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Leben 20. Februar 2013

Habemus Doctorem!

Selbst ein Papst kann zurücktreten. Doch Ärzte tun sich schwer, ihren Beruf gänzlich hinter sich zu lassen.

In der jüngeren Kirchengeschichte der letzten Jahrhunderte hat die Welt so etwas noch nicht gesehen. Ein Papst tritt zurück. Weder in Amt und Würden 100-jährig verstorben noch frühzeitig von vatikanischen Neidern vergiftet, er tritt einfach zurück. Wie von einem ganz profanen Beruf.

Nicht durch Mobbing, so zumindest die offiziellen Stellungnahmen, auch nicht, weil es gilt, die Frauenquote bei der Besetzung des Chefpostens zu erfüllen. Sondern, weil es sein Gesundheitszustand nicht mehr zuließ, das Amt anständig zu bekleiden. Vielleicht hat sich in Herrn Ratzingers Brust eher die deutsche Seele durchgesetzt, die auf den Anspruch auf Rente pocht, denn die spirituelle Berufung, für seine Schäfchen da zu sein, bis man aus Petrus Schuhen kippt.

Die Frage stellt sich nun: Was tun mit einem pensionierten Papst? Hat er überhaupt Sozialversicherungsbeiträge eingezahlt? Wie hoch werden die Bezüge sein? Und wie kann man die eigene Unfehlbarkeit so plötzlich ablegen?

Die bringt uns geradewegs zu den Ärzten: Ein Arzt ist mit dem Zeitpunkt der Promotion für immer Arzt. Das lässt sich nicht abschütteln. Auch ein Arzt in Pension ist ein Arzt. Ein Postler in Rente wird keine Briefe mehr austragen, selbst wenn er ganz lieb darum gebeten wird. Einen Mediziner im Bekannten- und Verwandtenkreis gibt man hingegen nicht so leicht auf. Er wird nach wie vor befragt zu Themen der Gesundheit, der Politik und der Gesellschaft, eben aller Kernkompetenzen der Ärzte. Selbst, wenn der Ruhestand angetreten wird – und der kann bei hohen medizinischen Würdenträgern durchaus erst in der achten Lebensdekade erfolgen – so ganz kann man es dann doch nie so richtig lassen. Selbst als Patient auf der geriatrischen Abteilung weiß man noch besser über die eigene Behandlung bescheid, als alle anderen.

Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage, wo einem das Pensionsantrittsalter ständig davon läuft, wird es ohnehin nötig sein, sich im Pfusch etwas dazu zu verdienen: Kleine Operationen, Atteste oder Geburtshilfen lassen sich auch im fortgeschrittenen Alter ohne Weiteres noch durchführen. Beim drohenden Ärztemangel werden zudem auch eine Menge Stellen zu besetzen sein, sodass man auch auf die rüstigen Medizin-Rentner zurückgreifen muss. Geben Sie es aber nicht zu billig. Die Gesellschaft braucht Sie! Und wenn Sie schon immer mal eine Abteilung leiten wollten: Warten Sie einfach, bis man Sie anruft. Übrigens: Unlängst wurde ein Primariat im Vatikan frei.

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