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© GIULIA MUIR / dpa ARCHIV
Rita Levi Montalcini im November 2006 im Palast Farnese in Rom.
 
Leben 7. Jänner 2013

Rita Levi Montalcini ist tot

Sie war eine der ersten Frauen, die den Medizinnobelpreis erhalten haben und Pionierin in der Neurologie. Sie wurde 103 Jahre alt.

Die italienische Neurobiologin und Medizin-Nobelpreisträgerin Professor Rita Levi Montalcini starb am 30. Dezember 2012 im Alter von 103 Jahren in ihrer Wohnung in Rom, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf das Polizeipräsidium meldete.

Ihr Tod erfülle nicht nur Rom und Italien, sondern die ganze Menschheit mit Trauer, sagte Roms Bürgermeister Gianni Alemanno. Die zierliche, aber energische Wissenschaftlerin hatte in den 1950er-Jahren die Wachstumsfaktoren EGF (epidermal growth factor) und NGF (nerve growth factor) entdeckt. Für letzten erhielt sie 1986 zusammen mit Stanley Cohen den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie. Mit 92 Jahren war Levi Montalcini dann 2001 zur Senatorin auf Lebenszeit ernannt worden. Die „senatori a vita“ sind eine Art Ehrenbürger Italiens, die auch politisches Mitspracherecht haben.

Für die Halbjüdin aus gutbürgerlichem Turiner Elternhaus war die Liebe zur Wissenschaft zeitlebens ein Halt gewesen. In Zeiten von Mussolini und Hitler war der Weg einer wissenschaftliche Karriere für Levi Montalcini lang und steinig. Als Jüdin war es ihr unter Mussolinis Regierung seit Jahren verboten zu praktizieren und zu forschen. Zunächst setzte sie ihre wissenschaftliche Tätigkeit in Brüssel fort, doch als Deutschland unter Adolf Hitler Belgien überfiel, floh sie zu ihrer Familie in Turin. Da sie weder Universitäten noch Büchereien betreten und auch keiner öffentlichen Arbeit nachgehen durfte, hat sie sich ihr eigenes kleines Privat-Labor aufgebaut. Zu dieser Zeit wurden Levi Montalcinis Arbeiten von einem Fachartikel aus dem Jahr 1934 von Professor Viktor Hamburger inspiriert. Der deutsche Entwicklungsbiologe forschte schon länger im US-Exil an der Washington University. In seiner Arbeitsgruppe sollte Levi Montalcini Jahre später der entscheidende wissenschaftliche Durchbruch gelingen.

Als der Krieg in Italien begann, floh die Familie aufs Land. Es folgten Jahre der Flucht, doch ihr kleines Privat-Labor kam immer mit. Nach dem Krieg arbeitete sie in einem Flüchtlingslager, als per Brief der deutsche Zellforscher Viktor Hamburger die junge Wissenschaftlerin nach Amerika für einige Wochen einlud. Doch aus wenigen Wochen sollten Jahre werden. Erst nach 26 Jahren kehrte Levi Montalcinis 1977 nach Italien zurück.

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