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Masken und Trachten im Volkskunde Museum

Die gute Stube: Prunkmöbel aus dem 18. Jahrhundert.

Blick in die Sonderausstellung „Die Salzburger Metzger – Handwerk und Brauchtum“.

© Salzburg Museum, Peter Laub (4)

Das Monatsschlössl von der Parkseite aus.

 
Leben 8. April 2013

Verstecktes Kleinod

Ein lohnenswerter Frühlingsausflug: Seit Mitte März hat das im Monatsschlössl beheimatete Volkskundemuseum wieder seine Pforten für Besucher geöffnet.

Das Monatsschlössl zählt zu den versteckten Preziosen der an Baudenkmälern reichen Stadt Salzburg. Als Teil der unter Fürsterzbischof Markus Sittikus in Hellbrunn errichteten Schloss- und Gartenanlage ist es nicht nur architektonisch reizvoll.

Den Salzburgern ist das nach Plänen des Architekten Santino Solari gebaute Schloss Hellbrunn mit seiner prachtvollen Parkanlage und den berühmten Wasserspielen ein Begriff. Durch die eindrucksvolle Hellbrunner Allee führt der Weg zu Fuß oder per Rad geradewegs zur fürsterzbischöflichen Sommerresidenz und ihren weitläufigen Parkanlagen. In der Nähe von Schloss und Park bietet der Hellbrunner Berg nicht nur für den an seiner Flanke liegenden Tiergarten einen idealen Standort. Der bewaldete, lang gestreckte Rücken ist auch Teil des Schlossareals, das zurzeit von Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems dem Auftraggeber der gesamten Anlage als Jagdrevier gedient hat. Gemächlich vollzieht sich der Übergang von der nach Plänen des Hofgarteninspektors Franz Anton Danreiter um 1730 gestalteten Gartenanlage mit ihren Bassins und Rasenparterren in die naturbelassenen Bereiche des Hellbrunner Berges.

In idyllischer Lage

Unweit des Natursteinbruchs in Hellbrunn, den Bauherr Markus Sittikus zum „Steintheater“ der ältesten Freilichtbühne Europas umgestalten ließ, befindet sich das im Volksmund als Monatsschlössl bekannte Gebäude. Der elegante hohe Bau ist vom Park aus gut sichtbar. Zunächst als Jagdschlösschen geplant, wurde es im Jahr 1615 nach sehr kurzer Bauzeit vollendet. Ob es tatsächlich in Monatsfrist fertiggestellt wurde, ist fraglich, aber daher rührt sein landläufiger Name. Das Schlösschen thront inmitten der umgebenden Bäume hoch über dem Schlossgarten. Und dennoch wird es oft übersehen, obwohl ein Besuch des Waldems-Schlösschens, so sein eigentlicher Name, nicht nur allein wegen seines Äußeren ratsam ist. Zwei Wege führen zum Ziel: Entweder man wählt den etwas längeren über das Steintheater oder jenen, der direkt in Serpentinen vom Park aus hinaufführt. Beides ist nicht sonderlich anstrengend – außer man hat bereits den Fußmarsch durch die Hellbrunner Allee hinter sich gebracht. Dann stellt diese letzte Etappe noch eine kleine Herausforderung dar.

Das Monatsschlössl steht inmitten des lichten Waldes ganz für sich. Die Touristenscharen kommen nicht herauf; nur wahre Kenner und Interessierte statten ihm einen Besuch ab. Tatsächlich überrascht es, wie es sich während des Aufstiegs direkt vom Park aus immer wieder dem Blick entzieht – bis man schließlich fast unvermittelt davor steht. Hier ließ es sich nach einer erfolgreichen Jagd in illustrer Runde gut rasten und feiern. Dass dieses Vergnügen nur Wenigen vergönnt war, versteht sich von selbst, denn die Jagd galt als herrschaftliches Recht. Da das idyllisch gelegene Schlösschen Teil des luxuriösen Gesamtensembles war, konnte man sich an diesen verschwiegenen Ort auch sehr diskret zurückziehen.

Ein Ort der Sammlung

Heutzutage ist das repräsentative Schlösschen öffentlich zugänglich. Dieses Zeugnis ländlicher Architektur der Spätrenaissance überzeugte bereits den damaligen Museumsdirektor Julius Leisching, das Schlösschen dazu zu nutzen, um darin die volkskundlich-bäuerliche Abteilung des Stadtmuseums Carolino Augusteum zu präsentieren. Schon seit 1924 beherbergt es das Volkskundemuseum, das heute zum Salzburg Museum gehört. Leischnig zeigte sich nach eigenen Worten von Anfang an davon überzeugt, dass die volkskundlichen Bestände dort weit besser zur Geltung kommen würden, als dies etwa in einem der Salzburger Stadthäuser der Fall gewesen wäre. Interessant ist, dass dabei auch der Unterschied von Stadt und Land Salzburg klar herausgestellt wurde.

In den übersichtlich gestalteten Ausstellungsräumen bietet das Museum in einem informativen Querschnitt Einblicke in die überaus reichhaltigen volkskundlichen Sammlungsbestände. Schwerpunkte bilden hierbei die Krippensammlung und Objekte religiöser Volksfrömmigkeit, Hinterglasmalerei, bäuerliches Mobiliar, Keramik, Tracht und Brauchtum.

Zu den besonders wertvollen Beständen zählen die bäuerlichen Prunkmöbel des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem Pinzgau sowie die Sammlung an alten Perchten- und Schauspielmasken. Diese Maskensammlung gehört zu den ältesten Beständen der bereits seit 1904 bestehenden volkskundlichen Sammlung. Alle ausgestellten Objekte zeigen eindrucksvoll, welch kultureller Reichtum sich in Stadt und Land Salzburg über Jahrhunderte erhalten hat. Dieser Blick in die Vergangenheit wirkt immer wieder inspirierend. Schließlich geht es darum, dass Traditionen in lebendigem Brauchtum erhalten bleiben. Etwa 15.000 Objekte umfasst der Museumsbestand derzeit. Wechselnde Sonderausstellungen vermitteln vertiefende Einblicke in spezielle Bereiche der Salzburger Volkskultur. Wer sich über einen solchen Bereich näher informieren will, dem sei die derzeitige Sonderausstellung „Die Salzburger Metzger – Handwerk und Brauchtum“ ans Herz gelegt. Schon im Jahr 1524 wurden in der Salzburger Stadtordnung Rechte und Pflichten für das Metzgerhandwerk festgelegt. Dessen Bräuche und seine Entwicklung sind durch die zahlreichen Ausstellungsstücke dokumentiert. Und da Kultur und Genuss bekanntlich zusammengehören, sollte man sich nach dem Besuch dieser Ausstellung und der Rückkehr in die Stadt bei einem der Wurststände am Grünmarkt nahe des Ritzerbogens mit einer feinen Wurst stärken.

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