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© Winter!Sport!Museum! Mürzzuschlag (4)
Minna Piech: die Siegerin der Klubmeisterschaften des österreichischen Schivereins am 12 Februar 1911 in Mürzzuschlag.

Nichts für schwache Nerven: auf Fassdauben den Hang hinunter.

Rechts: Zeitungsartikel über den ersten Internationalen Schiwettlauf am 2. Februar 1893 in Mürzzuschlag.

© Thomas Kahler

Unten: Blick in die Dauerausstellung des Winter!Sport!Museum! Mürzzuschlag.

Schustermeister Nagl: einer der ersten Skilehrer und -führer, um 1895 vor dem Roseggerhaus auf der Pretul.

 
Leben 9. Februar 2013

Schnee-Treiben

Am 2. Februar 1893 wurde der 1. Internationale Schiwettlauf in Mitteleuropa in Mürzzuschlag abgehalten. Das „Winter!Sport!Museum!“ im Ortszentrum vermittelt Wissenswertes zur Kulturgeschichte des Schifahrens.

Nicht in Lech am Arlberg und auch nicht etwa in Kitzbühel befindet sich die österreichweit und international bedeutendste Sammlung zur Kulturgeschichte des Wintersports: In Mürzzuschlag dreht sich alles darum, auf Schiern, Schlitten, Kufen, ob zum Vergnügen oder sportlich ambitioniert, unterwegs zu sein.

Gleich hinter dem Semmering, mitten im Zentrum von Mürzzuschlag ist das „Winter!Sport!Museum!“ zu finden. Der Beschluss zur Gründung wurde vor nunmehr 65 Jahren, im März 1947 gefasst und unter dem ersten Leiter des Museums, Theodor Hüttenegger, in die Tat umgesetzt. Die zunächst bescheidene Sammlung fand anfangs Platz in einigen Kellerräumen des Mürzzuschlager Rathauses. Ab 1966 beherbergte das ehemalige Forstgebäude in der Wienerstraße 79 die wachsenden Bestände. Seit 1997 leitet Mag. Hannes Nothnagl mit großem Engagement das Museum. Im Rahmen der 1. FIS Skihistorischen Konferenz in Oslo 1998 wurde es gemeinsam mit den Museen in Oslo, Lahti und New Hampshire in die Riege der FIS-Museen aufgenommen. Mittlerweile zählt es mit seinen enormen Depotbeständen von über 30.000 Objekten zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen und Museen seiner Art. Seit 2004 vermittelt die Dauerausstellung im neuen Haus im Zentrum von Mürzzuschlag anschaulich die Kulturgeschichte des Wintersports. Der Bogen reicht von den Anfängen bis hin zu den wintersportlichen Bewerben der Gegenwart. Dem Thema „Schifahren“ ist dabei ein besonderer Schwerpunkt gewidmet.

Auf Schi im Schnee

Auf zwei Brettern durch den Winter: Menschen haben sich, wie anhand von Höhlenmalereien nachweisbar, schon sehr früh dieser Hilfsmittel bedient, um im Schnee zu gleiten. Allerdings war man nicht zum Vergnügen unterwegs, sondern um zu Jagen und Brennholz zu finden. Kurz, um im Winter zu überleben und nicht um sich sportlich zu betätigen. Zu den ältesten Funden, datiert auf 2000 v. Chr., gehören die im Moor gefundenen Schi von Kalvtärsk. Schon in der nordischen Mythologie durchqueren Ullr, der Ase der Bogenschützen und der Schifahrer und Skadi, die Jagd- und Schigöttin, auf Schiern die winterlichen Gefilde. In Österreich tauchen schi-, beziehungsweise snowboardähnliche Hilfsmittel erstmals im 16. Jahrhundert auf: Auf dem „Knappenross“, einem langen Holzbrett mit einer Querleiste als Fußstütze und einem an der Brettspitze befestigten Seil stehend, wagten mutige Rauriser Holzknechte Abfahrten auf schneebedeckten Hängen. Manches wurde über lange Zeit erprobt, wie etwa unterschiedlich lange Schneegleiter oder an der Lauffläche befestigte Felle als Aufstiegshilfe.

Gleiten statt Hetzen

Über Jahrhunderte hinweg wurde die „Ein-Stock-Technik“ beim Schifahren beibehalten. Auch der österreichische Schi-Pionier Mathias Zdarsky gab dieser in seinem 1896 verfassten Werk „Die Lilienfelder Schilauftechnik“ den Vorzug. Dem Lehrer, Maler, Bildhauer, Privatgelehrten und zudem Sportler hat die Schi-Geschichte außer der Lilienfelder Stahlsohlenbindung auch den „Vorlagestemmschwung“ zu verdanken. Mit der „Alpenlanze“, bestehend aus einem Schaft aus Bambusrohr und einer Eisenspitze, fuhr er souverän über schneebedeckte Hänge. Ihm ist auch die Gründung des Alpenschivereins zu verdanken, der bis zum Ersten Weltkrieg der größte Schiverein Mitteleuropas blieb. Einen verwegenen Eindruck hinterlässt auch einer der ersten Schilehrer und -führer Mitteleuropas, der Schustermeister Nagl, auf einer zeitgenössischen Fotografie aus dem Jahr 1895. Zu den Schi-Pionieren, die theoretisch wie praktisch Ausrüstung und Technik weiterentwickelt haben und den modernen Schisport begründeten, gehört auch Georg Bilgeri. Ihm ist es zu verdanken, dass die Ein-Stock-Technik zugunsten zweier Stöcke aufgegeben wurde. Schi zu fahren blieb aber nicht nur den Männern vorbehalten. Eine der ersten Frauen auf zwei Brettern war Minna Piech. Im adretten Schikostüm samt Hut gewann sie 1911 die Klubmeisterschaften des Österreichischen Schivereins in Mürzzuschlag.

Lebensnahe Schigeschichte

Die kulturhistorische Entwicklung des Schifahrens wird im Museum aber nicht nur theoretisch, sondern im Rahmen von „Nostalschi“-Veranstaltungen auch praktisch vermittelt. Dazu gehört außer der historischen Schiausrüstung auch die korrekte Bekleidung. Spätestens auf der Piste bekommt man Respekt, denn diese Art des Schilaufs erfordert Einiges an Übung. Mit modernem Schilauf sind die alten Abfahrtstechniken nicht vergleichbar. Auf diese Art und Weise lässt sich Schi- und Wintersportgeschichte jedenfalls lebensnah vermitteln. In den Wintermonaten werden zudem Sonderausstellungen wie jene, die unter dem Titel „echt style skigeschichte(n)“ gegenwärtig im Bruderladenhaus, dem Stadtmuseum in Schladming zu sehen ist, organisiert. Wer sich nach dem Museumsbesuch nicht auf die Piste wagen oder auf Schitouren in alpine Höhen unterwegs sein will, kann sich bei winterlichen Schlittenfahrten, beim Schlittschuhlaufen und Eisstockschießen bestens die Zeit vertreiben. Oder gar, wie der Schriftsteller Erich Kästner inmitten der Winterlandschaft, aber doch auf Distanz zum Wintersport das winterliche Treiben in aller Ruhe von der Hotelterrasse aus genießen.

T. Kahler , Ärzte Woche 6/2013

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