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Leben 3. Juni 2013

Patient, MSc

Nicht nur das medizinische Personal, auch die Patienten sollten sich verpflichtet fühlen, eine fundierte Ausbildung zu absolvieren.

Ausbildungen können zur Sucht werden. Wie das Sammeln von Panini-Stickern bei einer Fußball-WM werden Punkte, Diplome, Urkunden oder Fortbildungspunkte gehamstert, als ob es kein Morgen gäbe. Das ist vernünftig, denn wir lernen schließlich für das Leben und die Absolvierung des Wochenend-Seminars „Reinigung und Pflege der Linse flexibler Endoskope 1 und 2“ ist daher einem Ausflug mit der Familie vorzuziehen, für den man bekanntlich kein Diplom bekommt.

Wir sind natürlich zur Weiterbildung verpflichtet und das kommt in erster Linie unseren Patienten zugute. Insofern dürfen wir uns auch ein wenig Dankbarkeit erwarten. Mehr noch. Wir können uns auch erwarten, dass sich unsere Patienten ebenfalls fortbilden. Schließlich müssen sie auch etwas zu ihrer Gesundheit beitragen.

Zwar gibt es heute mehr oder weniger verpflichtende Fortbildungen, etwa wenn unsere Schäfchen auf Rehabilitation weilen und die Fluchtwege aus dem Kurzentrum abgeriegelt sind. Denn dort haben sie die Möglichkeit, den Vorträgen über Arthrose, Diabetes mellitus oder die schlimmen Folgen ihres unbedachten Lebenswandels zu lauschen. Das ist schon einmal ein Anfang. Doch sollten sie nicht auch Bescheid wissen, wie man sich auf den Arztbesuch vorbereitet oder wie man die eigene Compliance verbessert bzw. wie man dem Gesundheitssystem Geld erspart? All dies erfordert eine profunde patientologische Ausbildung.

Dem Trend folgend wäre es daher durchaus denkbar, in Österreich einen Hochschullehrgang zu etablieren, der die Grundkenntnisse für Patienten auf ein akademisches Niveau hebt und mit einem Master of Science (MSc) abschließt. An einer der 32.000 existierenden Privatuniversitäten in Österreich könnten in einem dreijährigen Studium die wichtigsten Grundlagen über das korrekte Verhalten als Patient im Krankenhaus und in der Ordination gelernt werden. Ein Modul zum Parkplatzverhalten ist verpflichtend.

Die Diplomarbeit sollte ein eigenständiges Werk zu Themen wie „Da hab ich mir aber wehgetan“, „So benehme ich mich, wenn mich der Arzt etwas fragt“ oder „Über die Prävalenz der versehentlichen oralen Einnahme eklig schmeckender Suppositorien“ sein. Im Anschluss kann noch die sechsjährige Ausbildung zum Chef-Patient, MSc, absolviert werden.

Warum sollen sich nur die Patienten an den zahlreichen Diplomen im Wartezimmer unserer Ordination orientieren dürfen? Auch wir sollten davon profitieren, zu erkennen, wen wir vor uns haben. Schließlich redet man mit einem Patienten ganz anders, als mit einem Patienten, MSc!

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