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© Monika Wisniewska / fotolia.com
Riech-Visite in einem Krankenhaus: Bei erschnüffelten C.-difficile-Bakterien setzt bzw. legt sich der Hund hin.
 
Leben 16. April 2013

Hund erkennt Clostridium difficile

Nach einem speziellen Geruchstraining konnte ein Beagle die Darmbakterien bei Patienten erschnüffeln.

Aus einer Beobachtung zweier holländischer Krankenhäuser könnten nun Direktoren anderer Spitäler auf eine neue Sparmöglichkeit von Laboruntersuchungen aufmerksam geworden sein.

Zur Einleitung hygienischer und präventiver Maßnahmen ist die frühzeitige Diagnosestellung bei Infektionen mit Clostridium difficile wichtig. Schnelltests und Enzymimmunoassays zum Nachweis des Clostridientoxins sind von begrenzter Sensitivität und Spezifität und vor allem teuer. Zytotoxische Assays in Zellkulturen dauern lange.

Erfahrenen Krankenhausschwestern und Ärzten ist der charakteristische Stuhlgeruch der Patienten mit Clostridium-Infektionen wohl bekannt. Warum sollte man daher nicht die Diagnose mithilfe eines Lebewesens vorverlegen, das bekanntlich 400-mal besser riechen kann als der Mensch? Nach einem entsprechenden Training zur Erkennung von Stuhlproben von Patienten mit C.-difficile-Diarrhö nach dem Prinzip Belohnung, das heißt Leckerli bei Erfolg, durch einen professionellen Hundetrainer war ein zweijähriger Beaglehund in der Lage, C. difficile im Stuhl mit einer Sensitivität und Spezifität von nahezu 100 Prozent zu erkennen.

Geruch als Trainingsvorlage

Der Hund war so trainiert, dass er sich beim Nachweis des typischen Geruchs hinsetzte oder hinlegte. Diese Fähigkeiten wurden im Rahmen einer Riech-Visite auf den Stationen zweier großer Krankenhäuser in Holland eingesetzt. Der Hund wurde in die Zimmer von jeweils zehn Patienten geführt, von denen nur einer erkrankt war. Er erkannte 25 von 30 Fällen richtig positiv (Sensitivität 83%) und 265 von 270 Kontrollen als richtig negativ (Spezifität 98%).

Für diese überragenden diagnostischen Fähigkeiten benötigte der Hund weder Stuhlproben noch direkten physischen Kontakt mit dem jeweiligen Patienten. Daher konnte er auch hervorragend als Screening-Medium eingesetzt werden. Für die Geruchsvisite einer Station benötigte er nicht länger als zehn Minuten.

Quelle: MMW-Fortschr. Med. Sonderheft 1/2013 (155. Jg.);

basiert auf BMJ 2012; 354:e7963 (mit Videodarstellung)

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