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Leben 11. Dezember 2012

Handy schadet tieferen Beziehungen

Aufgrund der exzessiven Nutzung des Mobiltelefons sollen einer Untersuchung zufolge persönliche Kontakte auf der Strecke bleiben.

Junge Menschen, die ihre Mobiltelefone den ganzen Tag über exzessiv nutzen, laufen Gefahr, ihre sozialen Beziehungen zu schädigen, wie US-Forscher der Baylor University herausgefunden haben wollen. Forscher der University of Michigan behaupten zudem, dass der ständige Blick auf den Bildschirm der Handys ansteckend sei. Erwachsene seien von beiden Phänomenen nur in geringerem Ausmaß betroffen.

Der durchschnittliche US-Teenager verschickt pro Tag 109,5 SMS, so die Baylor-Forscher. Durch Online-Aktivitäten wie E-Mail, Facebook und Co geht noch zusätzliche Zeit verloren. Darunter leiden angeblich die persönlichen Kontakte, da junge Menschen auch im Gespräch andauernd ihre Mobiltelefone prüfen. Die Studienautoren sehen darin gar eine Gefahr für die gesunde Entwicklung Jugendlicher. Ob die Teenies ihre Handys nur deshalb so exzessiv nutzen, weil sie jung sind, oder ob sie dieses Verhalten auch als Erwachsene weiter an den Tag legen, kann die Untersuchung nicht beantworten.

Die Internetplattform Cnet merkt jedenfalls an, dass verschiedene empirische Hinweise – wie etwa Handy- Verbote in einigen Restaurants – darauf schließen lassen, dass Erwachsene schon jetzt nicht viel besser sind als Teenager, was ihre Abhängigkeit vom Hosentaschen-Computer angeht. Diese Sucht soll laut den Forschern aus Michigan jetzt auch noch ansteckend sein. Ihre Experimente mit Studenten haben ergeben, dass junge Menschen im Schnitt 24 Prozent der Zeit, die sie mit Freunden verbringen, mit ihren Handys beschäftigt sind. Nutzte ein Gegenüber sein Mobiltelefon, stieg auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Probanden zum Smartphone griffen.

Wunsch nach sozialer Akzeptanz

Diese Ansteckungsgefahr führen die Forscher auf den Wunsch nach sozialer Akzeptanz zurück. Nutzt ein Freund sein Handy, fühlen sich Menschen schnell ausgeschlossen und greifen deshalb selbst zum Telefon. Bei jungen Menschen ist dieser Ef- fekt besonders stark. Teenager greifen durch den Effekt noch häufiger zum Mobiltelefon als ohnehin schon.

Aus den Arbeiten der Wissenschaftler den Verfall der westlichen Zivilisation abzuleiten, ist aber verfrüht. Es gilt dabei zu bedenken, dass zu ihrer Anfangszeit auch den Büchern nachgesagt wurde, sie würden die Jugend verderben. „Darüber hinaus sollte berücksichtigt werden, dass die genutzten Online-Dienste auch eine soziale Komponente haben. Trotzdem ist es wichtig, Kinder und Jugendliche zu ermuntern, Abstand zu gewinnen. Eltern können hier mit gutem Beispiel vorange-hen“, meint Bernhard Jungwirth, Projektkoordinator bei Saferinternet (www.saferinternet.at ).

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