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Die 40-jährige Tuberkulose-Patientin Hekim wird von Ärzte ohne Grenzen behandelt.
 
Leben 23. März 2013

Welttuberkulosetag: Aufruf zum Kampf gegen multiresistente TB

Bisherige Therapien extrem schwierig, teuer und mit sozialen Nebeneffekten behaftet - "Ärzte ohne Grenzen" betreut Betroffene auch in Kirgistan.

 
Seit dem Aufkommen von Antibiotika vor rund 60 Jahren kann die durch Mykobakterien hervorgerufene Tuberkulose (TB; TBC) aktiv behandelt werden. Mittlerweile bereitet allerdings die sogenannte multiresistente TB (MDR-TB), die ebenfalls die Lunge befällt, große Sorgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzte die Zahl der Betroffenen weltweit 2011 auf 630.000 - Tendenz steigend.



Zur multiresistenten TB kommt es, wenn eine Therapie gegen normale Tuberkulose unvollständig oder inkorrekt durchgeführt worden ist. Das lässt resistente Keime entstehen. Die Erkrankten werden so unempfindlich gegen die an sich gut wirkenden Standardarzneimittel. Sie können daraufhin auch diese kompliziertere Form der Infektionskrankheit durch die Luft direkt an andere Menschen übertragen. Experten betrachten das als eigene Epidemie.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (Medecins sans frontieres/MSF) mahnt anlässlich des Welt-Tuberkulosetages am Sonntag (24. März) mit einer Kampagne, mehr zu tun, um die ohne Behandlung tödlich verlaufende, multiresistente TB in den Griff zu bekommen. Oft werde die Infektion nicht erkannt, und nur jeder Fünfte erhalte die richtige Gesundheitsfürsorge. Umgekehrt habe man noch nie so viele Menschen mit MDR-TB betreut.

Normale TBC kann in einem halben Jahr mit großen Erfolgschancen geheilt werden. Bei multiresistenter TB ist die Behandlung ungleich schwieriger, länger und teurer: Die Patienten benötigen hoch-toxische Medikamente. In den ersten sechs Monaten brauchen sie täglich, schmerzhafte Injektionen, in weiteren eineinhalb Therapie-Jahren danach bis zu 20 Tabletten an einem Tag. Die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Nebenwirkungen sind erschütternd. Umgerechnet bis zu 4.600 Euro kostet die Behandlung einer Person.

"Extreme Müdigkeit, ständige Übelkeit, Ertaubung, Psychosen", zählte Grigor Simonyan im APA-Gespräch in Bischkek auf, was einen MDR-TB-Patienten erwartet. Simonyan leitet die "Ärzte ohne Grenzen-Mission im zentralasiatischen Kirgistan - laut WHO einem unter 27 Ländern, mit weiter Verbreitung der MDR-TB.

In der UdSSR und vor allem nach ihrem Zerfall wurden in den früheren Sowjetrepubliken Antibiotika häufig falsch angewendet. Das hat dazu geführt, dass herkömmliche Präparate bei vielen Menschen nicht mehr wirken, so auch bei der TB. Es kommt zur multiresistenten Form.

Kostenfreie Hilfe

Seit 2006 hat die Hilfsorganisation in Kirgistan in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden mehreren hundert Personen im Jahr kostenfreie Hilfe geboten. Gearbeitet wird mit Ambulatorien, die sich nicht wie die meisten Spitäler auf ein Krankheitsfeld konzentrieren, sondern neben der MDR-TB-Behandlung umfassende Gesundheitsversorgung anbieten. So müssen die Patienten auch nicht dauerhaft ins Spital, wo auch die Ansteckungsgefahr größer sei. Von ihrer Nähe zur Familie verspricht man sich außerdem eine höhere Erfolgsquote.

Während der Behandlung gegen MDR-TB können die Betroffenen nämlich kein normales Leben führen und ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen. Wenn es sich um den Alleinverdiener handelt, bedeutet das in Ländern wie Kirgistan mit schlecht entwickeltem sozialem Sicherheitsnetz, dass ganze Familien ins Elend gestürzt werden, schilderte Simonyan. Auch an derartige Faktoren sei im Rahmen einer ganzheitlichen medizinischen Betreuung zu denken. Obwohl die Behandlung alternativlos ist, geben dennoch viele vor Therapie-Ende auf tragische Weise auf.

Kampagne von "Ärzte ohne Grenzen"

"Ärzte ohne Grenzen" stemmen sich in einer Kampagne gegen die "vernachlässigte globale Gesundheitskrise" durch die multiresistenten TB. Ab heute, Mittwoch, informiert die Organisation gesondert auf der Website tuberkulose.msf.at. Zum Welttuberkulosetag wurde außerdem das Manifest "Testet mich, behandelt mich" aufgelegt: Erkrankte und Mediziner fordern darin u.a., die Forschung nach effizienteren Behandlungsmethoden zu forcieren und mehr finanzielle Mittel für Diagnose und Behandlung der MR-TBC bereitzustellen.

http://tuberkulose.msf.at  

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