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Frühbronzezeitlicher Weihefund aus Ried im Oberinntal, bestehend aus Waffen (Dolch und Beil) und Schmuck (Ösenhalsreif, Bernsteinperlen und Spiraltutuli), Insignien der Macht, 18. Jh. v. Chr.
© Universalmuseum Joanneum, Graz

Negauer Helme aus dem Depot von Negau-Ženjak.

Bronzepanzer aus dem Moor aus Bernières-d’Ailly, Marmesse, Dép. Haute-Marne.

© (4) TLM

Vollgriffdolch aus Bronze aus Landeck-Perjen, Frühbronzezeit, Kunsthistorisches Museum Wien, TLMF.

 
Leben 14. Jänner 2013

Waffen für die Götter

Außergewöhnliches Ausstellungsprojekt im Tiroler Landesmuseum in Innsbruck.

Die Hintergründe, warum Gegenstände geopfert wurden, können sehr unterschiedlich sein. Die Ausstellung „Waffen für die Götter“ – Krieger – Trophäen – Heiligtümer im Tiroler Landesmuseum in Innsbruck gibt mit rund 700 Exponaten einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte ritueller Waffenopfer. Nur durch die maßgebliche Beteiligung von 60 Museen und Sammlungen aus Österreich, Deutschland, Italien, dem Fürstentum Liechtenstein und Slowenien konnte dieses außergewöhnliche Ausstellungsprojekt verwirklicht werden.

Riten sind im kulturellen Zusammenleben von besonderer Bedeutung. Opfergaben hatten über lange Zeiträume hinweg in Verbindung damit einen wichtigen Stellenwert. So sollte durch den Akt der Weihe das Kriegs- oder Jagdglück günstig beeinflusst werden, wichtigen Gottheiten geweihte Waffen wurden als Bitt- oder Dankopfer dargebracht.

Die in dieser Ausstellung als Weihe- und Opfergaben gezeigten Exponate umfassen den heimischen Kulturraum sowie den Vorderen Orient und Griechenland. Dazu gehören neben Fundstücken aus der Stein- und Bronzezeit auch Relikte aus der Eisenzeit und geopferte Waffen aus der römischen Antike. Zu den bedeutendsten Funden zählen die 23 erhaltenen Negauer Helme aus dem 5. und 2./1. Jh. v. Chr. Sie werden 200 Jahre nach ihrem Fund in Slowenien nun erstmals gemeinsam gezeigt. Die geopferten Waffen, in diesem Fall die Helme, lassen in mancherlei Hinsicht wertvolle Rückschlüsse zu. Dazu gehört der Glauben an den Schutz durch die Vorsehung, um das Schicksal günstig zu beeinflussen, damit kriegerische Auseinandersetzungen dadurch einen günstigen Verlauf nahmen. Mit diesen Funden ist somit das Schicksal der Sieger eng mit jenem der Besiegten verbunden. Waffen waren folglich nicht nur Mittel zum Kampf, sondern auch wertvolle Statussymbole und galten deshalb als bedeutende Weiheopfer. Die überirdischen Mächte sollten schließlich gnädig gestimmt werden. Ein unangemessenes Opfer zog, wie aus der griechischen Mythologie bekannt, den heftigen Zorn der Götter nach sich.

Höhere Weihe

Die spirituelle Bedeutung dieser Weihegaben stand über ihrer vormaligen Funktion. In bedeutenden griechischen Heiligtümern wurden beispielsweise erbeutete Helme, Schilde oder Beinschienen mit Inschriften zur Schau gestellt. Sie gaben über die Herkunft der gegnerischen Waffen und über die siegreich geschlagene Schlacht Auskunft. Als Beispiel hierfür dient etwa der korinthische Helm aus dem Zeus-Heiligtum in Olympia, eine Leihgabe der Hessischen Hausstiftung, Museum Schloss Fasanerie in Eichenzell, der in der Ausstellung zu sehen ist. Er stammt aus dem ausgehenden 6. Jh. v. Chr. und wurde nach einer Schlacht zwischen den Argivern und den Korinthern Zeus geweiht. Um diesen Helm als Opfergabe klar zu kennzeichnen, wurde er – wie es bei vielen Weihegaben üblich war – als Zeichen der rituellen Handlung beschädigt. Waffen oder Helme konnten im Zuge dessen zerbrochen, verbogen oder auch verbrannt werden, um sie ihrer ursprünglichen Bestimmung und Funktion zu entziehen und dadurch in den Kontext der rituellen Handlung, also der Opferung, zu stellen. Aber nicht nur Waffen wurden geopfert: Die Opferung erbeuteter Feldzeichen nach einem errungenen Sieg war im Römischen Reich ein Zeichen der Demut und Ehrerbietung gegenüber den gnädig gestimmten Göttern. Noch heute erinnern Regimentsfahnen an den Symbolgehalt von Waffen und Rüstungen als antike Weihegaben. Sie gelten als wichtige Kriegstrophäen und dürfen darum unter keinen Umständen in die Hand des Feindes fallen.

Besondere Orte

Die Waffe selbst, aber auch der Platz, an dem ihre Weihe zum Dankopfer stattfand, waren von besonderer Bedeutung. Nicht nur Tempel und heilige Plätze waren hierfür geeignet. Manche dieser geopferten Gegenstände – dabei handelte es sich speziell um Schwerter und Lanzenspitzen – wurden vergraben oder im Wasser von Flüssen oder Seen, an Furten und in Mooren versenkt. So wurde die bronzene Lanzenspitze im Davoser See unter einem Stein entdeckt, das Riegsee-Schwert von Wenns im Pitztal am Übergang über den Piller Sattel hingegen steckte senkrecht im Moor. Auch an Höhenwegen und Passübergängen fanden sich bevorzugte Weiheorte. Der spätbronzezeitliche Dolch vom Balest am Höhenweg Troi Paian, Gemeinde St. Ulrich in Gröden, und der spätbronzezeitliche Vollgriff- und Griffzungendolch vom Tomülpass im Kanton Graubünden gelten als Bitt- oder auch Dankopfer, um riskante Wegstrecken heil zu überstehen.

Gerüstet in die Ewigkeit

Waffen als Grabbeigaben hatten einen ähnlichen Opfercharakter. Solch wertvolle Grabbeigaben fanden sich in der Regel nur in Gräbern hochgestellter Persönlichkeiten. Sie sorgten dafür, dass der gesellschaftliche Status eines Verstorbenen über den Tod hinaus klar ersichtlich blieb. Als Attribute sollten sie dem Verstorbenen über das Leben hinaus den notwendigen Schutz bieten. Diese Art des Totenkultes hat in unterschiedlichen Kulturen eine ähnliche und damit vergleichbare Bedeutung. Auf Grabplatten oder auch den Decksteinen von Sarkophagen sind bis über das Mittelalter hinaus die Rüstung oder Waffen als Attribute verstorbener Edelmänner detailreich ausgeführt. Bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war es, wie etwa auf dem im Friaul gelegenen Friedhof von Redipuglia üblich, Waffen als Erinnerung an den errungenen Sieg inmitten der Gedenkanlage aufzustellen. Bedenkt man, dass Waffen vor Kriegsereignissen geweiht wurden, so ist ihre Verwendung in einem „geweihten“ Bereich einer Gedenkstätte zumindest nicht verwunderlich. Erstaunlich bleibt dennoch, dass diese Art der Opfergabe zumindest bis ins 20. Jahrhundert – im übertragenen Sinn – kaum etwas von ihrem ursprünglichen Bedeutungsgehalt verloren hat.

T. Kahler, Ärzte Woche 3/2013

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