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Kurzer Stopp zur Orientierung während der Weltreise 1936 in Japan.
© (4) Reisch-Archiv

Mit dem Steyr Type 100 in Burma 1936.

Auf dem Weg von Wien nach Indien: Festgefahren in Belutschistan.

Die voll beladene „Sahara Puch“ 1932 während der „Testfahrt“ in Afrika.

 
Leben 14. Dezember 2012

Lockende Ferne

Die Fernfahrten des Tiroler Forschers und Verkehrspioniers Max Reisch sind legendär: Nach Indien, Indochina und rund um die Welt führten seine Expeditionsfahrten. 2012 jährt sich sein 100. Geburtstag.

Wagemut und Abenteuerlust sowie unbändiges Interesse an fremden Ländern und anderen Kulturen. All dies hat Max Reisch in seinem äußerst aktiv gestalteten Leben zu verbinden und zu vermitteln gewusst.

Bereits in jungen Jahren war der gebürtige Kufsteiner, einer der drei Söhne des Großkaufmanns und Gutsbesitzers Hans A. Reisch, nicht nur auf Schiern, sondern auch auf Zweirädern unterwegs. Mit seiner heute noch in der Sammlung des Reisch-Archivs in Bozen erhaltenen „Stilfserjoch Puch“ ging es bei der 12-Pässe-Fahrt 1930 mit wenig PS- , um das Ausloten eigener Grenzen und jener der Maschine. Im gleichen Jahr absolvierte Max Reisch aber ein noch gewagteres Vorhaben. Der 20-Jährige– mittlerweile Student an der TU-Wien, Abteilung Hochbau – begab sich mit der „Sahara-Puch“ auf seine erste außereuropäische Fernfahrt. Die finanziellen Mittel für diese und die folgenden Reisen waren knapp, die Maschine vom Typ 250 T, Baujahr 1929 mit 250 ccm, wurde gebraucht erworben. Auf Unterstützung von offizieller Seite war weder zu hoffen noch zu rechnen. Alles in allem also ein wahres Abenteuer auf zwei Rädern, das er mit seinem Sozius Alfred Schricker absolviert. Mit nur 6 PS und zwei Personen samt Gepäck im Sattel der Puch erforderte dies erhebliches Durchhaltevermögen. Die 9600 Kilometer lange „Testfahrt“, so Max Reisch, verlief von Bozen über Frankreich und Spanien nach Marokko, Algerien und Libyen und retour, via Schiff von Tripolis nach Italien und von dort nach Wien.

Von Österreich nach Indien

Damit nicht genug, stand dem jungen Tiroler schon ein weiteres und deutlich weiter entferntes Ziel vor Augen: von Wien sollte es auf dem Landweg nach Indien gehen.

Diesmal gab es offizielle Unterstützung, die Grazer Puch-Werke stellten eine nagelneue Maschine vom Typ 250 T, Baujahr 1933 mit 6 PS zur Verfügung. Auch das Unternehmen Shell unterstützte die beiden Fern-Fahrer Max Reisch und Herbert Tichy, um die 13.000 Kilometer lange Strecke zu bewältigen. Die gutmütige Doppelkolben-Puch hatte es dabei genauso wie Reisch und Tichy nicht leicht: die ersten Pannen passierten schon zu Beginn der langen Reise. Zwar hatten die beiden jede Menge Ersatzteile dabei, aber nicht unbedingt die, die gerade gebraucht wurden. Die Strapazierfähigkeit von Mensch und Maschine wurde auf dieser langen Reise mehr als nur einmal auf die Probe gestellt. Reisch und Tichy notierten akribisch ihre Eindrücke von Land und Leuten, einzelnen Etappen voller Schwierigkeiten wechselten mit erfreulichen Erlebnissen auf ihrer Indienfahrt. Max Reisch hatte bei seiner Planung die notwendigen Kosten genau kalkuliert. Es ging schließlich nicht darum, eine kostspielige Expedition in unbekannte Länder durchzuführen, sondern zu beweisen, dass solche Vorhaben mit Courage und dem notwendigen Durchhaltevermögen, gewürzt mit einer Prise Glück, überstanden werden konnten.

Von Tirol in die Welt

Max Reisch begegnete dem Wagnis solcher Fernreisen auf zwei oder vier Rädern, wie etwa der Weltreise in den Jahren 1935 bis 1937 im Steyr Type 100, trotz mancher Rückschläge souverän. Ein weiterer glücklicher Umstand kam hinzu: er konnte nicht nur professionell mit Film- und Fotokamera umgehen, sondern schrieb akkurat journalistisch präzise über das Erlebte. Die manchmal schwierige Suche nach einem Weg zum Ziel der Reise hielt er folglich in Wort und Bild mit seiner Leica und auf 16mm Film fest. Als aufmerksamen Reisenden war ihm die Routenplanung ebenso wichtig wie das Dokumentieren oftmals schwieriger Etappen. Wie reich sein Erfahrungsschatz war, das belegen auch die Zeugnisse seines umfangreichen Orient-Archivs. Seine Botschaft blieb indes immer die gleiche: eigentlich kann das nahezu jeder schaffen.

In einer Welt, die in der zweiten Hälfte des 20. Jh. immer kleiner wurde, da sich Distanzen im interkontinentalen Flugverkehr in bis dahin ungeahnten Zeiten zurücklegen ließen, wirkten solche Fernfahrten damals fast schon anachronistisch. Aber wie Max Reisch auch noch in den 1950iger und 1960iger Jahren eindrucksvoll bewies, blieben sie ein probates Mittel, um sich behutsam anderen Kulturen und Weltgegenden zu nähern. Vieles von dem, was Max Reisch buchstäblich „erfahren“ hat, ist heute schlicht nicht mehr möglich, denn die Zeiten und Routen sind mancherorts wieder unsicher geworden. Was bleibt, ist seine Haltung mit Offenheit und Toleranz dem Fremden zu begegnen. Und gerade dies wusste Max Reisch in seinen Büchern und Vorträgen vor allem der Jugend zu vermitteln.

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