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Leben 28. März 2013

Glaubst du an den Oster-Doktor?

Kinder verlieren zunehmend den Glauben an traditionsreiche Geschenke-Lieferanten. Als Erwachsene glauben sie dann nicht einmal mehr an die Götter in Weiß.

Es ist traurig, wie wenige Kinder noch daran glauben, dass das österliche Nest von einem Hasen gefüllt und versteckt wird. Zu auffällig sind all jene Indizien, die darauf hinweisen, dass Eltern, Großeltern, der Supermarkt und die industriellen Massenproduktionsstätten für Billigschokolade mehr als nur mitgemischt haben. Zu irritierend, dass man den malenden Hasen nie zu Gesicht bekommen hat. Stets hat man zu spät hingesehen und nie etwas bemerkt, außer die begeistert rufende Mutter: „Schau, da hoppelt er gerade weg!“ Der Glaube an den Osterhasen ist ebenso erschüttert, wie jener an den Weihnachtsmann, das Christkind oder den Nikolo (dessen ausgelatschte Schuhe denen von Onkel Klaus so verdammt ähnlich sehen).

Erwachsene haben bereits den Glauben an Zaubergestalten verloren. Man glaubt nicht mehr an die Unfehlbarkeit von Päpsten und Finanzministern, an Fremdwährungskredite, Tilgungsträger und den Euro, man zweifelt an der Redlichkeit von Experten, an der Unabhängigkeit von Journalisten und daran, dass das, was in der Werbung so weiß wäscht, auch in der eigenen Waschmaschine funktioniert.

Man ist, wie die Kinder von heute, kritischer geworden. Und so glaubt man auch nicht mehr an die weiße Lichtgestalt eines Halbgottes in Weiß. Früher wollte man es ja noch glauben. Dass im Falle einer Krankheit der Doktor nachts durch den Kamin rutscht und die Tabletten unter den Weihnachtsbaum legt. Und dann wird man wieder gesund.

Dieses Bild wurde den Patienten gründlich ausgetrieben. Keine unfehlbaren magischen Fabelwesen huschen wie Elfen durch die Krankenhausgänge. Nein, es ist ein Mensch wie du und ich (dessen ausgeprägter Bauch dem von Onkel Klaus so verdammt ähnlich sieht). Ein Mensch, der nicht immer uneigennützig handelt, nicht immer eine Ahnung von den Nebenwirkungen der magischen Medizin hat und ab und an beim Operieren die linke mit der rechten Hüfte verwechselt. Das wissen wir von den Aufdecker-Journalisten. Denen man aber, wie gesagt, auch nicht mehr glaubt.

Manchmal bleibt den Patienten nichts anderes übrig, als daran zu glauben, dass es tatsächlich einen Primar gibt. Immerhin bekommt man den nicht immer zu Gesicht, sondern muss sich mit der Aussage der Schwester zufrieden geben: „Schau, da hoppelt er gerade weg!“

Wir Ärzte müssen auch gewisse Dinge glauben. Dass das, was in den Medikamenten drin ist, unsere Patienten tatsächlich gesund macht oder dass irgendwann einmal das ärztliche Gespräch von der Kasse honoriert wird. Und wir müssen glauben, dass es das Gesundheits-Fabelwesen tatsächlich gibt. Immerhin finden wir immer wieder in den Krankenhaus-Nestern ein paar faule Eier.

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