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Leben 18. Mai 2013

Castingshows machen depressiv

Die Teilnehmer hoffen auf eine Musikerkarriere und Ruhm. Doch für einige endet das TV-Abenteuer als Albtraum.

Die bei Kindern und Jugendlichen beliebten Musik-Talenteshows bergen Risiken für die psychische Gesundheit der Teilnehmer bis hin zur Depression. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 59 ehemaligen Kandidaten bei Fernsehshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) oder „X-Factor“.

Rund 20 Prozent der Kandidaten bei sogenannten Castingshows bereuen ihre Teilnahme. Das zeigt die Studie „Sprungbrett oder Krise? Das Erlebnis Castingshow-Teilnahme“, eine Kooperation der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) und des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen. Castingshows locken junge Menschen mit dem Versprechen von Ruhm und Prominenz zur Teilnahme. Die Kandidaten üben den Gesangspart zu bekannten Liedern ein und müssen sich dann im Wettkampf gegen ihre Konkurrenten behaupten. Wer in die nächste Runde kommt, entscheidet eine Jury.

Im Extremfall leiden ehemalige Kandidaten noch Jahre nach der Show unter den Folgen, berichtete Dr. Maya Götz, Leiterin Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen. Eine namentlich nicht genannte einstige DSDS-Kandidatin wurde in der Show als besonders unfähig dargestellt und musste anschließend mit der Häme aus dem sozialen Umfeld leben. Weil die Sendung mehrmals wiederholt wurde und Ausschnitte im Internet angesehen werden können, wird sie immer wieder damit konfrontiert. Die Autorinnen betonen, dass die gezielte Abwertung bestimmter Kandidaten bei mancher Sendung Teil des Konzepts sei. Dies ermögliche den Zuschauern, sich über die Betroffenen lustig zu machen und überlegen zu fühlen.

Handlungsbedarf

Die Wissenschaftlerinnen fordern von den Show-Produzenten, auf die „Stilisierung von Teilnehmern zu Freaks“ zu verzichten. Überhaupt sollten die Macher Verantwortung für die teilweise minderjährigen Kandidaten übernehmen und sie, wenn nötig, vor sich selbst schützen. Götz würde die professionelle psychologische Betreuung der Kandidaten sowohl während als auch nach Beendigung der Show als einen wichtigen Teil dieser Verantwortung sehen. Außerdem sollten den Teilnehmern Medienberater zur Seite gestellt werden, damit sie an der eigenen Inszenierung mitwirken können.

Die Wissenschaftler wollen generell die Medienkompetenz junger Menschen fördern. Denn die parallele Befragung von 1.230 Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren zu ihrer Einschätzung des Erlebnisses Castingshow-Teilnahme ergab, dass Wahrnehmung und Realität der Shows deutlich auseinander gehen. So stimmten 80 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass die Kandidaten genau so sind, wie die Sendung sie zeigt. Dagegen beobachteten die Forscher eine Typisierung der Wettbewerber. So berichtete eine DSDS-Teilnehmerin, dass sie in die Rolle der „sexy Zicke“ gedrängt wurde, ohne dass sie sich dagegen habe wehren können.

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