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Leben 7. Jänner 2013

Die Welt dreht sich doch weiter

Der Weltuntergang sollte am 21.Dezember stattfinden. Eine von vielen Prognosen, die in die Hose gingen.

Wenn Sie im frischen Jahr 2013 diese Kolumne lesen können, wissen Sie, dass die alten Maya auch nicht mehr Gespür für die Zukunft hatten als wir. Am 21.12.2012 sollte die Welt untergehen. Zumindest endete mit diesem Datum der über Jahrhunderte geführte Maya-Kalender und damit, so die Optimisten, auch die irdische Existenz.

Die Quote auf den Außenseiter Weltuntergang lag bei einem internationalen Wettanbieter immerhin bei 1:10.000! Allerdings wäre die Auszahlung des Gewinns wohl eine logistische Herausforderung geworden und es waren daher nicht gerade die hellsten Köpfe, die darauf setzten. Die Weltbevölkerung selbst schien ob dieses Ereignisses wenig bis gar nicht hysterisch (was überraschend ist bei einer Spezies, die bei Kleinigkeiten wie Schnupfenviren oder nicht sterile Klobrillen in Panik gerät). So wurde etwa mit Adventkalendern gewitzelt, die nur 21 Türchen aufwiesen. Dennoch überlegten Patienten, wie sinnvoll eine Vorsorgeuntersuchung am 20.12.2012 war. Und für die Ärzte stellte sich die Frage, ob es eine Pille danach gibt?

Man muss das ehrenwerte mittelamerikanische Volk jedoch in Schutz nehmen. Prognosen sind verdammt schwierig. Das wissen nicht nur die freundlichen Meteorologen, die uns Sonnenschein für das verregnete Wochenende vorausgesagt haben. Das wissen selbstverständlich auch die Ärzte. Fragen rund um die Zukunft sind unser tägliches Brot: „Wie lange wird diese Erkältung dauern?“, „Wann können Sie mich entlassen?“ oder auch durchaus absurde Fragen, wie „Herr Doktor, werde ich den Weltuntergang noch erleben?“

Wir haben oft genauso wenig Ahnung wie die Meteorologen, die Maya oder Patienten selbst. Doch wir können immerhin auf Erfahrungswerte und Statistiken zurückgreifen. Das konnten die Maya nicht. Denn ein evidenzbasierter Untergang ist ein Widerspruch in sich. Zudem ist nicht auszuschließen, dass der Verfasser des Kalenders einfach der Meinung war, dass nach ein paar Jahrhunderten mühsamer Vordatierung irgendwann Schluss mit dem Kalenderschreiben sein muss; und wer dann noch einen aktuellen Kalender möchte, möge sich gefälligst die nächste Ausgabe kaufen.

Die Frage, wie man mit Weltuntergängen umgeht, ist nicht vom Tisch. Immerhin wird uns 2023 von den Azteken der Nächste vorausgesagt. Ich wünsche Ihnen daher bis dahin alles Gute, zumindest mal für den überschaubaren Zeitraum 2013.

Ihr ergebener Kolumnist (der im Dezember immerhin 50,– Euro auf den Weltuntergang gesetzt hat, denn man weiß ja nie).

Tekal-Teutscher R., Ärzte Woche 1/2/2013

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