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Leben 22. April 2013

Dr. Rex

Hunde sollen durch ihren Geruchssinn mitunter die besseren Diagnostiker sein. Doch die Ärzte geben ihr Revier nicht kampflos auf.

In der vorigen Ausgabe der Ärzte Woche war folgende Überschrift zu lesen: „Hund erkennt Clostridium difficile“. Etwas weiter darunter mein Bild. Verwirrt betrachtete ich mich im Spiegel. Doch mir waren weder Fell noch Schlappohren gewachsen, meine Nase schien auch nicht kälter als sonst, und ich hatte zudem nicht die geringste Ahnung, wie so ein Clostridium-Bakterium genau riecht. Erst danach bemerkte ich, dass ein Foto eines freundlich wirkenden Beagles zu der Überschrift gehörte. Ich war beruhigt und gleichermaßen irritiert: Sind die Beagles die neuen Ärzte? Werden uns die Tiere künftig den Rang als kompetente Diagnostiker ablaufen?

Schließlich lässt sich das, was die Tiere so alles drauf haben, mit einem durchschnittlichen Medizinstudium kaum erlernen: Hunde erschnüffeln heutzutage nicht nur Hundekekse, Lawinenopfer und sprengstoffbesetzte Drogenkuriere, sondern auch eine Unterzuckerung, einen epileptischen Anfall oder gar Krebszellen. Geschickt eingesetzt überführen sie damit dann nicht nur unbescholtene Diabetiker am Flughafen, sondern helfen Patienten und Ärzten bei ihrer Behandlung. Und das – zur Freude der Kostenträger – zum Tagespreis von einer Dose Hundefutter, ein paar Trockenkeksen und ab und an einer Wurmkur.

Doch wenn nun Tiere die besseren Mediziner sein sollen, so schlägt das dem Fass den Boden aus. Vor allem, wenn sie keine Promotionsurkunde vorweisen können. Wie weit soll das gehen? Wird die tierische Visite mit der Chefdogge und dem Oberpudel in den Krankenhäusern Einzug halten? Werden die Patienten ihre Ärzte nicht mehr mit diskreten Kuverts, sondern mit Leckerlis und Kauknochen bestechen? Dr. Rex stellt hier eine ernsthafte Konkurrenz dar.

Viele Ärzte sehen dieser Entwicklung jedoch eher gelassen gegenüber. Ja, Tiere könnten mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn gewisse Krankheiten erschnüffeln, die gewonnenen Erkenntnisse allerdings nicht mit dem ICD-10 in Verbindung bringen. Sie sind auch nicht in der Lage, Überweisungen fachgerecht auszufüllen und die Leistungen ordnungsgemäß abzurechnen. Damit ist die ganze Gabe nutzlos. Außerdem pinkeln sie manchmal auch an das Bettgestell. Und das tun Ärzte zumindest im nüchternen Zustand nur selten.

Einzig die rudelmäßige Rangordnung, die auf einer Abteilung herrscht, und in der das Alphamännchen die anderen piesacken darf, ist den Vierbeinern nicht fremd. Immerhin haben wir dieses System ja auch von ihnen abgeschaut. Und auch wenn so manche Ärzte nicht alles erschnüffeln können, so sorgen sie durch ein gepflegtes Erscheinungsbild und teure Gesichtswässerchen zumindest dafür, dass sie für die anderen gut riechen.

Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher, Ärzte Woche 17/2013

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