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© Stephen Flavin/VBK Wien, 2012
an artificial barrier of blue, red and blue fluorescent light (to Flavin Starbuck Judd), 1968 (Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Panza Collection)
© Billy Jim, New York/ Stephen Flavin/VBK Wien, 2012

the diagonal of may 25 1963, (to Constantin Brancusi), 1963 (The Estate Collection David Zwirner).

© Bill Jacobson, New York/Stephen Flavin/VBK Wien, 2012

icon I (the heart – to the light of Sean McGovern which blesses everyone), 1961- 62 (The Estate Collection David Zwirner).

© 2012 Stephen Flavin/Artists Rights Society (ARS), New York

Dan Flavin in seiner Ausstellung in der Galerie Heiner Friedrich, München 1968.

© Stephen Flavin/VBK Wien, 2012

Ausstellungsansicht „European Couples“, 1966–1971 (The Estate Collection David Zwirner)

 
Leben 7. Jänner 2013

Magie des Lichts

Reduktion auf das Wesentliche: Der Amerikaner Dan Flavin hat – als einer der führenden Vertreter der Minimal Art – diese Richtung wesentlich mitgeprägt.

Mit handelsüblichen Neonröhren subtile Licht-Atmosphäre zu schaffen, ist Dan Flavin zeit seines Lebens virtuos gelungen. In der Ausstellung „Dan Flavin – Lights“ im museum moderner kunst stiftung ludwig wien sind bis Februar exemplarische Arbeiten des amerikanischen Künstlers aus den 1960er und 1970er Jahren zu sehen.

An sich ist Neonlicht etwas Profanes. Seit Jahrzehnten prägt das Arbeitslicht der Leuchtstoffröhren in Büros, Geschäften und Leuchtreklamen den Alltag vieler Menschen. Neonröhren haben also eher einen praktischen Gebrauchswert. Erst durch die von Dan Flavin wertfrei vollzogene Übertragung in den künstlerischen Kontext änderte sich dies.

In den frühen 1960er Jahren begann er mit diesen, industriell gefertigten, Produkten verstärkt zu arbeiten. Der immaterielle Charakter des Neonlichts entwickelte in den Installationen der folgenden Jahre materielle Qualität.

Als einer der Väter der Minimal Art hielt er sich bei der Wahl seines Mediums an Grundsätze, die auch das Werk von Donald Judd, Sol LeWitt, Carl Andre und Robert Morris prägen. Flavin weitete die Forderungen der Minimal Art nach der Verwendung „reinen Materials“ allerdings aus, in dem er neben handelsüblichen weißen Leuchtstoffröhren auch farbige verwendete.

Profan oder spirituell?

Bevor Leuchtstoffröhren wesentliche Bestandteile seiner Arbeiten wurden, entstand die Serie „icons“. Glühbirnen, aber auch Neonröhren wurden dabei mit dem aus der Ikonenmalerei bekannten Typus des Tafelbilds kombiniert. In einem Akt äußerster Reduktion interpretierte Flavin die Wechselwirkung von monochromer Bildfläche und Kunstlicht. Flavin verweist in diesem Zusammenhang auf „die magische, beherrschende Präsenz, die ich in meinen „icons“ anstrebe. Doch meine Ikonen unterscheiden sich vom byzantinischen Christus in seiner Erhabenheit; sie sind stumm, anonym und ruhmlos.“

In „the diagonal of may 25, 1963 (to Constantin Brancusi)“ bestehend aus einer handelsüblichen gelben Leuchtstoffröhre, die in einer exakt festgelegten diagonalen Ausrichtung in seinem Atelier an der Wand befestigt war, ging Dan Flavin noch einen Schritt weiter: Dieses Licht-Zeichen als Hommage an Brancusi ist ein unübersehbarer Akzent mit einer gänzlich neuen, essenziellen Qualität. Denn trotz der offensichtlichen Abwesenheit des Kunstwerkes ist dessen Aura, wie von Dan Flavin beabsichtigt, deutlich sicht- und spürbar.

Lebenslange Suche

Der Ausspruch „Wo Licht ist, ist auch Schatten“, trifft auf die Arbeiten Dan Flavins nicht zu. Im Zusammenhang mit der Persönlichkeit des Künstlers hat er jedoch Berechtigung. Einer der bedeutendsten Sammler, Giuseppe Panza, der in der Villa Menafoglio Litta Panza in Varese einige Räume Flavins Lichtinstallationen gewidmet hat, erinnert sich in seiner Biografie an ihn als einen Menschen mit jähen Stimmungswechseln, der kaum zufriedenzustellen war. Jenen, die seine Werke erwarben und ihn als Künstler sehr schätzten, begegnete er, so Giuseppe Panza, oft schroff.

Diese „Schattenseite“ ist in Flavins Werk nicht sichtbar, manches davon liegt in seiner Biografie begründet. So hat er seine ursprüngliche Absicht, in den Jesuitenorden einzutreten, nicht verwirklicht. Die katholische Liturgie war ihm nicht fremd, auch wenn zum Katholizismus große Distanz bestand.

Stattdessen verstand er sich zeit seines Lebens als Links-Intellektueller. Diese starken innerlichen Widersprüche blieben für sein Werk bestimmend.

Licht und Raum

In den Arbeiten der späten 1960er und frühen 1970er Jahre wurde der Bezug zum Raum ausgeprägter. Als Skulpturen sind aber weder die vier Leuchtstoffröhren, die zu einem Rechteck angeordnet ein „Bild“ oder einen „Bilderrahmen“ ergeben, noch die raumgreifenden Arbeiten Flavins zu bezeichnen. Eine seiner Bemerkungen, entnommen dem Band „Heinz Ohff: Galerie der neuen Künste. Revolution ohne Programm“ zu „an artficial barrier of blue, red and blue fluorescent light (to Flavin Starbuck Judd)“, 1968, das er seinem Sohn gewidmet hat, verdeutlicht dies: „Dieses Projekt wurde fälschlicherweise als Skulptur bezeichnet, und das von Leuten, die eigentlich mehr Ahnung haben sollten.“

Die Leuchtstoffröhren sind bloß das Medium, ihre Anordnung. Das Licht, das sie ausstrahlen, korrespondiert mit den Ausstellungsräumen und schafft eine fast sakrale Atmosphäre. In der von 1966 bis 1971 entstandenen Serie „European Couples“, neun Werken, die Flavin je einem Paar aus seinem Bekanntenkreis gewidmet hat, ist die subtile Qualität seines künstlerischen Schaffens in vielerlei Hinsicht spürbar: Die Lichtfarben korrespondieren, mischen sich, Wände und Boden nehmen die Farbatmosphäre auf. Aber auch wenn in manchen seiner Werke ein ironischer Unterton spürbar ist, geht es doch grundsätzlich um etwas anderes: „Ich kann eine gewöhnliche Lampe aus dem normalen Gebrauch herausnehmen und sie in einen Zauber verwandeln, der uralte Mysterien berührt“, so Dan Flavin.

Eine seiner letzten Arbeiten, posthum nach seinen präzisen Angaben realisiert, ist die Lichtinstallation in der Kirche Santa Maria Annunciata in Chiesa Rossa, Mailand, einem Sakralbau aus den 1930er Jahren. Das Profane und das Erhabene sind auch dort nicht weit voneinander entfernt – eben dies wird unter anderem in dieser Ausstellung eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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