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Leben 27. Mai 2013

Musik und ihre Färbung

Gehirn bringt Musik mit Farben zusammen – Stücke in Moll werden als „dunkel“, Titel in „Dur“ als „hell“ interpretiert.

Ob Mozarts Flötenkonzert oder ein Rocksong von AC/DC – unser Gehirn verdrahtet Musik immer mit Farben. Wir assoziieren bestimmte Musikstücke mit Farbgebungen – also Klangfarben zu den Liedern. Zu diesem Schluss kommt eine Erhebung der Elite-Universität Berkeley in Kalifornien, USA. So wird etwa Mozarts Flötenkonzert häufig mit leuchtend gelb und orange in Verbindung gebracht, während seine mürrischen Requiems in D-Moll eher mit bläulich-grau verknüpft werden.

Im Rahmen einer Untersuchung testeten die Wissenschaftler sowohl US-Amerikaner als auch Mexikaner. Dabei stellten sie fest, dass es bei den Probanden zu keinen Unterschieden in der Wahrnehmung von Klang und Farbe kam. Dies deutet darauf hin, dass Menschen ein und dieselbe emotionale Palette haben, wenn es um Musik und ihre „Färbung“ geht. „Das Gefühl für die Farben zur Musik kommt intuitiv und es gibt keine kulturellen Barrieren“, sagt Studienleiter Stephen Palmer. Die Wissenschaftler konnten zudem feststellen, dass die Probanden Musik in Dur mit lebendigen, gelben Farben zusammenbringen, während sie Musik in Moll eher mit grauen, blauen Farben assoziieren. „Überraschenderweise können wir mit 95-prozentiger Genauigkeit sagen, dass glückliche oder traurige Musik ihre typischen Farben haben“, fügt Palmer hinzu.

Die Studienergebnisse können für kreative Therapien genutzt werden, sogar die Werbebranche kann aus ihnen einen Nutzen ziehen, um die Menschen emotional zu beeinflussen. Etwa 100 Männer und Frauen nahmen an der Berkeley-Studie zu Musik und Farben teil. Vorgespielt wurden ihnen 18 klassische Musikstücke der Komponisten Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms.

Es wurden mal schnelle und mal langsame Stücke, sowohl in Dur als auch in Moll abgespielt und auf ihre Wirkung getestet. Dazu standen den Probanden 37 Farben zur Verfügung, die sie mit der Musik verknüpfen sollten. „Wir wissen, dass in Mexiko und in den USA die Antworten sehr ähnlich sind“, sagt Palmer. Als nächsten Schritt möchten die US-Forscher ihren Test in China und der Türkei durchführen.

  • Herr Dipommusiklehrer Bernd Willimek, 22.03.2015 um 14:49:

    „Zur Strebetendenz-Theorie gibt es jetzt einen Wikipedia-Artikel:

    http://www.de.wikipedia.org/wiki/Strebetendenz-Theorie

    Bernd Willimek“

  • Herr Warun klingt Moll traurig? Bernd Willimek, 21.06.2013 um 16:29:

    „Warum klingt Moll traurig?
    Das größte Problem bei der Beantwortung der Frage, warum Moll traurig klingt, dürfte wohl in der Tatsache liegen, dass Moll auch manchmal nicht traurig klingt. Die Lösung dieses Problems ist die Strebetendenz-Theorie. Sie sagt, dass Musik überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, sondern nur Willensvorgänge, mit denen sich der Musikhörer identifiziert. Beim Vorgang der Identifikation werden die Willensvorgänge dann mit Emotionen gefärbt.
    Bei einem Durakkord in bestimmtem harmonischen Kontext identifiziert sich der Hörer beispielsweise mit einem Willensinhalt, der in etwa der Aussage "Ja, ich will" entspricht. Ein Mollakkord - in bestimmtem Kontext gespielt - bewirkt dagegen die Identifikation mit einem Willensinhalt, der in etwa der Aussage "Ich will nicht mehr" entspricht. So kann dieser Willensinhalt "Ich will nicht mehr" beispielsweise als traurig oder als wütend erfahren werden, je nachdem, ob ein Mollakkord relativ laut oder leise gespielt wird. Wir unterscheiden hier genauso, wie wir unterscheiden würden, wenn jemand die die Worte "Ich will nicht mehr" einmal leise und einmal laut schreiend von sich geben würde. Ähnliche Identifikationsvorgänge kann man übrigens beobachten, wenn wir einen spannenden Film anschauen und uns mit den Willensvorgängen unserer Lieblingsfigur identifizieren. Auch hier erzeugt erst der Vorgang der Identifikation Emotionen.
    Da der Umweg der Emotionen über Willensvorgänge in der Musik nicht erkannt wurde, scheiterten auch alle musikpsychologischen und neurologischen Versuche, die Ursache der Emotionen in der Musik zu ergründen. Der Erfolg dieser Versuche würde in etwa einem Menschen entsprechen, der einen Fernsehapparat aufschraubt und darin mit der Lupe nach den Emotionen sucht, die er zuvor beim Ansehen eines Films empfunden hatte.
    Doch wie kann Musik Willensvorgänge vermitteln? Diese Willensvorgänge haben etwas mit dem zu tun, was alte Musiktheoretiker mit Vorhalt, Leitton oder Strebetendenz bezeichnet haben. Wenn wir diese musikalische Erscheinungen gedanklich in ihr Gegenteil umkehren, dann haben wir in etwa den Willensinhalt umrissen, mit dem sich der Musikhörer identifiziert. In der Praxis wird dann alles noch etwas komplizierter, so dass sich auch konkretere Willensinhalte musikalisch darstellen lassen.
    Weitere Informationen erhalten Sie über den kostenlosen Download des fünfteiligen Artikels "Warum klingt Moll traurig? Die Strebetendenz-Theorie erklärt das Gefühl in der Musik" des Onlinemagazins "musik heute" unter dem Link:
    http://www.musik-heute.de/tags/strebetendenz-theorie/
    oder über den kostenlosen Download des E-Book der Universität München "Musik und Emotionen - Studien zur Strebetendenz-Theorie":
    http://ebooks.ub.uni-muenchen.de/26791/
    Bernd Willimek“

  • Herr Musik und Emotionen Bernd Willimek Musik und Emotionen, 02.07.2013 um 11:50:

    „Da ich mehrfach gebeten wurde, das Prinzip der Strebetendenz-Theorie auf eine Weise darzustellen, so dass sie auch ein Laie mühelos nachvollziehen kann, füge ich dem obenstehenden Artikel eine solche Erklärung bei. Sie ist unter folgendem Link kostenlos abrufbar:
    www.willimekmusic.de/erklaerung-strebetendenz-theorie.pdf
    Bernd Willimek“

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