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Leben 27. Februar 2013

Pferdefleisch in den Statinen?

Da die angegebenen Inhaltsstoffe in Lebensmitteln nicht immer der Wahrheit entsprechen, stellt sich die Frage, wie es mit unseren Medikamenten aussieht.

Der Pferdefleischskandal schockt unser Land. Denn wie konnte der vertrauensselige Konsument auch nur auf die Idee kommen, in der Tiefkühl-Lasagne vom Discounter zum Schnäppchenpreis von 1,99 Euro für zwei Stück, nicht die besten Zutaten vom regionalen Bio-Bauern vorzufinden.

Der Skandal weitet sich aus, einheimische Nationalspezialitäten wie Kärntner Bauernwürstel oder Tiroler Kaspressknödel sind betroffen. Bald schon kommt man vielleicht dahinter, dass in den Salzburger Mozartkugeln gar kein einheimisches, sondern ausländisches Pferdefleisch drin ist. Vertrauen zu seinem persönlichen Dealer ist immer wichtig. Egal, ob slowenischer Metzger, kolumbianischer Drogenbaron oder ostösterreichischer Apotheker. Ja, wir müssen davon ausgehen, dass die Angaben auf der Packung die Wahrheit und nichts als die Wahrheit wiedergeben.

Zwar sind die Kontrollen bei den Tabletten (hoffentlich) strenger, als bei der „Original Sulmtaler Mischblunzn“ und wir gehen davon aus, dass in den Blisterpackungen namhafter Pharmakonzerne tatsächlich auch die versprochenen Wirkstoffe drin sind. Bei den etwas günstiger im Internet zu erstehenden Mitteln, die ebenfalls eine seriöse Schachtel haben, sieht die Sache schon etwas anders aus. Und dass sich ein wenig Pferdefleisch in den Statinen, Bootslack in der Potenzpille oder radioaktives Plutonium im Haarwuchsmittel befindet, ist für die Schnäppchenjäger keine Überraschung, und auch kein Kaufhindernis.

Doch wie sieht das im Krankenhaus aus? Weiß man als Patient, ob einem tatsächlich der Chef operiert, wenn man privat versichert ist? Oder lächelt er einem nur freundlich vor der Operation an und überlässt dann das Messer, wenn man schläft, seinem Assistenzarzt, der gerade mal die Pubertät hinter sich gebracht hat? Wie kann man sichergehen, dass sich das am Krankenbett bei der Visite verordnete Medikament auf dem Weg von der Fieberkurve über den Medikamentenschrank, die Stationsschwester, der Pflegehelferin, dem Turnusarzt und dem Famulanten tatsächlich in der Infusionsflasche befindet und in die Vene tropft?

Ich möchte nicht wissen, welche Substanzen wir Tag für Tag in unsere Patienten hineinleeren, die eigentlich gar nicht hineingehören. Doch der Mensch ist zäh und verzeiht Fehler. So wie auch unsere Mägen sich längst gewöhnt haben an all die Schwermetalle, hormonbelasteten Muscheln und diesem Reis mit Fisch obendrauf, den man in der Küche schlichtweg vergessen hat, zu kochen.

Noch ein Tipp für Ihren Speiseplan: Sollten Sie ein Lebensmittel erwerben wollen, das garantiert kein Pferdefleisch enthält, kaufen Sie einfach Pferdefleisch!

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