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© Thomas Kahler, Antiquariat Peter Truppe (3)
Bibliophile Kostbarkeiten: eine Freude für jeden Bücherliebhaber.

Kräuterbuch, 16. Jh.

Kräuterbuch, 16. Jh.

 
Leben 1. März 2013

Vom Reiz alter Bücher

Manch einer hat die Bibliothek aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“, einen Hort von hunderten, in Leder gebundenen Folianten, noch in Erinnerung. Für Bibliophile ein paradiesischer Zustand, nur, wie kommt man zu solch einer Bücherpracht?

Meist fängt man klein an, findet in diesem Antiquariat oder jener Bücherbörse das lang gesuchte, oftmals vergriffene Werk. Der Platz im heimischen Bücherregal wurde vorsorglich schon freigehalten, denn Bücher kann man bekanntlich nie genug haben. Und so wächst die Bibliothek, Stück für Stück um rare Kostbarkeiten.

Fundierte Information ist für Liebhaber antiquarischer Raritäten das Wichtigste. Das hat seinen guten Grund. Nur weil ein Buch alt ist, besitzt es an sich noch keinen Wert. Die Seltenheit ist es, die zählt. Und diese hängt nicht nur mit der Auflage, sondern auch mit dem Thema zusammen. Seit der Erfindung des Buchdrucks hat sich die Auflage gedruckter Werke zwangsläufig vervielfacht. Folglich sollte man immer nach Erstauflagen Ausschau halten. Sind sie vom Autor oder von prominenten Zeitgenossen signiert, um so besser, denn solche Exemplare gehören zu den seltenen Funden. Teils hat dies sogar einen kulturgeschichtlichen Hintergrund, da immer wieder Bestände privater Bibliotheken als Nachlässe in den Handel kommen.

Der Zustand zählt?

Selbst handwerklich äußerst akkurat gebundene Bücher haben im Lauf der Zeit meist einiges mitgemacht. Man wird sich also im Idealfall auf die Suche nach kaum benutzten Exemplaren machen, die sich in gutem oder sogar sehr gutem Zustand befinden. Die gute Nachricht hierbei: Es gibt solche Bücher tatsächlich. Die weniger gute: Sie sind entsprechend teuer. Auf einige wesentliche Merkmale, den Zustand einer bibliophilen Kostbarkeit betreffend, sei hier nur kurz hingewiesen: Der Einband sollte weder eingerissen, noch fleckig sein, keine Seiten dürfen fehlen, Illustrationen, ob Stiche, Drucke oder die besonders begehrten Original-Illustrationen bedeutender Künstler müssen komplett vorhanden sein. Leider hat sich die Unsitte eingebürgert, Kupferstiche oder Radierungen einfach mit einem Federmesser aus den Büchern zu schneiden. Eine üble Sache, noch dazu pure Geschäftemacherei, vor der auch manche Händler – allerdings keine ausgewiesenen Bücher-Liebhaber – nicht zurückschrecken. Ein seriöser Anbieter, ob Antiquar oder Sachverständiger eines Auktionshauses, wird immer auf fehlende Blätter hinweisen. Bei besonders schön gebundenen Exemplaren wirkt sich die Qualität des Einbandes erheblich auf den Preis aus. Bibliothekseinbände von öffentlichen Institutionen hingegen sind wertmindernd.

Fundgrube modernes Antiquariat?

Man könnte nun annehmen, dass nur Bücher, die zumindest aus dem 19. Jahrhundert stammen, als wahre Kostbarkeiten gelten. Das ist bei Weitem nicht so, denn auch im 20. Jahrhundert gibt es Schätze zu entdecken. Verlage, die längst nicht mehr existieren, wie der Berliner Malik Verlag, haben Bücher auf den Markt gebracht, die längst vergriffen und teils nur mehr schwer zu finden sind. Aber es gibt auch jüngere Beispiele: So wird bei einem Internet-Anbieter „The catcher in the Rye“ von J.D. Salinger aus dem Jahr 1951, Edition BOMC, mit $ 500,- gehandelt. Und das nicht nur wegen des guten Zustands, sondern auch weil sich in dieser Ausgabe eine Fotografie des öffentlichkeitsscheuen Autors befindet. Die Erstauflage dieses Werkes liegt allerdings noch weit höher im Preis und ist schwierig zu finden. Aber auch Erstausgaben von Thomas Bernhard erfreuen ihre Besitzer mittlerweile mit Wertzuwachs.

Eben so können limitierte Auflagen oder Privatdrucke schon zum Zeitpunkt ihres Erscheinens eine entsprechende Wertsteigerung erfahren. Mit einem weitverbreiteten Irrtum muss man allerdings aufräumen: Bücher sind keine Spekulationsobjekte und sollten auch nicht als solche missverstanden werden. Die Freude an einem schönen Exemplar in der eigenen Bibliothek sollte deshalb immer im Vordergrund stehen.

Pflege und Erhaltung alter Bücher

Ein wirklich schwieriges Kapitel ist die Restaurierung von Büchern in schlechtem Zustand. Das lohnt sich nur in den seltensten Fällen, übersteigt dies den Wert eines Buches doch oft um ein Vielfaches. Handelt es sich um ein persönliches Erinnerungsstück, mag der Aufwand gerechtfertigt sein. Man darf nur nicht damit rechnen, das investierte Geld wieder zu bekommen. Bei Exemplaren mit schweren Mängeln ist Vorsicht geboten. Die Wahrscheinlichkeit, ein besseres Exemplar zu einem vielleicht gar nicht so hohen Preis zu finden, gibt es immer wieder.

Papier ist in der Regel sehr widerstandsfähig, obwohl Papiere des 19. und 20. Jahrhunderts stärker unter Alterung leiden. UV-Strahlung setzt nicht nur dem Papier, sondern auch den Einbänden zu und lässt sie ausbleichen.

Feuchtigkeit ist ein weiteres Risiko, weil dies den Befall und die Ausbreitung von Schimmel begünstigt. Rettungsmaßnahmen für schimmelbefallene Bücher sind äußerst kostenintensiv und lohnen nur bei Raritäten. Wer Bücher auf Dachboden oder Keller auslagert, muss damit rechnen, dass sich Mäuse daran gütlich tun. Solche Schäden an Büchern lassen sich kaum mehr beheben. Aber jede bibliophile Kostbarkeit, die sich trotz stark gebrauchten Zustands erhalten lässt, sollte auch bewahrt werden.

T. Kahler, Ärzte Woche 9/2013

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