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Leben 4. Februar 2013

Energieferien

Ferien, die unter einem Motto stehen, bringen auch im Gesundheitssystem viele Vorteile mit sich.

Dass unsere Kinder Semesterferien haben, verdanken sie der ersten Ölkrise, die auch Österreich im Jahr 1973 heimsuchte. Es bekamen damals nicht nur die Autos Pickerl mit dem Aufdruck jenes Wochentages, an dem sie nicht gefahren werden durften, auch die Schüler durften nicht gefahren werden. Die Schulgebäude wurden in dieser Woche fast nicht geheizt, sodass Öl gespart werden konnte. Und so hat sich bis heute der Begriff „Energieferien“ gehalten. Die Idee, Ferien einem bestimmten Zweck zu widmen, könnte aber auch heute interessant sein. Für den Spitalsbetrieb möchte ich daher folgende Ferien anregen:

Medikamentenferien: In dieser Woche darf keine pharmakologische Therapie durchgeführt werden. So können die Spitalsapotheken ihre Bestände halten und es muss nichts zugekauft werden. Die Ärzte müssen ihre Therapie entsprechend kreativ auswählen: Ein gutes Gespräch ersetzt so manches Antidepressivum, ein guter Schnitt so manches krampflösende Mittel, ein guter Schlag auf den Hinterkopf so manches Narkotikum.

Verwaltungsferien: In dieser Zeit braucht im Krankenhaus der wirtschaftliche Gedanke nicht gedacht werden. Man kann aus dem Vollen schöpfen, Betten leer stehen lassen, tolle neue Geräte aus dem Katalog bestellen, das Essen für Belegschaft und Patienten von der Trattoria nebenan liefern lassen oder Operationen an Privatpatienten nur nach tatsächlicher Notwendigkeit durchführen. Das ist Freiheit. Nach dieser Woche ist das Spital zwar arm, aber sexy.

Chef-Ferien: Nun wird der Abteilungsvorstand für sieben Tage in Zwangsurlaub geschickt. Was für ein Halli-Galli bei der Morgenbesprechung, welch ausgelassene Stimmung bei der Chefvisite ohne Chef. Wenn die weiße Katze aus dem Haus ist, feiern die weißen Mäuse Kirtag. Allerdings bildet sich bereits am ersten Tag eine neue Hierarchie heraus. Der erste Oberarzt übernimmt die Rolle des Kalifen und herrscht als böser Prinz John viel grausamer, als der nu aus der Ferne so gutmütig wirkende Prim. Dr. Richard Löwenherz.

Schwestern-Ferien: Nach anfänglicher Freude der Jungärzte über das entspannte Klima am Stützpunkt kommt sehr rasch Panik bei der ärztlichen Belegschaft auf, da sie plötzlich bemerken, dass sie es nicht waren, die den Betrieb bislang am Laufen gehalten haben. Spätestens in der Hälfte der Ferien und der abermals ins Leere gehenden Aufforderung „Schwester, Tupfer!“ wird das Krankenpflegepersonal auf Knien gebeten, den Urlaub vorzeitig abzubrechen.

Patienten-Ferien: Nun darf die Belegschaft endlich das machen, was sie schon immer machen wollte: Behandeln, ohne dass der Patient dabei im Weg steht. Man hat Zeit für viele Teambesprechungen, Kaffeepausen und Streitereien über geplante Strukturreformen. Es ist der Beweis dafür, dass ein Krankenhaus auch gänzlich ohne Kundschaft funktionieren kann.

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