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Leben 11. Februar 2013

„Giovanni im Dienst“

Das Exklusivrecht auf das beliebte „im Dienst“-Schild soll nun auch auf Hebammen ausgeweitet werden.

Die Argumentation der Mediziner für die Sondergenehmigung beim Parken ist klar. Denn weder kann man verlangen, dass man vor der Versorgung eines Herzinfarktes einen Kurzparkschein ausfüllen, noch bei der Visitenrunde pro Patient eine halbe Stunde Parkplatz suchen muss. Die Erleichterung, die das „Arzt im Dienst“-Schild mit sich bringt, kommt letztlich auch den Patienten zugute. Allerdings fährt man als Hausarzt eher zur Grippe als zum Infarkt und die Versuchung, ein Halteverbot vor dem Supermarkt mit dem Schild außer Kraft zu setzen, ist groß. Doch wir sind uns bewusst: Es ist ein Privileg, so etwas zu besitzen.

Nun scheint dieses Monopol allerdings zu fallen. Nach den weißen Mänteln (Physik-Lehrer), Stethoskopen (Tierärzte) und Golfschlägern (Caddies) fällt nun das letzte Symbol ärztlichen Standesbewusstseins in die Hände von Nicht-Medizinern: Das „Arzt im Dienst“-Schild“ soll bald nicht mehr nur ein exklusives Recht für Ärzte sein, die „Hebamme im Dienst“ soll kommen.

Das sorgt für Unmut in den Kreisen der Ärzteschaft. Denn, was kommt als Nächstes? Vielleicht die „Schwester im Dienst“? Das wäre Hohn auf die Mühlen des Neides.

Stellen wir uns einmal vor – auch wenn’s schwer ist –, es gäbe neben dem Arzt auch andere wichtige Berufe. Nur mal theoretisch angedacht. Wie können wir uns da von all den anderen abheben? Weder der Verdienst noch das Ansehen machen heutzutage den ärztlichen Beruf unverwechselbar. Nicht einmal das Heilen. Denn die Patienten pilgern scharenweise zu Masseuren, Kräuterpfarrern und anderen Heilern, die ihren Astralkörper behandeln. „Kräuterpfarrer im Dienst“ – wo führt das hin?

Natürlich gibt es Personengruppen, die berechtigterweise auch so ein Schildchen hinter die Windschutzscheibe anbringen könnten: Eltern, die ihre Kinder in die Schule bringen und in zweiter Spur stehen bleiben müssen („Mutter im Dienst“), oder der Pizzalieferant, der nicht nach dem Durchqueren der halben Stadt von Parkplatz zum Kunden mit einer kalten Ware ankommen soll („Giovanni im Dienst“).

Wahrscheinlich bleiben diese Privilegien aber ohnehin medizinischen Gruppen vorbehalten, da es hier ums Wohl einer solidarischen Gemeinschaft geht. Das wird akzeptiert. Und selbst der Aufdruck „Dringende Arzneiwaren“ auf einem halb die Fahrbahn blockierenden Lieferwagen stimmt milde, obwohl die Lieferung von Nasentropfen ins Depot der Apotheke nur mäßig dringend erscheint.

Freuen wir uns einfach darüber, dass man wenigstens im Straßenverkehr die Heilkunst als edel und gut erachtet, egal ob es sich um Ärzte, Hebammen, Physiotherapeuten, medizinisch technische Assistenten oder den Mann, der den Portier des Kreiskrankenhauses vom Grüßen her kennt, handelt. Sie alle stehen zur Verfügung und sind tatsächlich (manchmal auch) „im Dienst“.

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