zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 13. März 2013

Verwaltete statt veraltete Medizin

Viele klagen jetzt schon über den großen Verwaltungsaufwand bei der Administration der Patienten. Aber da geht noch mehr!

Einer der Kritikpunkte am hiesigen Gesundheitssystem stellt die überbordende Bürokratie dar. Dennoch muss ich bemerken, dass ein Spital durchaus noch weitaus mehr Zettelbeiwerk, Dokumentation und bürokratischen Firlefanz vertragen könnte. Wenn man bedenkt, wie viele Bewilligungen, Bescheinigungen und Horden wiehernder Amtsschimmel es bedarf, um einen schlichten Carport neben dem Haus errichten zu dürfen, kommt einem die Freiheit, die unsere Patienten genießen dürfen, unverschämt grenzenlos vor.

Ich schlage daher vor, alleine um der lieben Ordnung willen, auch den Aufenthalt im Krankenhaus strikt zu reglementieren. Damit fühlen sich die Patienten heimisch und müssen nicht auf die Errungenschaften eines modernen Verwaltungsapparates verzichten. So scheint mir etwa, dass die Leibschüssel viel zu leichtfertig in Patientenhände bzw. unter Patientenhintern gegeben wird. Dazu braucht es ein Verfahren. Eine Kommission, bestehend aus einem Urologen, einer erfahrenen Stationsschwester, einem Patientenvertreter und einem Mitarbeiter der Mietwäscheunternehmens, tritt einmal die Woche zusammen, wo über die Anträge abgestimmt wird. Auf diese Weise lassen sich sicherlich gut zehn Prozent aller Leibschüsselbewilligungen über einen negativen Bescheid verhindern. Man kann es sich ja auch verkneifen.

Speisenänderungswünsche, etwa vegetarisch, diabetisch-zuckerfrei, religiös-schweinefleischfrei oder ökologisch-pferdefleischfrei sind ebenfalls bewilligungspflichtig und erfordern den Nachweis einer entsprechenden Bedürftigkeit durch einen zertifizierten Ethiker, Diabetologen, Imam oder Global-2000-Aktivisten.

Die Verlegung eines Patienten von der internen auf die chirurgische Abteilung stellt einen Sondertransport dar, der zwei Wochen zuvor eingereicht werden muss. Besucher können natürlich auch nicht so ohne Weiteres zum Angehörigen ins Krankenzimmer spazieren, ohne Visum geht da gar nichts. Bei der zuständigen Botschaft ist dieses unbürokratisch nach sieben Tagen Einspruchsfrist erhältlich.

Wie leichtfertig zudem heute aus dem Spital entlassen wird, ist sicher auch ein Grund für die Unzufriedenheit vieler Menschen mit dem Gesundheitssystem. Schließlich muss ein aufgenommener Patient ja nach Eintrag in das Melderegister und dem Antrag auf vorübergehende Ruhendstellung der Müllentleerung zu Hause, auch wieder für die Behörden klar ersichtlich in die Gesellschaft integriert werden. Ein Re-Integrationsformular sowie das blaue Formblatt zur Herabsetzung des Selbstbehaltes für die Vergebührung des blauen Formblattes liegen am Entlassungsschalter auf.

Auf diese Weise sind auch Turnusärzte sinnvoll beschäftigt, die zur Schulung ihrer medizinischen Sinne die Anträge in den Computer übertragen dürfen. Das ist immer noch die beste Vorbereitung auf die Tätigkeit in der ärztlichen Praxis.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben