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Leben 8. April 2013

Frauen können sich besser mitteilen

Wahrscheinlich hängt die Begabung, sich sprachlich leichter ausdrücken zu können, von einem Eiweißmolekül ab.

US-Neurologen haben eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum Frauen sich sprachlich stärker mitteilen als Männer. Es könnte an dem Eiweißmolekül FoxP2 liegen, von dem es in den Neuronen des weiblichen Gehirns viel mehr Kopien gibt als im männlichen Pendant.

FoxP2 – was war das noch einmal? – Das Akronym tauchte erstmals vor mehr als zehn Jahren im Zusammenhang mit der Erforschung der Evolution der Sprache auf. Damals wurde bei einer als „KE family“ bekannt gewordenen britischen Familie entdeckt, dass das FoxP2-Gen bei Sprach- und Sprechstörungen von Bedeutung ist (Nature 2001;413: 519–523). Die Hälfte der Mitglieder der Familie hatte Schwierigkeiten, sich zu artikulieren sowie Probleme beim Formulieren und Verstehen von Sprache. Weil die Störung über drei Generationen weitergegeben wurde, konnte die Mutation in einem einzigen Gen – dem FoxP2-Gen – die Vererbung erklären.

Schließlich gab es im Jahr 2009 die ersten Hinweise – und zwar aus Tierversuchen –, dass es da wohl im Kleinhirn Mengenunterschiede des Proteins zwischen den Geschlechtern gibt. Das konnten jetzt die US-Forscher um Dr. J. Michael Bowers von der Universität Maryland in Baltimore gemeinsam mit mexikanischen Kollegen in Versuchen mit Ratten bestätigen. Außer im Kleinhirn schauten sie auch im Striatum, Mandelkern, Kortex und Thalamus nach dem Eiweißmolekül, also in jenen Regionen, die kognitive Leistungen ermöglichen.

Männliche neugeborene Tiere hatten mehr FoxP2-Moleküle in den verschiedenen Regionen des Gehirns und kommunizierten viel stärker mit ihrer Mutter – und zwar mithilfe von Ultraschall – als die weiblichen Neugeborenen. Im Hippocampus dagegen ließ sich das Molekül weder bei den männlichen noch bei den weiblichen Tieren nachweisen.

Humaner Kortex untersucht

Die Wissenschaftler wollten darüber hinaus wissen, ob es solche Unterschiede zwischen den Geschlechtern auch bei Menschen gibt. Dazu untersuchten sie histologisch das Kortexgewebe von jeweils fünf Buben und Mädchen im Alter von vier bis fünf Jahren, die bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen waren. Alle Proben stammten jeweils von der linken Hemisphäre und dort aus dem Brodman-Areal 44, also einem Teil des motorischen Sprachzentrums.

Tatsächlich fanden die Neurologen je nach Geschlecht unterschiedliche FoxP2-Konzentrationen, allerdings mit der Verteilung genau anders herum als bei den Ratten: Denn bei den Mädchen entdeckten die Forscher viel höhere Mengen des Eiweißes als bei den Jungen. Die Wissenschaftler erklären sich die Beobachtung damit, dass große Mengen an FoxP2 stets mit dem kommunikativeren Geschlecht assoziiert sind.

 

basierend auf: Bowers J M et al. The Journal of Neuroscience 2013;33(8): 3276–3283; doi: 10.1523/JNEUROSCI.0425-12.2013

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 15/2013

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