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Leben 4. Dezember 2012

Datenschutz ade

Warum sich über ELGA echauffieren, wo wir doch im Internet längst schon all unsere Geheimnisse preisgeben.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Vor Kurzem hat man noch heftig diskutiert und überlegt, wie man das Projekt ELGA in Hinblick auf den Datenschutz gestalten könnte, und plötzlich war es da! Klopft an die Ordinationstüren und bittet die grantig heraus blinzelnden Ärzte um Einlass.

Die Sache mit dem Datenschutz ist natürlich heikel. Jedoch nicht nur bei ELGA! Vor Kurzem machte ich eine Recherche für eine Radiosendung zum Thema Co-Abhängigkeit. Wenn also jemand suchtkrank ist, unterstützt ein Angehöriger unbewusst durch das eigene Tun die Sucht. Spannendes Thema, dachte ich mir und so bat ich Herrn Amazon, mir bei Buchtipps behilflich zu sein, was der freundliche Herr vom Online-Buchhandel auch gerne tat, obwohl ich ihm keine Bücher abkaufte.

Kurz darauf bekam ich auf meine E-Mail-Adresse Buchvorschläge für Weihnachten, die mich möglicherweise interessieren könnten. Die Auswahl war recht schmal und bezog sich auf mein Faible für Co-Abhängigkeit, es waren Bücher über Alkohol-, Drogen- und Spielsucht, Chakren-Massage zum Entzug, Anleitungen zum Joint bauen und Anleitung zum Twister-Joint bauen.

Aus Neugier wollte ich auch googeln, was ein „Twister-Joint“ ist. Plötzlich fiel mir ein, Google könnte spitz bekommen, dass ich mich für die Herstellung illegaler Substanzen interessiere und so riss ich in Panik den Computerstecker aus der Dose. Beim erneuten Hochfahren des Rechners begrüßte mich Google mit meiner „letzten Suchanfrage“ zum Thema „Bauen eines Twister Joints“. Ich bin sicher, ich bekomme noch vor Weihnachten einen Newsletter von den anonymen Alkoholikern mit Terminen, einen pdf-Vordruck für eine Selbstanzeige bei der österreichischen Staatsanwaltschaft sowie aktualisierte Vorschläge von Amazon zu meinem Leseverhalten: „Rauch dich frei“, „Drogen und Golf dürfen kein Widerspruch sein“ oder „Twister – das klassische Spiel für die ganze Familie!“

Nachdem ich also als gläserner Surfer im World Wide Web unterwegs bin, mein Ruf im Cyber-Space ohnehin schon ruiniert ist, kann es mir – Arzt sein hin oder her – persönlich völlig schnuppe sein, was auf meiner E-Card alles gespeichert ist. Ich muss allerdings damit rechnen, zwei Wochen nach der nächsten Gesundenuntersuchung ein Mail vom Herrn Amazon in meinem Eingangsordner vorzufinden, der freundlich auf meine besonderen Vorlieben für Blutabnahmen („Twighlight-Saga – Biss zum Morgengrauen“), Auskultation („Der Abhörskandal“) und Prostata-Untersuchung („Intime Momente“) Bezug nimmt.

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