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Leben 25. März 2013

Schlemmern, bis der Osterhase kommt

Die Fastenzeit vor Ostersonntag könnte sich gesundheitlich positiv auf die Patientenkörper auswirken. Tut es aber nicht. Hier die Gründe.

Und wieder ist es Ostern. Dieses Fest ermahnt uns weniger an die religiösen Hintergründe, denn an das Unvermögen, bis zum Plündern des perfide versteckten Osternests in Askese zu verharren, Verzicht zu üben und zu fasten.

Fasten ist gesund. Das sagen heute nicht mehr nur die F. X. Mayr-Jünger und ein paar unverbesserliche indische Yogis. Sondern das wissen heute auch Genetiker, Hormonspezialisten und die ganze medizinische Anti-Aging-Partie: Denn den Körper ein wenig von den fleischlichen und mehlspeisigen Genüssen zu entwöhnen tut gut, ist gesund und hält jung.

Alleine der Geist ist schwach. Und unser Appetit-Hormon Ghrelin beginnt bereits mit dem Besteck zu klappern, wenn mitten in der vorösterlichen Fastenzeit der Blick ständig auf Schoko-Osterhasen, Osterstriezel oder auf den neuen Papst fällt, der den Ostersegen mit „Buon Appetito“ beschließt. Die Gefahr, in diesen 40 Tagen nahrungsmäßiger Wüste, den Versuchungen der Supermarkt-Oasen zu verfallen, ist groß. Daher sind viele vorösterliche Diäten häufig schon von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Und das, obwohl die Magazine auf den Titelblättern mahnen, es wäre längst an der Zeit abzuspecken, wenn man rechtzeitig zur Badesaison in den Bikini hineinpassen möchte, den man sich gerade vom Online-Versandhaus Zalando in der Größe XS bestellt hat.

Das Osterfest ist daher stets begleitet von Schuldgefühlen gegenüber den eigenen Vorsätzen, Zalando und dem Arzt, zu dem man sich mit sorgsam angefutterter Körpermitte bis Juni nicht hintraut.

Als die Religionen hierzulande noch mehr Einfluss auf die Menschen gehabt haben, war es einfach zu fasten. Denn da gab es das Oster-Bockbier erst zu Ostern, das Lamm wurde auch nicht bereits am Aschermittwoch geschlachtet und auch die bunten Eier waren abgezählt und durften keinesfalls verzehrt werden, bevor der Pfarrer seinen Segen dazu gegeben hatte. Heute gibt es das ganze Jahr über das ganze Sortiment für die ganze Familie. Und wenn die Schokoladeküken weggeräumt werden, ersetzt man sie nahtlos in den Regalen mit Schokolade-Weihnachtsmännern. Damit sie auch ja rechtzeitig für den Advent (bekanntlich auch eine Fastenzeit) gebunkert werden können.

Unsere Patienten können also gar nichts dafür, wenn sie die mit dem Arzt vereinbarten Zielwerte nicht einhalten können. Hier sollten wir uns nicht anmaßen, über die Willensschwäche unserer Schäfchen zu urteilen. Denn wer frei von Sünde ist, der werfe das erste Überraschungs-Ei.

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