Hauss, DGK
Professor Eugene Braunwald ist einer der renommiertesten Kardiologen weltweit.
 
Leben 4. Juni 2013

Eugene Braunwald: Auszeichnung der ÖKG für sein Lebenswerk

Back to the roots

Immer wieder gern besucht der renommierte Kardiologe, Professor Eugene Braunwald, sein Herkunftsland Österreich. Diesmal, um im Rahmen der ÖKG Jahrestagung eine Auszeichnung für sein Lebenswerk entgegen zu nehmen.

Kaum eine andere Forscherpersönlichkeit unserer Zeit hat das Fach Kardiologie derart stark geprägt wie Eugene Braunwald, betonte Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Landesklinikum Baden-Mödling und Sekretär der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft. „Er hat entscheidende Hypothesen generiert, die die klinische Praxis nachhaltig verändert haben. Nicht wenige junge österreichische Kardiologinnen und Kardiologen gingen durch seine Abteilung, wurden durch ihn und seine Mitarbeiter entscheidend geprägt. Dafür ist die Österreichische Kardiologische Gesellschaft Herrn Professor Braunwald zu Dank verpflichtet.

Forscher mit Leidenschaft

Der 1929 in Wien geborene Eugen Braunwald verließ 1938 gemeinsam mit seiner Familie Österreich, um nach einem Zwischenaufenthalt in England in den USA eine neue Heimat zu finden. Schon als Kind faszinierte ihn alles, was mit Maschinen und Technik zusammenhing. Obwohl er ursprünglich Maschinenbau und Ingenieurswesen studieren wollte, entschied er sich schließlich für die Medizin. Er begann sein Studium 1948 an der New York Universität, wo er schon bald seine Liebe zur Kardiologie entdeckte. Da das Herz eine Pumpe ist, fand er darin seine beiden Lieblingsbereiche Technik und Medizin gewissermaßen vereint.

Für die damalige Zeit ungewöhnlich entschied er sich für ein Praktikum bei Ludwig Eichna am Bellevue Hospital. Professor Eichna leitete ein Katheterlabor, was damals ziemlich exotisch war - in den USA gab es zu dieser Zeit gerade mal 12 derartige Einrichtungen. Die Erfahrungen, die Braunwald dort machte, prägten seine weitere Berufslaufbahn entscheidend. Er begann sich mit der Pathophysiologie der Herzinsuffizienz zu beschäftigen und entwickelte dafür eine Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben lang begleiten sollte.

Ebenfalls sehr prägend für den angehenden Kardiologen war ein einjähriges postgraduelles Stipendium der Columbia Universität bei André Cournan, dem Vater des Herzkatheters. Damit war Braunwalds kardiologische Karriere endgültig besiegelt. Nach Abschluss seiner Facharztausbildung am Johns Hopkins Hospital trat Braunwald 1955 in die Dienste der National Institutes of Health (NIH), wo er bis 1968 tätig war.

Die ersten beiden Jahre arbeitete er im Laboratory of Cardiovascular Physiology mit Stanley Sarnoff, einem herausragenden Physiologen, der Braunwald laut seinen Aussagen „ein völlig neues Verständnis für das Kreislaufsystem vermittelte“. In diese Zeit fielen Braunwalds Arbeiten, die sich mit dem myokardialen Sauerstoffverbrauch, mit den Mechanismen der Ischämie und deren Übergang in eine Nekrose beschäftigten.

Nach 13-jähriger Forschertätigkeit am NIH wurde Braunwald 1968 angeboten, an der Universität California San Diego (UCSD) im Zuge des Aufbaus einer medizinischen Fakultät ein großes universitäres Krankenhaus aufzubauen und zu leiten. Er nahm das Angebot an. Doch schon nach vier Jahren verließ Braunwald San Diego wieder, nachdem der ursprüngliche Plan für den Aufbau eines großen Klinikums vom damaligen Gouverneur Ronald Reagan unerwartet wieder verworfen wurde. Braunwald folgte dem Ruf nach Boston, wo er Vorstand der Harvard Medical School und Ärztlicher Direktor des Brigham and Women’s Hospital wurde, eine Funktion die er bis 1996 innehatte.

