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Dreharbeiten zu hochkarätig besetztem ORF/SWR-Drama: : v.l.n.r.: 1. Reihe: Gerlinde Seitner, Martina Gedeck, Klaus Maria Brandauer, Regina Fritsch, Nikolaus Leytner´, 2. Reihe: Alfred Grinschgl, Philipp Hochmair, Thomas Hroch, Klaus Lintschinger
 
Leben 18. Februar 2013

Darstellungsweise in "Die Auslöschung" infrage gestellt

Die Selbsthilfegruppe Alzheimer Austria kritisiert die Darstellung von unheilbar Kranken und deren pflegenden Anghörigen im österreichischen Film.

Im Namen der Selbsthilfegruppe Alzheimer Austria möchten wir die Ausstrahlung des Filmes Die Auslöschung mit Klaus Maria Brandauer im ORF zum Anlass nehmen, auf die fragwürdige Darstellung von unheilbar Kranken und deren pflegenden Angehörigen im österreichischen Film aufmerksam zu machen.


In Amour von Michael Haneke genauso wie in Anfang Achtzig von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl und eben jetzt in Die Auslöschung von Nikolaus Leytner, werden die von einer unheilbaren Erkrankung Betroffenen von ihren pflegenden Angehörigen „auf Wunsch“ getötet. Überforderte Angehörige vollziehen dann den vermeintlichen Willen der Betroffenen, wenn sie an die Grenzen der Belastbarkeit stoßen. Das scheint eine unvermeidbare Entwicklung zu sein, weil diesen Personen die notwendige Unterstützung fehlt: Sie greifen zum Polster oder verabreichen Tabletten.

In diesen Darstellungen deponieren die Betroffenen, so lange sie noch in der Lage dazu sind, den Wunsch nach einem schnellen Ende, wenn es unerträglich wird, bei ihren Angehörigen. Aus unserer Erfahrung macht es aber einen großen Unterschied, wenn Betroffene ein Szenario pro futuro bestimmen, infolgedessen sie vermeintlich nicht mehr leben möchten – es geht nicht immer um die Unerträglichkeit des eigen Lebens an sich, sondern, zumeist möchten sie „so“ dann nicht weiter leben! Dieses „so“ ist aber in der Regel eine Folge des Zusammentreffens aus Beeinträchtigungen infolge der Erkrankung selbst (Somatische-Ebene und psychische Ebene) und ihrem Wechselspiel mit interpersonellen, sozialen bzw. umweltbedingten- Faktoren. Ist die Demenzerkrankung auch heute noch nicht heilbar (wie übrigens auch eine Vielzahl anderer somatischer Erkrankungen, wie z.B. ein erhöhter Blutdruck, eine Zuckerkrankheit, Herzschwäche, Rheuma etc.) so stehen uns demgegenüber prinzipiell auf jeder Ebene wirksame Interventionsmöglichkeiten zur Verfügung, die einen wesentlichen Einfluss auf dieses „so“ haben können.

Dass die Pflege eines Demenzkranken an die eigenen Grenzen führen kann, erleben wir in unserem Beratungsalltag immer wieder. Mit Trainingskursen, Bildungsangeboten, kostenlosen Beratungs- und Entlastungsgesprächen stehen wir und viele andere Einrichtungen den Betroffenen und den pflegenden Angehörigen bei.
Die Angehörigen brauchen Anerkennung, Wertschätzung und Entlastung für die Herausforderung, die die Betreuung einer kranken Partnerin oder eines Partners, eines Vaters oder einer Mutter bedeutet, nicht aber die Belastung mit einem „Tod auf Bestellung“.

Von den 130.000 an einer Demenz Erkrankten in Österreich werden 80% zuhause gepflegt. Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz hat eine hervorragende Broschüre zum Thema „Gewalt erkennen, Fragen und Antworten zu Demenz und Gewalt herausgegeben und damit auf eine Tatsache reagiert.
Leider fehlt in Österreich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern nach wie vor ein nationaler Demenzplan, der eine einheitliche und flächendeckende Betreuung und Entlastung für die Angehörigen bringt. Aber dennoch gibt es eine Realität der Hilfe und Unterstützung, die über das allen drei Filmen gemeinsame Ende hinausgeht, mehr noch, die dieses Ende verhindert.


Monika Natlacen
Dr. Andreas Winkler, MSc

Monika Natlacen und Dr. Andreas Winkler, MSc im Namen von Alzheimer Austria., springermedizin.at

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