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Der US-Amerikaner Lance Armstrong vom Team US Postal Service geht am 23.07.2002 durch eine Tür an der «Controle Anti-Dopage».
 
Leben 23. Jänner 2013

Lance Armstrong hat gestanden

Im Gespräch mit Moderatorin Oprah Winfrey bestätigt der ehemalige Radprofi, leistungssteigernde Substanzen eingenommen zu haben.

Er hat den Radsport dominiert – doch ob es immer mit sauberen Mitteln zuging, bezweifelten Experten immer wieder. Jetzt hat Lance Armstrong in einem Interview Doping zugegeben.

Zwanzig Jahre lang hat sich der ehemalige Radprofi Lance Armstrong der Welt als Saubermann präsentiert. Stets hat er geleugnet, jemals wissentlich leistungssteigernde Medikamente eingenommen oder leistungssteigernde Methoden angewandt zu haben. Tatsächlich ist er nie positiv getestet worden. Und obwohl die Proben nie positiv waren, ermittelte die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) gegen Armstrong, bis sie erdrückende Beweise zusammen hatten, unter anderem dank der Zeugenaussagen ehemaliger Teamkollegen. Im Oktober 2012 hatte dann der Radsport-Weltverband UCI alle Armstrong-Ergebnisse von August 1998 an im Nachhinein gestrichen und ihn lebenslang gesperrt. Ihm drohen nun Schadensersatzklagen und wegen Meineids sogar eine Gefängnisstrafe.

Interview mit Oprah Winfrey

Nun bleibt die Frage: Warum trat er nach Jahren des Leugnens vor die Kamera? Mögliche Antworten: Um mit einem öffentlichen Geständnis verlorenen Boden wieder wettzumachen. Um für sich strafmildernde Umstände zu sichern. Um drohende Schadenersatzforderungen zu drücken. Oder um die beschädigte Reputation seiner Krebs-Stiftung, der Livestrong Foundation, wiederherzustellen. Der US-Sportjournalist Don Van Natta meinte dazu: „Du gehst nicht zu Oprah, um zu gestehen, sondern du gehst zu Oprah, um Vergebung zu finden.“ In den USA ist es üblich, dass Stars nach Verfehlungen in renommierten Talkshows Abbitte leisten, und Oprah Winfrey ist seit Jahrzehnten die Beichtmutter der Nation. Und tatsächlich gelingt es vielen Bühnen- und Filmgrößen, nach öffentlich wahrgenommenen Drogen- oder Gewaltexzessen sich durch demütige Auftritte vor der Kamera wieder reinzuwaschen – für ihre weitere Karriere ist das meist durchaus von Vorteil.

Armstrong könnte es aber auch darum gehen, die Schadenersatzforderungen, die auf ihn zukommen, zu minimieren. Die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions fordert umgerechnet etwa neun Millionen Euro zurück. 2004 hatte sie nach Dopingvorwürfen gegen den US-Amerikaner eine Millionen-Prämie zurückgehalten, die der Radsport-Profi dann aber vor Gericht erfolgreich einklagte. Der Radsport-Weltverband UCI verlangt die gewonnenen Preisgelder zurück, die sich allein für seine Tour-Siege auf drei Millionen Euro belaufen. Die „Sunday Times“ will Armstrong infolge des Rechtsstreits von 2004 auf 1,2 Millionen Euro verklagen.

So paradox das klingt: Sollte Armstrong als Kronzeuge gegen die Doping-Hintermänner aussagen und so den Betrug gegen das staatliche Unternehmen US Postal, seinen früheren Rennstall, aufdecken helfen, stünde ihm ein Anteil des erzielten Schadenersatzes zu, auch wenn er einen Teil davon selbst zahlen müsste. Der Auftritt bei Oprah Winfrey könnte dafür den Weg bereiten.

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