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© Pez Hejdk
Ausstellungsansicht „Das Gold des Az W.Die Sammlung“.

Alvar Aalto, Sessel Nr. 66 (Artek), 1935.

© Az W (4)

Walter Pichler, Haus neben der Schmiede, Deutschnofen/Italien, 1995-2002.

Raimund Abraham, Austrian Cultural Forum, New York/USA, 1992-2001.

Oswald Haerdtl, Pavillon der Republik Österreich, Weltausstellung, Paris/Frankreich, 1936-1937.

 
Leben 22. April 2013

Wahre Werte

Reden ist Silber, entwerfen ist Gold: Die Depotbestände des Architekturzentrum Wien erweisen sich in der Jubiläumsausstellung „Das Gold des Az W. Die Sammlung“ als wahre Schatzkammer.

Das Architekturzentrum Wien bietet nun die Gelegenheit, anhand einer Jubiläumsmischung aus den eigenen Beständen auf Entdeckungsreise zu gehen.

Am Beginn steht meist die gute Absicht. So auch im vorliegenden Fall. Da ist einerseits das Az W, das nun als Institution sein 20-jähriges Bestehen feiert und mit Fug und Recht als architektonisches Dokumentationszentrum Österreichs bezeichnet werden kann.

Da sind anderseits die unermüdlichen Forscher und Bewahrer. Allen voran Friedrich Achleitner, der schon früh damit begonnen hat zu sammeln, zu sichten und zu ordnen. Das „Achleitner Archiv“ als fundierte Dokumentation österreichischer Architektur des 20. Jahrhunderts bildet somit den wesentlichen Grundstock im Bestand des Az W.

Da ist drittens der Direktor des Hauses, Dietmar Steiner, der sich einmischt und nicht zurücksteht, wenn es um den öffentlichen Diskurs im Bereich der Architektur geht. Wer von den beiden, Achleitner oder Steiner der streitbarere ist, das sei dahingestellt. Aktiv und engagiert waren und sind sie beide.

Und da sind viertens, all jene, die Architektur in Österreich entscheidend in den vergangenen 100 Jahren geprägt haben.

Aus dem Depot

Für all dies bietet die Sammlung des Az W jenen Ort, an dem Entwurfsskizzen, Modelle, oder auch von Architekten entworfenes Mobiliar einen neuen Platz fanden. Auf diese Weise wurde die Geschichte der Moderne in der Architektur – nicht allein auf Österreich beschränkt – anschaulich dokumentiert. In mancherlei Hinsicht, das lässt sich anhand der ausgestellten Stücke feststellen, hat die notwendige Rezeption allerdings erst verspätet stattgefunden.

Das hat oftmals historische Gründe, ist aber auch das Resultat einer gewissen Ignoranz in der Wahrnehmung und Bewertung von Architektur, sei es im öffentlichen oder privaten Bereich. Die Verluste an erhaltenswerter Bausubstanz überwiegen den Bestand jedenfalls bei Weitem. Und obwohl architektonisches Kulturgut lange Zeit in Österreich einfach links liegen gelassen wurde, blieb manches Erhaltenswerte zumindest dokumentiert für die Nachwelt erhalten.

Als Institution ist das Architektur Zentrum Wien mittlerweile unverzichtbar. Nur im Rückblick auf die Vergangenheit und der Erkenntnis wie sich die Zeiten wandeln ist ein zeitgemäßes in die Zukunft gerichtetes Planen und Entwerfen möglich. Ein Depot wie das des Az W ist dafür ein unerlässlicher Fundus. Die dort aufbewahrten Planskizzen, Modelle und weitere Archivalien können zu Studienzwecken herangezogen werden, damit bestimmte Sachverhalte und Beziehungen anschaulich, transparenter und so besser verständlich werden.

Die Qual der Wahl

Weniger als ein Prozent des aktuellen Bestandes ist in der gegenwärtigen Ausstellung zu sehen. Der nicht unbedeutendere Rest lagert in den Depoträumen in Möllersdorf. Dort stehen seit dem Jahr 2000 in der Halle 5 insgesamt etwa 750 Quadratmeter Fläche auf zwei Ebenen zur Verfügung. Seit 2012 kamen in der Halle 9C zusätzlich circa 950 Quadratmeter an Depotfläche hinzu. Etwa 400 Objekte wurden dafür aus der Sammlung ausgewählt, um zu verdeutlichen, welch architektonisch und kulturhistorischer Reichtum hier bewahrt wird. Aber was im Depot und damit im Verborgenen gesichert, konserviert und fallweise auch restauriert wird, gehört eigentlich ins Rampenlicht. Das war mit Grund dafür, dass diese ambitionierte und eindrucksvolle Jubiläumsschau überhaupt zustande kam. Die äußerst anspruchsvolle Aufgabe lag darin, eine möglichst repräsentative Auswahl aus dieser Materialfülle zu treffen, die niemals objektiv sein kann. Die in der Ausstellung gezeigten Exponate dienen als Belege, um im Überblick ein grundlegendes Verständnis für die Qualität von Architektur zu vermitteln.

Architektur ist oftmals visionär und stellt dadurch bestehende Strukturen infrage. Damit werden architekturhistorisch vielfach auch Brüche und notwendige Neuorientierungen offenkundig. Diese unterschiedlichen Aspekte werden im Rahmen der Ausstellung verständlich. Damit dient sie als wichtiger Beitrag für die Sicherung architektonisch wertvollen Kulturgutes für die Zukunft. Das ausgestellte „Gold“ des Az W inspiriert, provoziert, fordert heraus, gibt sich sperrig und birgt manche Überraschung. Nicht nur die Pläne und Architekturmodelle, sondern speziell auch die Vor- und Nachlässe von namhaften Architekten aus ganz Österreich ergeben einen wahren Wissensschatz, der auf diese Weise zugänglich und somit weiter verfügbar bleibt. Das Sammeln und Forschen mündet als vorläufiges Resultat in dieser Ausstellung in eine überzeugende Art und Weise der Vermittlung. Schließlich bietet Architektur immer eine Herausforderung zur Auseinandersetzung und Klärung des eigenen Standpunktes. Gute Architektur in allen ihren Facetten ist demnach lebensnotwendig.

„Sessel gehen stiften“, so lautete die Initialveranstaltung, die zur Gründung des Az W am 28. Juni 1993 stattgefunden hat. 128 Stifterinnen haben damals Stühle zur Verfügung gestellt, die teils weiterhin in Benützung sind. Aktiv und engagiert geht das Az W nun, 20 Jahre später, weiter unbeirrt seinen Weg.

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