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Leben 28. Mai 2013

Erstmals online: Suchtprävention in Gebärdensprache

Mit einer neuen Informationsplattform gibt es erstmals in Österreich barrierefreie Informationen zum Thema Sucht und Suchtprävention in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS).

Die Informationen gibt es sowohl zu substanzgebundenen Süchten - zum Beispiel Alkohol oder Kokain - als auch zu substanzungebundenen Süchten - zum Beispiel Glücksspiel. Das Institut für Suchtprävention (ISP) der Sucht- und Drogenkoordination Wien und equalizent, das Qualifikationszentrum für Gehörlosigkeit und Gebärdensprache, haben das Projekt gemeinsam umgesetzt. www.equalizent.com/suchtinfo

 

"Auch Suchtprävention muss barrierefrei gestaltet sein. Wichtige Informationen müssen allen Menschen gleich gut zugänglich sein. Die Stadt Wien setzt daher einen Meilenstein, um gehörlose Menschen in suchtpräventive Informationen einzubeziehen", gratuliert die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely dem erfolgreichen Projekt. "Mit equalizent haben wir den passenden Partner gefunden, Informationsmaterial über das Thema Sucht in der Erstsprache gehörloser Menschen zu veröffentlichen", unterstreicht der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel.

Umfassende Informationen jederzeit und von überall abrufbar

Die Website wurde speziell für gehörlose Personen konzipiert und die Inhalte wurden durch equalizent in Gebärdensprache übersetzt. Die Informationen können als Gebärdensprachvideo angesehen oder gelesen werden. "Dadurch ist gewährleistet, dass den besonderen Bedürfnissen in der Kommunikation mit Gehörlosen Rechnung getragen wird, denn die Vermittlung sachlicher Information ist ein zentrales Element in der suchtpräventiven Kommunikation", erklärt Artur Schroers, wissenschaftlicher Leiter des ISP. "Wie gut die Kommunikation der Inhalte funktioniert, hängt davon ab, wie sehr diese auf die jeweiligen Menschen zugeschnitten sind", so Schroers weiter.

Das Portal liefert zahlreiche Informationen. Einige Punkte:

  • - Was ist Sucht?
  • - Was bedeutet Sucht für eine abhängige Person?
  • - Wie entsteht Sucht?
  • - Wie kann ich erkennen, dass ich süchtig bin?
  • - Was kann ich tun, wenn ich abhängig bin?
  • - Informationen zu den Substanzen Alkohol, Tabak, Cannabis, Kokain, Amphetamin, Ecstasy, Heroin, LSD, Pilze und Medikamente - Informationen zu den problematischen Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Glücksspiel, Computerspiele, "Mediensucht", Einkaufen / "Kaufsucht", Essen / Hungern - Beratungsstellen

Die Website bietet den Vorteil, dass sie jederzeit und von überall abgerufen werden kann. Die Gebärdensprache-Videos wurden extra aufbereitet und optimiert, damit die Filme in Gebärdensprache auch über Smartphones angesehen werden können.

"Eine anonyme Beratungssituation ist für Gehörlose kaum möglich, da es wenige BeraterInnen mit Kompetenz in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) gibt", erklärt Ewald Lochner, organisatorischer Leiter des ISP. "Deshalb können Beratungen meist nur mit DolmetscherInnen stattfinden, aber gerade die Anonymität - wie auch die einer Website - hilft, Schwellenängste abzubauen", bekräftigt Ewald Lochner.

Gehörlose sind bei der Informationsbeschaffung benachteiligt

Im deutschsprachigen Raum dominiert der lautsprachlich orientierte Unterricht. "Die ÖGS wird in Gehörlosenschulen kaum unterrichtet. Das primäre Ziel ist auch hier noch immer die Lautsprachkompetenz", erläutert Monika Haider, Gründerin und Geschäftsführerin von equalizent. "Eine Folge dieser Orientierung sind zum Teil schlechte Schriftsprachkenntnisse und nicht ausreichende Lesekompetenz", so Haider. Aus diesem Grund ist schriftliches Informationsmaterial für Gehörlose oft schwer zu verstehen.

Die Gebärdensprache ist eine vollwertige, visuell-gestische Sprache: Diese besteht aus Gebärden, die mit den Händen in unterschiedlichen Handformen an verschiedenen Ausführungsstellen im Gebärdenraum gebildet werden. Auch Mimik, Mundbild und Körperhaltung tragen sprachliche Funktion. Im Gegensatz dazu versteht man in der Sprachwissenschaft unter Lautsprache eine durch Artikulationsorgane wie Kehlkopf, Mund oder Zunge erzeugte Sprache.

Zahlen zu den Gehörlosen in Österreich

Rund 480.000 Menschen in Österreich sind hörbeeinträchtigt: Dazu zählen schwerhörige, spätertaubte und gehörlose Menschen. Die Muttersprache der Gehörlosen - die Gebärdensprache - wird von 8.000 bis 10.000 Menschen benutzt. 4.000 davon leben in Wien. 2005 erfolgte die Anerkennung in der Bundesverfassung als Minderheitensprache.

Institut für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien

Das ISP ist die Landesfachstelle für Suchtprävention in Wien und das Kompetenzzentrum für suchtpräventive Aktivitäten. Aufgabe des ISP ist die Entwicklung, Koordination und Vernetzung der Suchtprävention in Wien. Für unterschiedliche Zielgruppen hat das ISP unterschiedliche Angebote zur Förderung der Gesundheit und der Verhinderung einer Suchtentwicklung sowie zum frühzeitigen Erkennen von Suchtgefahren entwickelt.

www.isp.drogenhilfe.at  

equalizent

equalizent ist ein Schulungs- und Beratungsinstitut für Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit, Gebärdensprache und Diversity Management und hat zum Ziel, barrierefreie Zugänge zu Bildungsangeboten, Arbeitsmarkt und Kultur zu etablieren. www.equalizent.com

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