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Leben 14. Jänner 2013

NebenWirkungen: Das alte und das neue Jahr

Der Jahreswechsel wird gerne als Anlass genommen, die Schubladen des Lebens ein wenig zu entrümpeln.

Zu Beginn des neuen Jahres denkt man an die vergangenen zwölf Monate und zieht Bilanz: Was waren die schönen Erlebnisse in der ärztlichen Tätigkeit, welche wunderbaren Körperteile durfte man inspizieren, wie groß war die Vielfalt so vieler und die Einfalt so mancher Patienten?

Und wo galt es, Abstriche in der Freude am Medizinberuf zu machen? Wie oft musste man sich eine Abfuhr von einer Krankenkasse holen, einen Rüffel eines unzufriedenen Kunden erdulden oder die laute Klage eines Anwalts ertragen?

Kann man mehr Dinge auf der Habenseite verbuchen, war es ein gutes Jahr. Hat man dennoch ein Burn-out, dann hat man sich verrechnet. Doch es hat keinen Sinn zu lamentieren und die guten alten Zeiten herbeizusehnen, in denen Ärzte hoch angesehen, unglaublich reich und maßlos glücklich waren.

So viel sei gesagt: Wer im vergangenen Jahr nicht glücklich war, der sollte was ändern. Vielleicht nicht jede Minute. Aber zumindest einmal im Monat. Oder im Quartal. Man ist ja bescheiden.

Also sollten die Vorsätze für das kommende Jahr in diese Richtung gehen: Zwar wäre es anmaßend zu behaupten, nur glücklich gehaltene Ärzte in Freilandhaltung würden glückliche Patienten hervorbringen. Aber es hilft zumindest dabei.

Was wäre so auf der Wunschliste für ein zufriedeneres Ärzteleben? Mehr Geld? Mehr Freizeit? Mehr Golf? Oder vielleicht nur weniger Stress, weniger Verwaltung und mehr Golf?

„Work-Life-Balance“ lautet das Schlagwort der 10er-Jahre des 21. Jahrhunderts. Denn viele Kollegen haben beim Spagat zwischen engagiertem Arztdasein und engagiertem Privatleben eine folgenschwere Zerrung in der Adduktorenmuskulatur erlitten. Überstunden im Krankenhaus, die „einfach sein müssen“, die Privatordination, „ohne die es nun mal nicht geht“ oder die Patienten, die „man ab und zu auch mal mit nach Hause nehmen muss, um ihnen im Badezimmer die Nähte zu entfernen“.

Die fehlende Trennung zwischen Job und Freizeit, die Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit, füllt die Schubladen unseres Lebens bis zum Rand. Ein zusätzliches „Ich hätte da noch eine kleine Frage zu meinem Befund“ kann das Fass zum Überlaufen bringen.

Wenn man also im kommenden Jahr sein Burn-out nicht weiter füttern möchte, dann ist es an der Zeit, freiwillig berufliche Abstriche zu machen. Und das gilt nicht nur für Gynäkologen!

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