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Walter Thirring bei der Verleihung des Paul-Watzlawik-Ehrenrings 2013.
 
Leben 4. April 2013

An den Grenzen der Physik

Walter Thirring, Preisträger des Paul-Watzlawick-Ehrenrings 2013

"Als Wissenschafter ist man natürlich immer mit der Frage konfrontiert: ,Wie wahr ist die Wahrheit?', oder, mit Watzlawick gesprochen: ,Wie wirklich ist die Wirklichkeit?' Ich habe da immer den pragmatischen Standpunkt eingenommen, dass diese Begriffe nur in einem bestimmten Gedankengut definiert werden können. Da kann man sich nur herantasten. Sie sind ein Ziel, aber wir haben nur stückweise den Weg", sagte Walter Thirring, Preisträger des Paul-Watzlawick-Ehrenrings 2013 der Ärztekammer für Wien, anlässlich seiner Rede im Rahmen einer Wiener Vorlesung im Festsaal des Wiener Rathauses.

 

Übergeben wurde Thirring die Auszeichnung von Walter Dorner, Kurator des Paul-Watzlawick-Ehrenrings.

Für Dorner reiht sich Thirring würdig in die Riege der bisherigen Preisträger ein: "Vor allem beeindrucken mich sein tiefer theologischer Ansatz, seine Humanität und die Schärfe seiner naturwissenschaftlichen Erkenntnis - ein Diagnostiker, wie er auch für uns Ärztinnen und Ärzte ein Vorbild ist, einer, der hinterfragt und nicht ohne ausführliche, mehrdimensionale Betrachtung urteilt." In seinen "Kosmischen Impressionen", aber auch in seiner Autobiografie, werde dies besonders deutlich, so Dorner.

Ähnlich auch das Urteil der Jury, die Thirring einstimmig zum Preisträger für 2013 gekürt hat: "Wie nur wenige andere hat Thirring die Dimensionen seiner Disziplinen gesprengt und ist an die Grenzen der Physik gegangen. In diesem Sinn ist er ein Meta-Physiker und dekonstruierend im Sinne von Paul Watzlawick."

"Zeichen unseres Engagements für eine Humanisierung der Medizin"

Walter Thirring, geboren 1927 in Wien und immer noch produktiv und kreativ, zählt zu den bedeutendsten österreichischen Naturwissenschaftern der Gegenwart. "Er ist einer der wenigen, die ständig die Grenzen ihres Faches ausgelotet haben, interdisziplinär forschten und nachhaltigen Einfluss auf die moderne Physik ausüben, insbesondere in der Quantenphysik", betonte der Vorsitzende der Jury, Hubert Christian Ehalt.

Thirring studierte Physik an den Universitäten Innsbruck und Wien. Er war unter anderem am Institute for Advanced Study in Dublin bei Erwin Schrödinger sowie bei Bruno Touscheck an der Universität Glasgow sowie am Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen bei Werner Heisenberg tätig. 1953/54 traf er am Institute for Advanced Study in Princeton Albert Einstein. Seit 1959 ist er als Professor für theoretische Physik an der Universität Wien tätig und emeritierte 1997.

Thirring war einer der Gründer des Erwin-Schrödinger-Instituts. Von 1968 bis 1971 war er Direktor der Abteilung für theoretische Physik am CERN sowie von 1976 bis 1978 erster Präsident der International Association of Mathematical Physics.

Der Watzlawick-Ehrenring wurde bislang viermal vergeben - an den Soziologen Peter L. Berger, die Kulturphilosophin Aleida Assmann, den Autor und Philosophen Rüdiger Safranski sowie den Architekturexperten, Schriftsteller und Polyhistor Friedrich Achleitner - und ist mittlerweile einer der renommiertesten Wissenschafts-Awards. Für die Ärztekammer ist er ein "Zeichen unseres Engagements für den Dialog zwischen Medizin und Ethik und eine Humanisierung der Medizin".

Der Paul-Watzlawick-Ehrenring wurde von der Meisterklasse Paolo Piva der Hochschule für Angewandte Kunst geschaffen und zitiert die "Möbiusschleife" als Metapher des permanenten Forschens und Denkens.

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