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Leben 21. März 2013

Erschöpfte LenkerInnen

Übermüdung ist  laut Experten Grund für 30 Prozent der tödlichen Unfälle.

Laut den vorläufigen Zahlen sind im Jahr 2012 insgesamt 522 Personen auf Österreichs Straßen getötet worden. Zwölf Prozent der tödlichen Unfälle ereigneten sich aufgrund von Ablenkung, rund fünf Prozent wegen Übermüdung und vier Prozent waren auf Herz-Kreislaufversagen oder akute Erkrankungen zurückzuführen. Die Dunkelziffer dürfte insbesondere bei Übermüdung jedoch höher sein - Experten führen bis zu 30 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle darauf zurück.


Bei einem Symposium des ÖAMTC und der Ärztlichen Kraftfahrvereinigung Österreichs (ÄKVÖ) am Mittwoch in Wien thematisierten Experten psychologische, medizinische und rechtliche Aspekte dieser Unfallursachen. "Wer während der Fahrt telefoniert, produziert um 40 Prozent mehr Fahrfehler. Ein auf vier Stunden verkürzter Nachtschlaf bringt dieselbe Reaktionsverschlechterung wie 0,5 Promille Alkohol im Blut", erläuterte Wolfgang Staffen, Facharzt für Neurologie. Nach einer durchwachten Nacht reagiere man so, als habe man 0,8 Promille, sagte Staffen.

Müdigkeit


Laut Straßenverkehrsordnung bzw. Kraftfahrgesetz darf ein Fahrzeug nur gelenkt werden, wenn man die dementsprechende körperliche Eignung und geistige Aufmerksamkeit aufweist und frei von persönlichen Beeinträchtigungen wie etwa Müdigkeit, Ablenkung und Krankheit ist, erläuterte ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. Theoretisch können Verwaltungsstrafen von bis zu 726 Euro verhängt werden. Die Polizei kann auch die Weiterfahrt unterbinden. Bei einem Unfall mit Personenschaden kann es zu strafrechtlichen Sanktionen kommen.

Für die Polizei ist die Quantifizierung der Müdigkeit jedoch problematisch, erklärte Klaus Scherleitner vom Landespolizeikommando Oberösterreich. Während bei Beeinträchtigungen von Fahrzeuglenkern durch Alkohol, Suchtgift und Medikamente und bei der Ablenkung in Teilbereichen praktikable gesetzliche Bestimmungen existieren, ist es bei der Übermüdung umso schwieriger, polizeilich vorbeugend aktiv zu werden, so der Experte. Das Führerscheingesetz ließe viel Interpretationsspielraum zu. Polizisten müssen schließlich an Ort und Stelle entscheiden, ob eine Übermüdung vorliegt oder nicht. Eine Vorführung zu einem zuständigen Arzt ist rechtlich nicht vorgesehen, erläuterte Scherleitner.

Versicherungsproblematik

Hoffer thematisierte auch versicherungsrechtliche Folgen von Übermüdung: "Die Leistung der Haftpflichtversicherung steht außer Zweifel. Ob bei durch Ablenkung, Müdigkeit oder Krankheit verursachten Unfällen die Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit aussteigen kann, liegt an den Umständen des Einzelfalles." Zur Vermeidung von Ablenkung plädierte Hoffer für eine bessere Straßenraumgestaltung: "Ablenkung durch Werbung muss reduziert werden, ebenso ist der auf Österreichs Straßen vorherrschende Schilderwald einzudämmen. Vor allem sollten auch Ablenkungen im eigenen Fahrzeug vermieden werden."

Pupillomat


Einen Lösungsansatz, um müdigkeitsbedingte Beeinträchtigungen zu erkennen, ist für Scherleitner der "Pupillomat" - ein Alkomat für müde Lenker. Das für Straßenkontrollen taugliche Untersuchungsgerät gibt Auskunft über den Grad der Müdigkeit. 2005/2006 wurde es in Oberösterreich getestet. Durchgeführt wurden rund 1.200 auf Freiwilligkeit beruhende Untersuchungen, vorwiegend bei Berufskraftfahrern. Dabei wurde die Pupille vermessen, als Maß für die Müdigkeit der relative Pupillenunruheindex ermittelt. Bei der Versuchsreihe wurden 20 Prozent der Lenker als übermüdet, 30 Prozent als kontrollbedürftig und 50 Prozent als normal bzw. fahrtauglich eingestuft.

Eine Untersuchung dauerte ungefähr elf Minuten. Das sei relativ "aufwendig und verbesserungswürdig", sagte Scherleitner im Gespräch mit der APA. Grundsätzlich sei der Ansatz jedoch der richtige. Nach dem Pilotprojekt im Jahr 2006 war vorerst allerdings Schluss mit dem "Pupillomat".

Schlafstörungen


Thematisiert wurden auch Schlafstörungen. Eine besonders häufige Schlaferkrankung ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, erläuterte Bernd Saletu, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie. Betroffene leiden an Atemstillständen während des Schlafs. Es kommt zu Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit, wodurch die Leistungsfähigkeit stark abnimmt. "Das Risiko für Verkehrsunfälle ist bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe drei bis sieben Mal höher", so Saletu.

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