zur Navigation zum Inhalt
© Verpan – www.verpan.com
Verner Panton, VP-Globe
© rauminhalt

Achille Castiglioni,Arco

© Verpan – www.verpan.com

Verner Panton, Fun

© rauminhalt

Serge Mouille, Stehlampe und Serge Mouille, Deckenlampe

© rauminhalt

Serge Mouille, Stehlampe und Serge Mouille, Deckenlampe

 
Leben 10. März 2013

Mehr Licht!

Reizvolle oder funktionale Lösungen für Innenräume ergeben sich nicht nur durch Mobiliar. Auch Licht spielt dabei eine ganz wesentliche Rolle.

Kunstlicht in Wohn- oder Arbeitsräumen hat namhafte Architekten und Gestalter immer wieder animiert, Lampen zu gestalten. Nicht wenige davon sind mittlerweile zu wahren Kult-Objekten geworden.

Jede Designepoche hat ihre speziellen Ikonen. Das ist im Fall von Lampen nicht anders. Einige von ihnen, wie die von Karl J. Jucker und Wilhelm Wagenfeld 1923/24 am Bauhaus in Weimar entworfene „Tischlampe aus Glas“, sind stilistisch zeitlos. Aus der ersten großen Zeit der Bauhaus-Metallwerkstätten sind auch Arbeits-Lampen zu finden wie jene, die von Marianne Brandt für die Firma „Kandem“ entworfen wurden. Maßgeblich auf dem Gebiet der Massenfertigung formschöner Arbeitslampen am Weimarer Bauhaus war außerdem Christian Dell. In den späten 1930er Jahren firmierte er mit seinen Entwürfen unter der Bezeichnung „Kaiser-Idell“. Mit etwas Glück kann man solche Lampen mit dem geprägten Schriftzug heute noch günstig auf Flohmärkten erstehen.

Ausgefallen und selten sind die Schreibtischlampen von Karl Trabert mit ihrem gewölbten Aluminiumschirm und weißem Glaseinsatz aus den 1930er Jahren. Auch „Mazda“-Tischlampen, die in ihrem Herkunftsland Frankreich zur Zeit des Art-Déco für stimmungsvolles Licht sorgten, sind, obwohl sie in den 1930er und 1940er Jahren in großer Stückzahl produziert wurden, mittlerweile sehr rar. Ihr schlanker konischer Stil und der kelchförmige weiße Glasschirm machen sie unverwechselbar. Die Nachfertigungen sind in der Fertigungsqualität den Originalen fast ebenbürtig. Aber im Detail, etwa an der Fassung, erkennt man leicht den Unterschied.

Leuchtende Preishöhen ?

Sehr gesucht und preislich in äußerst gehobenen Dimensionen beheimatet ist das Modell „Lampadaire“ des französischen Designers Serge Mouille, als Steh-, Tisch- oder Deckenlampe aus den Jahren 1950 bis 1955. Hier muss man tatsächlich tief in die Tasche greifen um solche Stücke, die derzeit sehr hoch in Kurs stehen, zu erwerben. Zwar gibt es auch hier Reproduktionen, die Originale haben jedoch einen ganz eigenen Reiz. Die Jieldé-Arbeitsleuchte von Jean-Louis Domecq, entworfen 1958, ist hierzu das industrielle Gegenstück. Sie rangiert noch immer in einem vertretbaren Preisrahmen.

Das Land innovativen Lichtdesigns ist und bleibt allerdings Italien: Einer der Großen auf diesem Gebiet ist Achille Castiglioni. Wer dessen Stehlampe „Toio“ einmal gesehen hat, behält sie für immer in Erinnerung. Es ist wahrhaftig ein radikaler Entwurf, der dem Italiener 1962 da gelungen ist. Denn eigentlich ist wenig dran: Man nehme den Reflektor eines Autoscheinwerfers, ein Metallgestänge, Ösen einer Angelrute und einen frei sichtbaren Transformator, um mit dieser eigenwilligen Kombination Designgeschichte zu schreiben. Ein weiteres Highlight aus Castiglionis Ideen-Werkstatt gefällig? „Arco“, die wohl am häufigsten kopierte Stehlampe bringt mit kühnem Bogenschwung zentrales Licht in den Wohn- oder Essbereich.

Nordlichter

Hat es mit den langen, dunklen Wintern zu tun, dass einige der interessantesten Lampenentwürfe, die auch nach 40 Jahren noch begeistern, aus Skandinavien kommen? Designer wie Poul Henningsen oder Verner Panton rangieren jedenfalls mit ihren Lichtobjekten ganz oben auf der Weltrangliste. Warum dies so ist, lässt sich an solch maßgeblichen Entwürfen wie dem „PH Zapfen“ von Henningsen, meist auch als „Artischocke“ bezeichnet, deutlich ablesen. Verner Panton hingegen zeichnet unter anderem für raumgreifende, flirrende Lampenentwürfe aus kreisrunden Muschelplättchen verantwortlich. Diese „Lichtmobile“ sind im Original recht kostspielig. Billigimitationen aus Fernost aus schnödem Plastik können den wahren Connaisseur natürlich nicht beeindrucken. Das schafft nur das Original und sonst gar nichts. Mehr Lichtobjekt als konventionelle Lampe hingegen ist Pantons Hängelampe „VP Globe“, kombiniert aus sphärischen Elementen und Reflektoren.

Molto Luce made in Italy ?

Zurück nach Italien: Manche der Lichtobjekte italienischer Provenienz haben schon seit den 1970ern Kultstatus. „Passiflora“ von Superstudio ist beispielsweise eine leuchtende Pop-Art-Ikone der besonderen Art. Zu den Stücken, die sich manchmal sogar noch auf italienischen Flohmärkten finden lassen, gehören die von Kartell produzierten Leuchten von Joe Colombo. Die linear-technoiden Lichtobjekte Gianfranco Finis, die Licht eine Form geben, um Atmosphäre zu erzeugen, zeigen, wie experimentell und zugleich pragmatisch italienische Architekten und Designer in den 60er und 70er Jahren im Umgang mit Licht waren.

Nicht minder innovativ: Plexi- und Acrylglas, dazu fallweise Aluminium als bevorzugte Materialien, um Modernität im Material auszudrücken. Mit der Postmoderne in der Architektur und der Gestaltung von Möbel-Design für Innenräume wurde zu Beginn der 80er Jahre der Umgang mit Licht spielerischer: „Memphis“-Mitbegründer Ettore Sotsass ist hier zu nennen, ebenso wie Matteo Thun, der Lichtobjekte entworfen hat, die ihre architektonisch-funktionalistischen Anleihen nicht verleugnen. Ob man nun diesen Lichtobjekten oder den formschönen Tisch-, Steh-, oder Arbeitslampen, jenen Licht-Ikonen des 20. Jahrhunderts den Vorzug gibt, ist reine Geschmackssache.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben