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EEG-Aktivität sagt Lernerfolg voraus.
 
Leben 7. März 2013

Alphawellen helfen beim Lernen

Bei guten Lernern verändert sich die Hirnaktivität im EEG auf charakteristische Art und Weise.

Eine Erklärung, warum manche Menschen schlechter lernen als andere, liefert ein deutsches Wissenschaftlerteam. Denn nicht wie meistens behauptet ist ineffizientes Lernen das Hauptproblem, sondern dass das Gehirn die zu lernende Information unzureichend an den entscheidenden Stellen verarbeitet.

Wie gut wir lernen, hängt von genetischen Aspekten, der individuellen Gehirnanatomie und nicht zuletzt der Aufmerksamkeit ab. Forscher aus Berlin, Bochum und Leipzig trainierten im ersten Schritt ihrer Studie den Tastsinn von 26 Studienteilnehmern, indem sie die Haut an der Hand 30 Minuten lang wiederholt elektrisch stimulierten. Mit diesem etablierten Verfahren, dem passiven Lerntraining, werden bei Menschen Lernprozesse ausgelöst, die keine Aufmerksamkeit erfordern, teilt die Humboldt-Universität Berlin mit. Vor und nach diesem Lerntraining testeten sie die Zwei-Punkt-Diskriminationsschwelle – ein Maß für die Sensibilität. Dabei übten sie mit zwei Nadeln sanften Druck aus und bestimmten den kleinsten Abstand, bei dem der Proband sie noch als separate Reize wahrnahmen.

Passives Training für den Tastsinn

Im Schnitt verbesserte das passive Training die Diskriminationsschwelle um zwölf Prozent. Warum nun manche Menschen besser lernten als andere, zeigten dann EEG-Tests: Dabei identifizierten die Wissenschaftler die Komponenten der Hirnaktivität, die mit einer Verbesserung beim Diskriminationstest zusammenhingen. Entscheidend war die Alpha-Aktivität, also die Hirnaktivität im Frequenzbereich von 8 bis 12 Hertz. Je höher die Alpha-Aktivität vor dem Training, desto besser lernten die Probanden. Zudem lernten sie umso leichter, je mehr die Alpha-Aktivität während des Trainings abnahm. Diese Effekte traten über dem somatosensorischen Kortex auf, also dort, wo der Tastsinn im Gehirn verortet ist.

Nun suchen die Forscher nach Möglichkeiten, die Alpha-Aktivität willentlich zu beeinflussen, etwa für die Therapie nach Hirnschädigung.

Originalpublikation: F. Freyer, R. Becker, H.R. Dinse, P. Ritter (2013): State-dependent perceptual learning, J Neuroscience 2013, 33(7): 2900–2907; doi: 10.1523/JNEUROSCI.4039-12.2013

Quelle: http://www.hu-berlin.de

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