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Das Heilige Grab in der Filialkirche am Ulrichshögl.
© ROHA-Fotothek Fürmann (4)

Detailansicht des Heiligen Grabes in Höglwörth mit dem Grab Christi und des Sonnenrades.

Gesamtansicht des Heiligen Grabes in der Kirche des ehemaligen Augustiner-Chorherrnstifts Höglwörth.

 
Leben 18. März 2013

Das Heilige Grab

Die Tradition der „Heiligen Gräber“ hat sich im Rupertiwinkel, im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet bis heute erhalten. Zwei besonders prachtvolle sind am Karfreitag und Karsamstag zu sehen.

Alljährlich wird das „Heilige Grab“ in der Filialkirche am Ulrichshögl, hoch über dem Kurort Ainring, aufgebaut. Jenes in der Kirche des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Höglwörth ist nur alle drei Jahre und somit im Jahr 2013 wieder zu sehen. Beide gehören zu den eindrucksvollen Zeugnissen der Liturgie der Karwoche.

Den Ausgangspunkt dieser „Heiligen Gräber“ bildete die Grabeskirche in Jerusalem. Gläubige, für die eine Pilgerreise ins Heilige Land außerhalb ihrer Möglichkeiten lag, sollten Orte der Andacht finden, die jenem Vorbild glichen. Daraus entwickelten sich im Lauf des 15. Jahrhunderts die theatralischen Trauerinszenierungen mit dem Trauergerüst, dem „Castrum doloris“. Sie gelten als Vorläufer des barocken Kulissengrabes. Durch den Jesuitenorden rückten die Liturgie der Karwoche und das geistliche Osterschauspiel in den Mittelpunkt.

Barocke Pracht

Bald ging es nicht nur um die szenische Inszenierung, sondern mehr um die aufwendige Gestaltung des „Heiligen Grabes“. Im Zeitalter des Barock begann sich die illusionistisch-theatralische Gestaltung der Kulissen in den Kirchenraum auszuweiten. Die räumliche Tiefe sollte einen möglichst effekt- und stimmungsvollen Eindruck erwecken. Mehrmals waren diese spätbarocken Inszenierungen in ihrem Fortbestand gefährdet. Zur Zeit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde durch Maximilian von Montgelas, Minister unter dem Kurfürsten und späteren König von Bayern, Maximilian I. der Aufbau der „Heiligen Gräber“ untersagt. Erst um 1830 lebte diese heute noch beeindruckende Tradition in Ulrichshögl und Höglwörth wieder auf. Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurden die „Heiligen Gräber“ mancherorts als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Hätten nicht die ortsansässigen Bauern am Ulrichshögl und in Höglwörth dafür gesorgt, dass diese Tradition lebendig bleibt, gäbe es bestenfalls nur noch schriftliche oder bildliche Überlieferungen. Heute hält gerade auch die jüngere Generation mit viel Idealismus und persönlichem Einsatz diese Tradition wach.

Das „Heilige Grab“ am Ulrichshögl

Sowohl das kleinere, aber nicht minder prächtige „Heilige Grab“ in der Filialkirche Ulrichshögl als auch die außergewöhnliche Inszenierung im ehemaligen Augustiner Chorherrenstift Höglwörth hinterlassen auf den Besucher einen tiefen Eindruck. Schriftlich belegbar ist das „Heilige Grab“ am Ulrichshögl bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Aus Rechnungen aus dem 16. Jahrhundert geht hervor, dass die Wächter am „Heiligen Grab“ für ihren Dienst zwölf Kreuzer erhielten. Alljährlich erfolgt am Mittwoch in der Karwoche nach der Abnahme der Heiligenfiguren der Aufbau durch die am Ulrichshögl ansässigen Bauern. Die etwa fünfzig mit gelb, blau, rot und grün gefärbtem Wasser gefüllten Glaskugeln werden in Kränzen angeordnet. Mit den kleineren Glaskugeln wird hinten begonnen, die größeren schließen nach vorne hin ab. Aus Sicherheitsgründen werden die Kugeln elektrisch beleuchtet. Das Licht zahlreicher Lampen wie auch das mechanisch bewegte Sonnenrad sorgen für einen stimmungsvollen Eindruck.

