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Leben 8. Jänner 2013

Wiener Ärztin soll "Szene" mit Psychopharmaka versorgt haben

Eine Wiener Ärztin soll Drogenabhängigen jahrelang in großem Umfang Rezepte für unnötige Beruhigungs- und Schlafmittel ausgestellt haben.

Wie das Landeskriminalamt am Dienstag berichtete, wird der Medizinerin aus Liesing vorgeworfen, neben der gesetzlich erlaubten Menge von 20 Stück Somnubene pro Person, auf Privatrezepten zusätzliche 30 bis 90 Stück der Tabletten verschrieben zu haben. In den vergangenen acht Jahren seien so rund 9.800 Privatrezepte über etwa 338.000 Stück der Medikamente ausgestellt worden.

 

Das Vorgehen habe zudem zu hohem Patientenaufkommen gesorgt, von dem die 55-Jährige profitiert habe, indem sie der Wiener Gebietskrankenkasse nie gehaltene Therapiegespräche mit Abhängigen in Rechnung stellte. Dies habe die Vernehmung von rund 80 Patienten der Ärztin ergeben, so die Polizei. Der Krankenkasse sei dadurch ein Schaden von etwa 100.000 Euro entstanden. Die Medizinerin wurde wegen schwerer Körperverletzung, schweren gewerbsmäßigen Betrugs sowie nach dem Suchtmittelgesetz angezeigt.

Mittel gegen Schlafstörungen

Bei Somnubene handelt es sich um ein Schlafmittel mit dem Wirkstoff Flunitrazepam. Die Substanz zählt zur Gruppe der Benzodiazepine. Sie haben eine beruhigende, schlaffördernde und angstlösende Wirkung und werden lege artis - kurzfristig - in der Behandlung von schweren Schlafstörungen eingesetzt. Ein anderes Mittel mit der schnell wirkenden Substanz ist "Rohypnol". Drogen- bzw. Opiatabhängige verwenden die Tabletten oft gemeinsam mit den Opiaten und Alkohol. Dieser Mischkonsum ist besonders gefährlich und für die meisten Drogen-Todesfälle in Österreich verantwortlich.

Novelle der Psychotropenverordnung

In den vergangenen Jahren gab es zunehmend Probleme, weiters einen Schwarzhandel. Deshalb trat am 15. Dezember 2012 eine Novelle der Psychotropenverordnung in Kraft. Diese sieht nun unter anderem eine sogenannte "Vignettenpflicht" für Medikamente mit Flunitrazepam vor: Ärzte müssen Rezepte auf diese Medikamente seither mit durchnummerierten "Suchtgiftvignetten" bekleben, wie sie für Drogen-Substitutionsmittel verwendet werden. Chefärzte können solche Verschreibungen für einen Monatsbedarf bewilligen. Die Ärzte sollen vermehrt auf den Rezepten die Abgabe von jeweils nur einer Tagesdosis vermerken. Insgesamt sollen Benzodiazepine bei Drogenabhängigen nur noch im Rahmen eines längerfristigen Therapieplans verschrieben werden.

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