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© Thomas Kahler (4)
Schauseite von Schloss Neugebäude.

„Schöner Saal“ mit Stichkappengewölbe.

Prunkstall mit toskanischen Säulen.

Abschluss des linken Seitentraktes.

 
Leben 4. Dezember 2012

Schloss ohne Namen

Ein Zeugnis höchster fürstlicher Ambitionen: noch heute wirkt das nächst dem Wiener Zentralfriedhof gelegene Schloss Neugebäude beeindruckend.

Schloss Neugebäude war ein wechselvolles Schicksal beschieden. Als Lust- und Jagdschloss erlebte es eine kurze Hochblüte. Seit einigen Jahren erfährt nun das Prestigeprojekt Maximilian II. eine behutsame Renaissance.

Die Geschichte von Schloss Neugebäude ist voller Wendungen und Widersprüche. Ursprünglich von Kaiser Maximilian II. in Auftrag gegeben, sollte diese von einer zinnenbewehrten Mauer umgebene Anlage mit ihren prachtvollen Türmen, Nutzgärten, Wasserspielen und Blumenparterres als Jagdresidenz und Lustschloss dienen. Für den Monarchen, der 1550 zusammen mit seiner Frau vom Spanischen Hof nach Wien gekommen war, diente dieses repräsentative Prestigeprojekt um seinen kaiserlichen Machtanspruch eindrucksvoll zu untermauern.

Hohe Baukosten und strategisch ungünstige Lage

Die Baukosten überstiegen nahezu die finanziellen Mittel, die Verwirklichung des Projektes fiel zudem in unsichere Zeiten. Die ständige Bedrohung durch die „Hohe Pforte“ war nach dem Friedensschluss von Adrianopel 1568 zwar 25 Jahre lang gebannt, aber der für den Prachtbau gewählte Ort wurde dadurch auf Dauer keinesfalls sicher. Der Legende nach blieb Schloss Neugebäude allerdings während des Zweiten Türkenkrieges nur darum vor der Zerstörung verschont, weil sich dort während des Ersten Türkenkrieges das Hauptquartier von Sultan Süleyman I. befand.

Jagd- und Lustschloss

Die repräsentative Gesamtanlage war als solche nie als Ort für einen längeren Aufenthalt gedacht. Darum fehlen sämtliche dafür notwendigen Räume wie Küche oder Vorratskeller. Die geringe Breite des lang gezogenen Baukörpers, dem Bau-Typus nach als „Belvedere“ geplant, schließt ebenfalls eine ganzjährige Nutzung aus. Von den offenen Arkadengängen der beiden Seitentrakte fiel der Blick auf die ausgedehnten Donauauen. Obwohl das architektonische Gesamtkonzept mit keinem der bekannten Namen der Spätrenaissance konkret in Verbindung gebracht werden kann, sind stilistische Einflüsse etwa Giulio Romanos oder auch Andrea Palladios nicht von der Hand zu weisen. Naheliegend ist jedoch, dass die Entwürfe für Schloss Neugebäude auf Maximilian II. selbst zurückgehen, der über eine umfassende humanistische Bildung verfügte. Idealisierte zeitgenössische Stiche zeigen Schloss Neugebäude inmitten ausgedehnter Gartenanlagen. Die vier mächtigen, heute nicht mehr vorhandenen Ecktürme: der Kron-, der Rats-, der Musik- und der Badeturm, in dem sich das kaiserliche Dampfbad befand, waren durch Arkadengänge verbunden. Was Küche und Keller im nahe gelegenen Schloss Kaiserebersdorf zu bieten hatten, kam zu den festlichen Anlässen in diesen Gängen von Schloss Neugebäude auf die kaiserliche Tafel. Auch die kaiserliche Menagerie, die zunächst in Schloss Kaiserebersdorf Platz gefunden hatte, übersiedelte nach Schloss Neugebäude, wovon heute noch der „Löwenhof“ als Teil der Anlage zeugt.

Die Glanzzeit von Schloss Neugebäude war nur von kurzer Dauer. Der Bauherr, Kaiser Maximilian II. war 1576, knapp 60-jährig, in Regensburg verstorben. Sein Lieblingsprojekt blieb somit unvollendet. Das erhalten geblieben Ballspielhaus und der Prunkstall vermitteln aber heute noch einen Eindruck höfischer Größe.

Schwindende Pracht

In den Jahren 1590 bis 1592 wurde durch den flämischen Maler Lucas van Valckenborch die Anlage in einem seiner Werke, das sich im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet, für die Nachwelt festgehalten. Die große Zeit dieses Bauwerks ging damals bereits zu Ende. Zeitgenössische Berichte belegen den bereits im 17. Jahrhundert einsetzenden Verfall. Nachdem das Bewässerungssystem durch den veränderten Lauf der Schwechat und der Liesing nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt werden konnte, war es schon bald um die prachtvollen Gärten geschehen. Das nächst dem Haupttor des Zentralfriedhofs erhaltene Brunnenhaus und die als Wasserreservoir dienenden Rundtürme verloren damit ihre Funktion. In der Folge verschwanden die botanischen Spezialitäten, wie die erst seit dem 16. Jh. in Österreich heimischen Tulpen und Pomeranzen, aber auch die Mandel- und Olivenbäume.

Das namenlose Schloss

Schon zu Lebzeiten Maximilian II. waren die Bau- und Erhaltungskosten enorm gewesen. Hinzu kam die exponierte Lage von Schloss Neugebäude. Kaiserin Maria Theresia gab das „Schloss ohne Namen“, wie es von ihr bezeichnet wurde, schließlich auf. Die Doppelsäulen der Galerie, die bauplastischen Ornamente und Wandverkleidungen wurden nach Schönbrunn gebracht. Sie sind heute wesentliche Bestandteile der „Gloriette“ und der „Römischen Ruine“. Der von allem Schmuck entkleidete Baukörper fand, architektonisch stark verändert, im ausgehenden 18. und während des 19. Jahrhunderts eine neue Bestimmung: das Militär nützte die weitläufige Anlage mit ihren gedrungenen Rundtürmen als Pulverdepot. Das der Schauseite vorgelagerte Gartenparterre wurde zum Artillerie-Schießplatz. Aus dem Jagd- und Lustschloss war somit ab 1824 ein Zweckbau geworden, mit eingezogenen Zwischendecken und Rampen, um das Schießpulver zu lagern und zu transportieren.

Während des 2. Weltkriegs boten die Räumlichkeiten Platz für die kriegswichtige Produktion der Saurer Panzerwerke. Die ruhmreiche Vergangenheit blieb indes bis Ende des 20. Jh. fast vergessen, die ehemalige Gartenanlage wurde ein Teil des Urnenfriedhofs. Erst in den vergangenen Jahren kehrt auf Schloss Neugebäude, das sich nunmehr im Besitz der Stadt Wien befindet, wieder Leben ein. Es wird, behutsam restauriert, als Ort für kulturelle Veranstaltungen und kunsthistorische Führungen genützt.

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