Das Herrengrab in Höglwörth

Groß ist der Andrang all jener, die an den beiden letzten Tagen der Karwoche, kurz vor dem Osterfest, das nur alle drei Jahre aufgebaute „Heilige Grab“ in Höglwörth besuchen. Die Höglwörther Bauern haben sich dessen Erhaltung zu ihrer Aufgabe gemacht. Das Mesneramt liegt seit 125 Jahren in Händen der Familie Fegg, die daran ebenfalls einen nicht unbedeutenden Anteil hat. Am Freitag vor Palmsonntag beginnen die Mitglieder des 2007 gegründeten „Vereins zur Erhaltung des Heiligen Grabes Höglwörth“ mit den umfangreichen Aufbauarbeiten und bewahren eines der schönsten und berührendsten christlich-kulturellen Zeugnisse für die Nachwelt. Mit fünf Metern Breite und sechs Metern Tiefe ist dieses „Herrengrab“ von äußerst eindrucksvoller Größe. Fünf Bögen, vier davon mit farbigen, beleuchteten Glaskugeln besetzt, sorgen für die räumliche Tiefenwirkung. Über dem fünften, dem Triumphbogen, schwebt das Licht schimmernde Kreuz als Abschluss. Zu einer Zeit, in der der Tagesablauf vor allem von Arbeit und nicht durch Freizeit geprägt war, mag man den feierlichen Eindruck sogar noch intensiver als heute empfunden haben. Die innere Einkehr und Andacht bedeutet für die Gläubigen im übertragenen Sinn eine Begleitung Jesu durch die Dunkelheit zum Licht und damit zur Auferstehung. An der Einstimmung darauf haben die mit farbigem Wasser gefüllten Glaskugeln einen nicht geringen Anteil. Die Farbrezeptur war oft Sache des Mesners und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Zur Illumination des „Heiligen Grabes“ in der Höglwörth dienen 81 Glaskugeln in unterschiedlicher Größe. Die Größte von ihnen hat ein Fassungsvermögen von 62 Litern. Diese Kugeln werden nach einem überlieferten, festgelegten Farbschema angeordnet. Einige sind sogar in zwei Kammern geteilt, sodass das gefärbte Wasser besonders effektvoll wirkt. Beleuchtet werden diese Schusterkugeln ähnlichen Glaskörper mittels dahinter gestellter Öllämpchen. Mit ihrem sanften Flackern sorgen sie im verdunkelten Kirchenraum mit ihrem sanften Flackern für eine feierliche Stimmung. Den hinteren Abschluss bildet die Grabkammer mit dem Leichnam Jesu. Darüber bewegt sich das mechanisch betriebene Sonnenrad, umkreist von Licht tragenden Engeln und der Monstranz im Mittelpunkt. Sogar das leise Plätschern des Paradiesbrunnens vor dem „Heiligen Grab“ ist zu hören, so still ist es trotz der zahlreichen Besucher in Höglwörth. Diese andachtsvolle Stille und die liturgischen Feierlichkeiten vor dem Ostersonntag sollte man nicht nur einmal erlebt haben – am Ulrichshögl wie auch in Höglwörth. Es ist eindrucksvoll, wie diese Tradition dort durch großes Engagement aller daran Beteiligten auch in der heutigen Zeit aufrecht erhalten wird.

Rosi und Hans Fürmann

Sein Grab wird herrlich sein – Das Herrengrab von Höglwörth in der Heimat des Rupertiwinkels.

Teisendorf 2013 € 19.80

Erschienen im Eigenverlag

Zu bestellen bei Werbeagentur Fürmann, Filzweg 14, D-83317 Teisendorf, Tel: 0049-(0)8666-6175, e-mail:

Reich bebildert wird die Geschichte der Heiligen Gräber von der Grabeskirche in Jerusalem ausgehend aufgegriffen. Das Herrengrab von Höglwörth aus der Mitte des 17. Jahrhunderts steht hierbei im Mittelpunkt. In Bild und Text ist festgehalten, mit welchem enormen Aufwand alle Beteiligten des „Vereins zur Erhaltung des Heiligen Grabes Höglwörth“ alle drei Jahre diese Tradition aufrecht erhalten. Das Buch widmet sich zudem weiteren heimatlichen Themen des Rupertiwinkels und seiner Geschichte, die untrennbar mit dem ehemaligen Fürsterzbistum Salzburg verbunden ist.

Literatur

Sein Grab wird herrlich sein

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