Ein Leben im Dienste der Patienten

Prof. Braunwalds herausragende wissenschaftliche Arbeiten haben es ermöglicht, Millionen von herzkranken Menschen das Leben zu retten. Seine frühen Arbeiten beschäftigen sich hauptsächlich mit der ventrikulären Funktion. Er war der erste, der eine Technik zur Messung der myokardialen Kontraktilität und der linksventrikulären Auswurffraktion entwickelte. Seiner Arbeitsgruppe gelang es außerdem nachzuweisen, dass die menschliche Herzinsuffizienz von neurohumoralen Veränderungen begleitet ist. Von Braunwald wurde die hypertrophe obstruktive Cardiomyopathie als eigenständige Krankheit erkannt und deren Pathophysiologie aufgeklärt. Begriffe wie „Myokardiales Stunning“ oder „Ventrikuläres Remodeling“ gehen auf ihn zurück. Seine Forderung nach einem offenen Gefäß für eine bessere Prognose nach Infarkt veränderte die Behandlung der Patienten grundlegend. 1954 gründete Prof. Braunwald die TIMI Study Group, auf deren Initiative viele Meilenstein-Studien durchgeführt wurden, unter anderen jene, die die Basis für die weite Verbreitung der Thrombolyse und der perkutanen Koronarintervention waren.

Meister seines Faches

Prof. Braunwald hat über 1000 wissenschaftliche Arbeiten publiziert. Science Watch listet Braunwald als meist zitierten Kardiologen überhaupt. Sein „Braunwald’s Heart Diseases - Textbook of Cardiovascular Medicine“, ist das weltweit führende kardiologische Lehrbuch und Nachschlagwerk. Es gilt als „Bibel“ der Kardiologen. Am 30. Juni 1980 erstmals erschienen ist mittlerweile die 9. Auflage im Handel. Auch an der Herausgabe des Lehrbuchs „Harrison’s Principles of Internal Medicine“ war er über 12 Auflagen entscheidend beteiligt. Braunwald hat zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen und Preise erhalten, darunter der „Distinguished Scientist Award of the American College of Cardiology“, wissenschaftliche Auszeichnungen und „Herrick Awards of the American Heart Association“, die „Gold Medal of the European Society of Cardiology“ und 20 Ehrendoktorate von renommierten Universitäten weltweit. Prof. Braunwald war der erste Kardiologe der in die „National Academy of Sciences of the United States“ aufgenommen wurde.

Auch im deutschsprachigen Raum wurde Braunwald bereits mehrfach ausgezeichnet. So würdigte ihn die Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin 2009 mit der Ehrenmitgliedschaft. Im März 2013 wurde er Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Im Rahmen der heurigen Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft wird ihm der ÖKG-Preis für sein Lebenswerk verliehen.“

Privat ist Prof. Braunwald in zweiter Ehe mit Elaine verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Nina Braunwald (verst. 1992) hat er drei erwachsene Tochter, eine davon ist Ärztin, eine ist Psychologin und die dritte Juristin.

Prim. Roithinger: „Unsere Fachgesellschaft ist hocherfreut, dass Professor Braunwald den ÖKG Preis persönlich entgegennehmen und die Key Note Lecture bei der heurigen Jahrestagung halten wird. Wir wünschen Ihnen sehr geehrter Herr Professor Braunwald, einen schönen Aufenthalt in Österreich. Uns selbst wünschen wir, dass unser Award in der Galerie Ihrer zahlreichen Auszeichnungen einen besonderen Platz bekommen wird.“

Die Cardio News AUSTRIA gratuliert Professor Braunwald herzlich zur Auszeichnung seines Lebenswerkes!

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